Vater muss nicht ins Gefängnis

Tochter sexuell missbraucht? Das sind die Gründe für den Freispruch zweiter Klasse

Sexueller Missbrauch an Tochter: Vater aus Hamm vor Gericht
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Ein Mann aus Hamm soll seine kleine Tochter sexuell missbraucht haben. Vor Gericht ergaben sich aber viele Widersprüche.

Mit einem Freispruch zweiter Klasse ist am Dortmunder Landgericht der Missbrauchsprozess gegen einen 56-jährigen Hammer zu Ende gegangen.

Hamm/Dortmund - Der mehrfache Familienvater saß wochenlang auf der Anklagebank, weil er vor rund 22 Jahren eine zunächst achtjährige leibliche Tochter misshandelt, missbraucht und mit ihr den Geschlechtsverkehr vollzogen haben soll. Gravierende Vorwürfe, die den bislang unbescholtenen Hammer im Falle einer Überführung sicherlich für einige Jahre ins Gefängnis gebracht hätten. Nach mehrmonatiger Beweisaufnahme und der Befragung von zahlreichen Zeugen aus dem Umfeld von Vater und Tochter hatten die Richter jedoch massive Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Belastungszeugin.

Der Vorsitzende Richter Tim Wroblewski fasste in der ausführlichen Urteilsbegründung die Bewertung der Aussage des angeblichen Opfers zusammen: „Die Zeugin hat eine übertriebene Tendenz, ihren Vater zu belasten. Ihre Angaben sind zu vage und nicht detailreich genug für eine Verurteilung.“ Es sei möglich, dass die behaupteten Übergriffe in den Jahren 1998 und 1999 stattgefunden hätten, aber es fehlten die Nachweise für eine zweifelsfreie Verurteilung. Das Aussageverhalten der mittlerweile 30-jährigen sei widersprüchlich und ihr Verhalten dem Angeklagten gegenüber zudem auch nicht nachvollziehbar.

Die Belastungszeugin hatte von sexuellen Übergriffen in der damaligen Familienwohnung an der Edisonstraße unter der Dusche und im Schlafzimmer berichtet. Tatsächlich jedoch gab es nach den Erinnerungen ortskundiger Zeugen in der Wohnung weder ein Duschbad noch ein ausgewiesenes Schlafzimmer. Dass die mittlerweile erwachsene Tochter dennoch wiederholt auch mit ihren eigenen Kindern den Kontakt zu ihrem vermeintlichen Peiniger gesucht, mit ihm Alkohol getrunken und mit den Kindern bei ihm übernachtet habe, sei nicht nachvollziehbar, so Wroblewski.

Nebenkläger Ralf Reckmann hatte als Einziger in dem Verfahren eine Verurteilung des Hammers gefordert. Das befremdliche Verhalten der Tochter sei ihrem nicht stillbaren Verlangen nach der nie erhaltenen Liebe ihres Vaters geschuldet. Zudem müssten Widersprüchlichkeiten und Erinnerungslücken damit erklärt werden, dass die behaupteten Übergriffe über 20 Jahre lang zurück lägen.

Staatsanwaltschaft und Verteidigerin Anke Richter hatten übereinstimmend Freispruch für den Hammer gefordert.

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