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Verborgene Orte: Als Bockum-Hövel noch ein Kinostandort war

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Von: Frank Osiewacz

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Der ehemalige Kinosaal. © Wilkmann

Hamm - In unserer neuen Serie „Verborgene Orte“ besuchen wir mit der 360-Grad-Kamera Orte in Hamm, die eine besondere Geschichte haben – So auch das ehemalige Kino in Bockum-Hövel. Wer heute etwas vom alten Kino-Charme erleben möchte, braucht allerdings einen Termin beim Heilpraktiker.

In dem Gebäudekomplex Ecke Oswaldstraße/Hohenhöveler Straße, in dem Heilpraktiker und Yoga-Lehrer Lucas Wilkmann heute praktiziert, befand sich einst das „Liraton“-Lichtspielhaus. Betreiber des Kinos waren zunächst Wilkmanns Großeltern, später dann seine Eltern Margot und Richard Wilkmann. 

1934 übernahm Großvater August Wilkmann den Betrieb. Die „Glückauf“-Lichtspiele hatte es hier vorher schon gegeben. Jeweils aus den beiden Anfangsbuchstaben in Lichtspiele und Radbod und dem Wort Ton wurde nun „Liraton“. Bis auf die Treppe erinnert nicht viel an das ehemalige Kino. Doch wenn Lucas Wilkmann aus der Familiengeschichte erzählt, lernen die Bilder wieder laufen. 

Hinter der gerundeten Wand im Obergeschoss lag der Balkon, die gewaltigen Deckenhöhen des ehemaligen Kinos sind nach Umbauten durch Zwischendecken kaschiert und im Erdgeschoss, dem eigentlichen Saal, sorgen heute keine Filme für Frequenz, sondern ein Discounter in blau-gelben Farben. 

300 Plätze sind für das „Liraton“ dokumentiert. „Aber das hat an manchen Tagen nicht ausgereicht“, weiß Wilkmann aus Erzählungen. „Bei beliebten Titeln haben sich zwei Leute einen Sitz geteilt.“ Auch prominente Besucher konnten die Kinobetreiber begrüßen: „Johannes Heesters, Zarah Leander und Paul Kuhn waren hier“, sagt Wilkmann. „Bei solchen Anlässen ist reichlich Sekt und auch Whiskey geflossen.“ 

Für Wilkmanns Eltern blieb das „Liraton“ nicht das einzige Kino. Das Ehepaar, das eigentlich mit Tabakwaren und Spirituosen handelte, betrieb ebenfalls den „Elektra-Palast“, das spätere „Jet Movie“, an der Stefanstraße 43 und das „Capitol“ am Kentroper Weg 16. Das Ende für das „Liraton“ kam 1966. 

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Das Wartezimmer der Praxis in einer 360 Grad Aufnahme. © Mroß

Erste Veränderungen in der Kinolandschaft machten sich bemerkbar, das Fernsehen war auf dem Vormarsch. „Wir waren immer Sekundärkino“, sagt Wilkmann. Große Titel liefen zunächst in der Stadt. Nach dem Ende der Kino-Ära an der Oswaldstraße zogen hier ein Tapetenladen und ein Lebensmittelmarkt ein. 

Geblieben sind Wilkmann selbst Erinnerungen an die Zeit des „Jet Movie“. An die Sitze in Flugzeug-Optik, den Rundum-Service und die Raucherlaubnis. Aber mit dem Einzug des Videorecorders und der Zunahme der Privatsender nahmen umgekehrt im „Jet Movie“ die Besucherzahlen ab. 

Der Versuch, diese Entwicklung mit freizügigeren Filmen aufzuhalten, war zum Scheitern verurteilt. Die Zeit der Videothek, die später hier ansässig war, ist aufgrund neuer Medien ebenfalls abgelaufen. Heute werden an der Stefanstraße Lagerräume vermietet.

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