Schützen, Züchter, Sportler

Vereint in der Virusfalle: Was macht Corona mit den Mitgliederzahlen?

Pausen-Modus: Corona hat den Trainingsbetrieb und viele andere Vereinsaktivitäten lahm gelegt.
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Pausen-Modus: Corona hat den Trainingsbetrieb und viele andere Vereinsaktivitäten lahm gelegt.

Keine Veranstaltungen, keine Feste und keine regelmäßigen Treffen und Angebote: Das Vereinsleben in den allermeisten Vereinen in Hamm liegt Corona-bedingt noch immer weitgehend brach.

Hamm – Zu spüren bekommen die Corona-Einschränkungen vor allem Vereine, die immer mehr Vereinsaustritte von Mitgliedern bemerken. Aber: Längst nicht jeder Hammer Verein beklagt tatsächlich einen Mitgliederschwund im Zusammenhang mit der Coronapandemie.

Stabile Mitgliederzahlen trotz der andauernden Coronasituation kann beispielsweise der Bürgerschützenverein Hövel vorweisen. „Bei uns gibt es keine Austrittswelle“, ist der Vorsitzende Wolfgang Scheidsteger froh, dass rund 1000 Mitglieder hinter dem größten Hammer Schützenverein stehen und ihn auch in einer Krisensituation nicht hängen lassen.

Zu schätzen wisse man das im Verein, weil man den Mitgliedern Corona-bedingt seit dem Frühjahr 2020 kaum etwas bieten könne und fast sämtliche Veranstaltungen seither ausfielen. Um den Mitgliedern daher entgegenzukommen, hat der Vorstand von sich aus reagiert und schon kürzlich mitgeteilt, dass die Beiträge einmalig für 2021 halbiert werden. „Das ist sehr, sehr positiv angenommen worden“, sagt Scheidsteger. Austritte gibt es bei den Bürgerschützen zwar nicht, allerdings gibt es auch keine Neuaufnahmen.

Sportvereine leiden in der Corona-Krise

Mit rund 170 Mitgliedern zählt auch der Rassegeflügelzucht-, Obst- und Gartenbauverein Mark eine ähnlich hohe Mitgliederzahl wie vor der Pandemie. Austritte im Zusammenhang mit Corona gäbe es bei den Marker Züchtern nicht, erklärt der Vorsitzende Heinz-Willi Bögge. Dabei sind natürlich auch hier die Vorstands- und Vereinsmitglieder noch immer zum Nichtstun gezwungen, so dass auch in der Mark weder regelmäßige Treffen, noch große Veranstaltungen stattfinden. „Es läuft alles schleppend“, sagt Bögge, dem vor allem die fehlende Planbarkeit zu schaffen macht.

So positiv die Beispiele aus Hövel und der Mark auch sind: Andere Vereine in Hamm verlieren schon seit Monaten Mitglieder. Auffällig dabei: Es betrifft offenbar vor allem Sportvereine. Einer von ihnen ist der Fußball- und Breitensportverein SV Westfalia Rhynern. „Natürlich führt Corona zum Austritt von Mitgliedern“, sagt der Vorsitzende Dr. Arnulf Kleine und schätzt, dass die Westfalia Corona-bedingt etwa fünf bis zehn Prozent ihrer rund 950 Mitglieder verliert.

Weniger Mitglieder bedeuten für den Verein aus Rhynern letztlich auch finanzielle Einbußen. Neben geringeren Einnahmen durch die Mitgliedsbeiträge würde der SV Westfalia Rhynern aber auch unter dem eingestellten Ligenspielbetrieb leiden, da die Einnahmen durch Zuschauer sowie aus der Gastronomie wegfallen. Finanzielle Hilfen für Vereine habe man zwar in Anspruch genommen, es drohe durch eine Regeländerung seitens des Gesetzgebers jedoch eine Rückzahlung durch den Verein, erklärt Kleine. „Alles in allem ist es kein erfreuliches Pandemiejahr“, zieht er eine ernüchternde Bilanz.

Sinkende Mitgliederzahlen und steigende Hoffnung

Stark betroffen von der Coronapandemie ist auch der mitgliederstärkste Hammer Sportverein, der Hammer SC 08. Zwar gehören dem Verein noch immer über 5000 Mitglieder an, bis zu 700 Austritte musste der HSC seit Coronabeginn jedoch hinnehmen. Am Beispiel des Hammer SC zeigt sich, warum vor allem Sportvereine derzeit viele Mitglieder verlieren – und zwar mehr, als viele andere Vereinssparten. „Unser Monatsbeitrag liegt bei bis zu 40 Euro“, erklärt HSC-Geschäftsführer Kai Hegemann. Dafür erhalten die Mitglieder auch viel Leistung, mehrfach wöchentlich. Fällt dieses (Sport-)Angebot jedoch weg, tritt manches Mitglied lieber zunächst aus, im Sinne eines nicht gegebenen Preis-Leistungs-Verhältnisses. Bei vielen anderen Vereinsarten fällt dieses Prinzip anders aus, denn beispielsweise Schützenvereine kosten meist zwischen 20 und 30 Euro an Beitrag pro Mitglied.

Klar, dass sich der Mitgliederschwund beim HSC finanziell auswirkt. Geschäftsführer Kai Hegemann sieht darüber hinaus aber noch ein weiteres Problem im Zusammenhang mit den vielen Vereinsaustritten. Denn: Der Hammer Sportclub ist wie auch die meisten anderen Vereine gemeinnützig und verfolgt daher höhere Ziele, als nur die Förderung von Sport und Bewegung. „Ganz wichtig ist die soziale Komponente“, betont Hegemann, der diese Ziele durch den Mitgliederschwund in Gefahr sieht. Dabei sieht man erst jetzt, wo die Vereine kaum etwas machen können, welch wichtigen Beitrag sie in gesellschaftlicher Hinsicht leisten.

Genau diese sozialen Aspekte sind letztlich aber auch der Grund, warum Kai Hegemann glaubt, dass die meisten ausgetretenen Mitglieder sich spätestens nach Corona dem Verein wieder anschließen. „Denn auch wenn sie aktuell zuhause alleine trainieren: Vielen von ihnen fehlen die sozialen Kontakte durch den Sportverein“, weiß der Geschäftsführer. Aber auch ein anderer Aspekt im Zusammenhang mit Corona wird vermutlich dafür sorgen, dass Vereine wie der HSC nach der Pandemie wieder volle Sportkurse und Mannschaftstrainings haben werden. Denn: „Viele klagen über Rückenschmerzen“, sagt Hegemann im Hinblick darauf, dass Corona oftmals zu einem Bewegungsmangel geführt hat – sei es durch das Homeoffice oder die eingeschränkten Fitness- und Sportmöglichkeiten.

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