47-Jährige Hammerin vor Gericht

Tod in der Badewanne: Tochter gesteht - „Sicherungen durchgebrannt“

In diesem Haus starb der 75-jährige Hammer.
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In diesem Haus starb der 75-jährige Hammer Ende März 2020 in seiner Badewanne.

Nach langem Schweigen hat die 47-jährige Frau aus Hamm, die Ende März ihren pflegebedürftigen Vater in der Badewanne getötet haben soll, doch noch ein Geständnis abgelegt.

Dortmund/ Hamm – Rechtsanwalt Karsten Possemeyer hatte sich kurz vor Beginn der Verhandlung am Montag noch einmal mit seiner Mandantin zusammengesetzt und schließlich in ihrem Namen eine Erklärung zu Papier gebracht. Gleich zu Beginn heißt es darin: „Es ist richtig, dass ich für den Tod meines Vaters verantwortlich bin.“ (Persönlich äußerte sich die Angeklagte nicht; alle Zitate hier im Artikel entstammen der schriftlichen Erklärung.).

Die 47-Jährige will sich wegen ihrer Tablettensucht nicht mehr an sämtliche Einzelheiten des Tattages erinnern können. Sie schließt jedoch aus, nach der Bluttat die Wohnung in der Sachsenschleife durchwühlt oder gar verwüstet zu haben. Habgier war ihrer Erklärung nach keineswegs das Motiv.

„Wollte aufhören, konnte aber einfach nicht“

Die Angeklagte erinnert sich vielmehr so: Sie habe am Nachmittag des 30. März spontan beschlossen, ihren Vater zu besuchen. In der Wohnung sei es jedoch relativ bald wieder zum Streit gekommen. „Er fing an, mir Vorwürfe zu machen und beleidigte mich auf seine gewohnt hämische Art“, heißt es in der Erklärung der 47-Jährigen. Als der pflegebedürftige Rentner dann auch noch körperlich gegen die Frau vorgegangen sei, seien ihr die Sicherungen durchgebrannt.

„Ich schlug um mich, benutzte dazu auch eine Latte“, las Verteidiger Possemeyer weiter vor. „Ich wollte aufhören, doch ich konnte es einfach nicht.“ Erst als sie ihren Vater blutüberströmt in der Badewanne liegen sah, realisierte die Angeklagte eigenen Angaben zufolge, was sie getan hatte. „Ich wollte ihm dann helfen, aber das gelang mir einfach nicht.“

„Wollte nicht in blutiger Kleidung gesehen werden“

Vor ihrer Flucht aus der Wohnung habe sie dann noch die Kleidung gewechselt und sich ein Kopftuch umgebunden, so die 47-Jährige weiter. „Ich wollte nicht, dass mich jemand in der blutigen Kleidung sieht.“ Während sie danach einkaufen gegangen sei, habe sie sich immer wieder gefragt, wann sie endlich aus diesem Albtraum aufwache. Die Erklärung schloss mit den Worten: „Es tut mir so leid, ich weiß nicht, wie ich damit leben soll.“

Die Angaben der Angeklagten werden nun umgehend an den psychiatrischen Sachverständigen weitergeleitet, der die 47-Jährige in den nächsten Tagen außerdem im Gelsenkirchener Frauengefängnis besuchen will. Die Erstattung des Gutachtens zur Schuldfähigkeit ist noch vor Weihnachten geplant.

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