Einblick in Seelenleben der Hammerin

Tod in der Badewanne: Angeklagte trotz Depressionen „schuldfähig“

Im Gespräch: Die 47-Jährige mit ihrem Anwalt Karsten Possemeyer.
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Im Gespräch: Die 47-Jährige mit ihrem Anwalt Karsten Possemeyer.

Die 47-jährige Frau, die im März ihren pflegebedürftigen Vater in der Badewanne getötet haben soll, leidet seit vielen Jahren an depressiven Schüben. Das berichtete der psychiatrische Sachverständige am Montag im Prozess vor dem Dortmunder Schwurgericht.

Hamm - Psychiater Marc-Philipp Lochmann hat die Angeklagte vor wenigen Tagen im Gelsenkirchener Frauengefängnis eingehend untersucht. Anders als den Richtern hat die Frau ihm auch ihre bisherige Lebensgeschichte erzählt. Und die ist traurig.

Die 47-Jährige hat bereits zwei enge Verwandte durch Suizid verloren. Und auch selbst ist die Frau schwer an Depressionen erkrankt. Mehr als zehn eigene Suizidversuche habe sie unternommen, sagte sie dem Psychiater. Auch aktuell in der Haft leide sie unter einem depressiven Schub.

Was die Bluttat vom 30. März angeht, legte sich Psychiater Lochmann dennoch eindeutig fest: „Die Angeklagte war voll schuldfähig.“ Die depressive Verstimmung habe aus Sicht des Experten ganz sicher nicht dazu geführt, dass die Frau ihr Handeln nicht mehr ausreichend steuern konnte. Im Gegenteil: Ihr Verhalten nach der Tat, als sie die Kleidung wechselte und sich ein Kopftuch umband, um auf den Bildern der Überwachungskamera vor dem Haus ihres Vaters nicht erkannt zu werden, spreche klar für ein zielgerichtetes Handeln.

Tod in der Badewanne: Immer wieder zugeschlagen

Die Angeklagte hatte nach anfänglichem Zögern zuletzt zugegeben, ihren Vater im Rahmen eines heftigen Streits in die Badewanne geschubst und dort mit einer Latte immer wieder geschlagen zu haben. „Er hat mich auf seine gewohnt hämische Art beleidigt“, hieß es in einer von Verteidiger Karsten Possemeyer verlesenen Erklärung der 47-Jährigen.

Psychiater Lochmann hat deshalb auch geprüft, ob die Frau vielleicht im Affekt handelte, also vor Wut und Enttäuschung so sehr in Rage geriet, dass sie aus diesem Grund nur eingeschränkt schuldfähig gewesen sein könnte. Doch auch hier stand unterm Strich das gleiche Experten-Urteil: „Anhaltspunkte für eine verminderte Schuldfähigkeit gibt es nicht.“

Das trifft aus Sicht des Gutachters auch auf den dritten möglichen Grund, die Tablettensucht der Angeklagten, zu. Die 47-Jährige nimmt regelmäßig große Mengen Beruhigungsmittel. „Und diese machen eher schläfrig als aggressiv“, so der Sachverständige.

Der Prozess wird im neuen Jahr fortgesetzt.

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