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Nach Bluttat in Hamm: Lange Haft für Messerstecher - Dramatische Szenen

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Von: Martin von Braunschweig

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Der Angeklagte (gepixelt) und sein Anwalt am Donnerstag im Gerichtssaal.
Der Angeklagte (gepixelt) und sein Anwalt am Donnerstag im Gerichtssaal. © von Braunschweig

Der 24-jährige Bergkamener, der Mitte Januar am Schillerplatz in Hamm seine schwangere Freundin erstochen hat, ist wegen Totschlags zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Nach der Sitzung kam es auf dem Flur des Dortmunder Landgerichts zu dramatischen Szenen.

Dortmund/Hamm/Bergkamen - Der Vorsitzende Richter Thomas Kelm hatte gerade die Urteilsbegründung beendet, da brach die Mutter des Angeklagten auch schon lautstark in Tränen aus. Die Frau musste von mehreren Verwandten gestützt werden und weinte immer noch, als sie den Saal verlassen hatte und auf eine Bank auf dem Flur gesunken war. (Hier klicken für frühere Artikel zum Thema.)

In diesem Moment konnte auch die Mutter der auf den Philippinen geborenen Getöteten ihre Emotionen nicht mehr unter Kontrolle halten. Die zierliche Frau brach förmlich zusammen, schrie immer wieder den Namen ihrer toten Tochter und weinte so bitterlich, dass diese Szene wirklich unter die Haut ging.

Minutenlang musste die Frau gestützt werden, ehe sie sich wieder halbwegs beruhigt hatte. Überdeutlich wurde in diesem Moment, dass die Angehörigen über den Verlust ihrer geliebten 23-Jährigen wahrscheinlich niemals ganz hinwegkommen werden.

Geständnis nach 76 Messerstichen

Das Urteil der Dortmunder Richter dürfte ihnen dabei auch keine Hilfe sein. Schon während der Begründung schüttelte der Vater des Opfer immer wieder heftig den Kopf, als wolle er sagen: Das ist doch viel zu wenig.

Die Richter gehen anders als Staatsanwaltschaft und Nebenklage jedoch davon aus, dass der 24-Jährige zur Tatzeit nur vermindert schuldfähig war. „Wir gehen von einer tiefgreifenden Bewusstseinsstörung und einer affektiven Aufladung aus“, sagte Richter Kelm am Donnerstag. Anders sei diese Eskalation der Gewalt nicht zu erklären.

Der Bergkamener hatte gestanden, seine schwangere Freundin mit 76 Messerstichen und -schnitten umgebracht zu haben. Einige der Wunden waren so tief, dass er die junge Frau fast enthauptet hätte.

Hintergründe bleiben rätselhaft

Die genauen Hintergründe der Bluttat werden dagegen wohl immer ein Rätsel bleiben. Die Richter schließen nicht aus, dass die Schwangere dem Angeklagten im Streit auf dem Schillerplatz auf den Kopf zusagte, das Kind sei gar nicht von ihm.

Die Wachtmeister im Landgericht hatten offenbar schon mit einer Eskalation der Geschehnisse gerechnet. Denn kaum hatte der Richter die Sitzung für beendet erklärt, stürmte einer auch schon mit dem Angeklagten an der Hand aus dem Saal. Der 24-Jährige sollte unter keinen Umständen noch zur Zielscheibe von Beleidigungen werden.

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