Zerstörungungswille in Herringen

„Asozial“: Vandalen wüten im Lippepark und sprengen Container

Vandalismus im Lippepark: Der Müll-Container wurde regelrecht gesprengt
+
Vandalismus im Lippepark: Der Müll-Container am Zugang Schachtstraße/Heinrich-Schmidt-Straße wurde regelrecht gesprengt und brannte anschließend aus.

Ganz so friedlich wie in vielen Teilen Hamms war der Jahreswechsel zumindest im Lippepark nicht: Hier wurden in der Silvesternacht mehrere kleine Mülleimer sowie der große Container am Zugang Schachtstraße/Ecke Heinrich-Schmidt-Straße zerstört.

Herringen - Der Container wurde offensichtlich um kurz nach Mitternacht gesprengt und dadurch in Brand gesetzt, was viele Bürger in den vergangenen Tagen „mit Entsetzen“ registriert haben. „Man denkt, als wäre man im Krieg“, fand beispielsweise der Chef der Wählergruppe Pro Hamm, Dr. Cevdet Gürle, klare Worte und verwies auf die Explosionen, die in der Silvesternacht im Lippepark „unüberhörbar stattfanden“ – trotz des bundesweiten Verbots von Feuerwerken im öffentlichen Raum. Zwar habe sich die große Mehrheit der Bürger an diese Regelung gehalten. Einige wenige hätte das jedoch nicht interessiert. Sie hätten ihren krankhaften Zerstörungswillen zum Jahreswechsel ausgelebt. Besonders deutlich werde das an dem gesprengten Großcontainer. Angesichts dieser Aggressivität und des asozialen Verhaltens fehlten ihm einfach die Worte.

Für Gürle sind die Ereignisse in der Silvesternacht ein weiterer Beleg dafür, dass die alten Probleme von Vandalismus und Vermüllung im Lippepark „leider nicht von der Tagesordnung verschwunden sind“. Die Wählergruppe erwarte, dass die neue Stadtregierung zeitnah eine deutliche Aufstockung des Personals im Ordnungsamt vornehme. „Wir brauchen zwingend stärkere Kontrollen im Lippepark, die die Regel und nicht die Ausnahme sind“, sagte er.

Bei der Polizei wurde wegen des Containers mittlerweile Anzeige erstattet. Wie hoch der Schaden ist, konnte Stadtsprecher Tom Herberg nicht sagen. „Das hängt davon ab, ob wir das Gehäuse komplett erneuern müssen oder wir es reparieren können.“ Das werde man in den kommenden Tagen prüfen. Die kleinen Mülleimer sollen erneuert werden.

Müllhalde statt Naherholungsgebiet

Schockiert von den Zuständen am Lippepark zeigte sich auch Jürgen Baucks, der jeden Tag dort spazieren geht. Er bezog sich dabei vor allem auf den auch schon von Gürle beschriebenen Zugang sowie auf den Schotter-Parkplatz an der Heinrich-Schmidt-Straße/Ecke Schachtstraße. Er erinnere mehr an eine Mülldeponie als an den Zugang zu einem Naherholungsgebiet, sagte er. Dabei differenzierte Baucks zwischen alten und neuen Mängeln.

Wie er schilderte, liegen an der Heinrich-Schmidt-Straße bereits seit Monaten herausgerissene Absperrpfosten herum. Am Tennisverein sei bereits vor Wochen eine Sitzgarnitur entsorgt worden, zudem stehe schon seit Monaten ein nicht angemeldeter Bootstrailer in dem Bereich. Eine Firma, die in Hamm Glasfaserkabel verlegt hat, habe dort ihre Gerätschaften hinterlassen. „Der Parkplatz ist als solcher nicht mehr nutzbar, da er durch Schotterhaufen blockiert und an vielen Stellen nicht mehr befahrbar ist.“ Ärgerlich sei auch die nicht funktionierende Laterne. „Insgesamt ist der Bereich nicht genügend ausgeleuchtet“, so sein Fazit.

Auch mehrere kleine Abfallbehälter wurden vermutlich in der Silvesternacht zerstört. Im Hintergrund ist der Schotter-Parkplatz zu sehen.

Unrat und volle Müllbehälter

In den vergangenen Tagen seien dann, wie Baucks berichtete, weitere Mängel hinzugekommen. Der Herringer verwies dabei, neben dem zerstörten Müllcontainer, auf Unrat auf der Heinrich-Schmidt-Straße, volle Müllbehälter sowie starke Verunreinigungen im Bereich der Spielplätze. „Mir ist zwar bewusst, dass die neuen Mängel nicht oder nur schwer zu verhindern waren.“ Sie und die alten Mängel sollten jedoch so schnell wie möglich beseitigt werden, um Nachahmern vorzubeugen, verwies er auf die sogenannte Broken-Windows-Theorie (gebrochene Fenster). Die besagt, dass wenn in einem Stadtviertel nichts gegen Unordnung, Vandalismus, Graffiti, herumliegenden Müll und ähnliche Dinge unternommen wird, es ein Indiz dafür ist, dass sich niemand um diese Straße oder dieses Stadtviertel kümmert und es außer Kontrolle geraten ist. „Überlassen sie den Park nicht den Bürgern, die diese Mängel verursacht haben. Das wäre sehr schade“, so sein Appell an Politik und Verwaltung.

„Ein Trauerspiel, wie es dort aussieht“

Als „beschämend“ bezeichnete Peter Scholz, Vorsitzender der Herringer Interessengemeinschaft (HIG), den Zustand des Parkplatzes. So dürfe sich der Eingang zum Lippepark nicht präsentieren, ärgerte er sich. Hunderte Menschen kämen jeden Tag daran vorbei, um in den Park zu gelangen.

Auch SPD-Ratsherr Franz Tillmann ist sich der Problematik bewusst. Neben dem Lippepark gebe es weitere Bereiche, die zunehmend zugemüllt werden. Er sei regelmäßig mit dem Fahrrad oder zu Fuß im Stadtbezirk unterwegs. Probleme mit Müll gebe es unter anderem auf dem Radweg im Bereich der ehemaligen Zechenbahn und vor allem auf dem Parkplatz am Zechenweg. „Es ist ein Trauerspiel, wie es dort aussieht.“

Zumindest im Lippepark wurden die Verunreinigungen, wie der Stadtsprecher mitteilte, am Montag beseitigt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare