Party-Lockdown

Corona killt Veranstaltungen: Ganze Branche in Hamm in Atemnot

Die Matzka-Technik ist im Lager - und nicht am Veranstaltungsort.
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Achim Matzka steht in einem gut gefüllten Technik-Lager.

Keine Konzerte, Weihnachtsmärkte, Partys und Festlichkeiten: Das Coronavirus und seine Auswirkungen machen der gesamten Veranstaltungsbranche extrem zu schaffen. Das merken auch die Hammer Unternehmen, die bei Veranstaltungen die entsprechende Technik für Musik, Beleuchtung und Co. bereitstellen.

Hamm – „Die Situation ist katastrophal“, bringt Christian Brüne von „Trustmusic“ die Situation auf den Punkt, die das Coronavirus mit sich bringt. Das Schlimmste: Schon jetzt ist klar, dass es auch in den kommenden Monaten wohl kaum besser wird (News zum Coronavirus in Hamm).

„Bis zum nächsten März ist bereits alles gecancelt – und das, obwohl es noch nicht einmal einen Beschluss der Bundesregierung gibt“, erzählt der Geschäftsführer. Dabei sind Veranstaltung Stand jetzt bis zum 31. Dezember dieses Jahres Corona-bedingt nicht erlaubt. Dass dennoch bereits die meisten Veranstaltungen, die Anfang 2021 hätten stattfinden sollen, abgesagt wurden, hat einen nachvollziehbaren Grund. Denn egal, ob es um Konzerte, Messen oder Karneval geht: Sie alle müssen lange im Vorfeld geplant werden. Weil die Coronapandemie derzeit aber überhaupt keine Planbarkeit zulässt, sind die Veranstaltungskalender für die nächsten Monate weitgehend leer.

Corona bedeutet kaum Aufträge, kaum Einnahmen

Für Trustmusic aus dem Hammer Süden bedeutet das: kaum Aufträge und damit kaum Einnahmen. „Es ist zum Heulen“, sagt Brüne, der in diesen schweren Zeiten aber nicht nur an die Zukunft seiner Firma als solche denkt. „Wir haben acht Mitarbeiter und damit acht Existenzen“, betont der Geschäftsführer, der seine in Kurzarbeit befindlichen Mitarbeiter aber gerade jetzt nicht im Stich lässt. Damit die Mitarbeiter und deren Familien nicht noch mehr als ohnehin schon unter der Corona-Situation leiden müssen, stockt er das Kurzarbeitergeld so auf, dass sie alle ihr normales Gehalt bekommen. Lange dürfe die Situation aber nicht mehr anhalten, macht Brüne den Ernst der Lage deutlich.

Christian Brüne ist Geschäftsführer bei Trustmusic.

Mit gemischten Gefühlen sieht er die finanziellen Coronahilfen. Weil das Programm für den Novemberlockdown eher auf die Gastronomie ausgerichtet sei, werde man kaum die finanzielle Unterstützung erhalten, die angekündigt wurde, erklärt der Trustmusic-Geschäftsführer. Noch schlimmer: Wie viele andere Hammer Firmen, erhielt auch Trustmusic im März die Soforthilfe des Landes NRW. Weil im Nachhinein die Bedingungen geändert wurden, droht nun allerdings auch ihnen die Rückzahlung des erhaltenen Geldes.

Trustmusic baut wegen Corona-Situation ein kleines TV-Studio

Weil Live-Veranstaltungen derzeit verboten sind, bietet Trustmusic verstärkt die technische Umsetzung für Videokonferenzen und ähnliches an. Dafür habe man nun sogar ein TV-Studio gebaut, erklärt Christian Brüne. „Es ist ein nettes Beibrot, aber es reicht nicht, um die Mitarbeiter auszulasten“, so der Geschäftsführer. Immerhin habe nutze man die Zeit: Die Mitarbeiter sind alle zu Hygiene- und Infektionsschutzbeauftragten geschult worden.

Volle Auftragsbücher hatte für dieses Jahr zunächst auch Achim Matzka von „Matzka Veranstaltungsservice“. Den Verlust durch Corona schätzt der Geschäftsführer des 1991 gegründeten Unternehmens mittlerweile auf eine halbe Million Euro.

Kapelle Petra spielten beim Livesommer im Maxipark.

Wie es aktuell aussieht? „Überschaubar“, sagt Matzka und fügt hinzu, dass es gerade reiche, um die Unkosten zu decken. Weil die Situation vermutlich noch länger anhält, hat sich Achim Matzka den aktuellen Bedürfnissen angepasst. „Von März bis Juni habe ich den Laden komplett umgedreht“, sagt der Geschäftsführer, der normalerweise Veranstaltungen in ganz Deutschland technisch ausrüstet. Im Sommer konnte er zwischenzeitlich der Live-Sommer im Maxipark ausrichten.

Matzka bietet in Corona-Lockdown globalen Live-Stream an

Statt auf Live-Veranstaltungen zu setzen, ermöglichten er und seine Mitarbeiter kürzlich beispielsweise einen globalen Live-Stream für eine virtuelle Konferenz, bei der unter anderem Kameras und Ton-Technik eingesetzt wurden. Auch um die entsprechende IT-Lösungen kümmerte sich Matzka im konkreten Fall. Seit Coronabeginn hat sich „Matzka Veranstaltungsservice“ zudem auch stärker auf den Verkauf von Veranstaltungstechnik spezialisiert. So habe man beispielsweise eine namhafte Stiftung in Berlin unter anderem mit Mikrofonen ausgestattet, erzählt Achim Matzka.

Wie wenig Live-Veranstaltungen derzeit durchgeführt werden, zeigt sich schon in den Lagerhallen. „Aktuell haben wir etwa 98 Prozent der Technik vor Ort“, erklärt Matzka. Normalerweise sei das ganz anders, da ein Großteil der Technik von Veranstaltung zu Veranstaltung weitergereicht wird und daher selten im Lager liegt.

Wo die Reise nun hingeht? Vor Sommer 2021 glaubt Achim Matzka nicht an eine großartige Änderung der Lage für die Veranstaltungsbranche. Aber: „Solange heiße es durchhalten und nicht den Kopf in den Sand zu stecken“, zeigt sich der Unternehmer kämpferisch, diese Krise zu meistern.

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