Urteil gefälscht? Freiheitsstrafe für Hammer Anwalt gefordert

Hamm/Dortmund - Zweite Auflage um das mutmaßlich dubiose Treiben eines Rechtsanwalts aus Hamm. Begleitet von zahlreichen Medienvertretern begann am Mittwoch vor dem Dortmunder Landgericht die Berufungsverhandlung gegen den 43-jährigen Juristen, der vom Hammer Amtsgericht im Oktober 2014 wegen Urkundenfälschung zu einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu je 30 Euro verurteilt worden war.

Beide Seiten wollten diesen erstinstanzlichen Richterspruch anfechten: Der angeklagte Anwalt hatte beim Amtsgericht seine Unschuld beteuert und wird im Verlaufe der Berufungsverhandlung sicherlich wieder für seine Rehabilitation kämpfen, die Staatsanwaltschaft hingegen fordert eine härtere Bestrafung, will eine Freiheitsstrafe erwirken.

Der bislang unbescholtene Hammer Rechtsanwalt war erstinstanzlich verurteilt worden, weil er einem Mandanten die Kopie eines angeblich von ihm gefälschten Urteils des Hammer Arbeitsgerichts gegeben haben soll. Dem heute 36-jährige Maschinenbediener war in der Probezeit gekündigt worden, und er war der Ansicht, dass ihm noch Lohnzahlungen zustünden.

Sein Anwalt soll Monate später eine tatsächlich gar nicht existente Gerichtsverhandlung auf dem Papier konstruiert und hier in einem ausgedachten Urteil seinem Mandanten 2040 Euro zuerkannt haben. Der Amtsrichter hatte als mögliches Motiv für diese im Raum stehende Urkundenfälschung „Sorge um seine Reputation“ vermutet.

Schlimme Konsequenz für den Mandanten: Er geriet selbst in Verdacht, das Urteil gefälscht zu haben, um sich zu bereichern. Es kam zu einem Strafverfahren mit abschließendem Freispruch. Der Hammer Rechtsanwalt Volker Burgard, der den Mandanten seines Berufskollegen seinerzeit verteidigt hatte, wurde als Zeuge gehört: „Da ist ein bisschen das Vertrauen weg. Nach der öffentlichen Berichterstattung bin ich angesprochen worden und habe dabei von weiteren Vorfällen gehört.“

Die Berufungsverhandlung wird am Donnerstag, 1. November, fortgesetzt.

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