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Urlaub trotz Corona: Große Sorgen schon vor der Reise

Ein Mann spannt einen Sonnenschirm auf
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Die Sonnenschirme sind aufgespannt - aber ist eine Flugreise, zum Beispiel nach Mallorca, derzeit auch sorgenfrei buchbar?

Viele Hammer wünschen sich trotz der Corona-Pandemie, in den Urlaub zu fahren. Doch viele machen sich Sorgen: Die Fallzahlen schwanken. Sicher ist es daher nicht, dass Reisen stattfinden können. Die Verbraucherzentrale schaltet sich ein.

Hamm – Der Wunsch, einfach mal rauszukommen – für viele Reiselustige hat er sich in den vergangenen Monaten mehr als einmal zerschlagen. So zum Beispiel für Simone und Dirk: Im April 2020 hatten sie mit Ryan Air nach Mallorca fliegen wollen. Den Urlaub gebucht hatten sie über den Online-Buchungsportal Opodo. Im Zuge des Corona-Lockdowns fiel die Reise ins Wasser und das Paar wollte – mit gutem Recht – sein Geld zurück und nicht auf einen Gutschein oder eine Umbuchung, wie sie oft offeriert werden, setzen.

Versuche, mit Opodo in Kontakt zu treten, blieben erfolglos. „Opodo ist mittlerweile nur noch schriftlich zu erreichen”, sagt Anne Schulze Wintzler, Leiterin der Hammer Verbraucherzentrale, bei der das Paar schließlich im November, also nach einem halben Jahr vergeblicher Bemühungen, Hilfe suchte. Mit ihren Problemen sind Simone und Dirk nicht allein: Fragen und Probleme zum Thema Reisen, Reklamation und Stornierung machen inzwischen ein Drittel bis ein Viertel der Beratungsgespräche aus. Vor Corona habe es derlei Fragen kaum bis gar nicht gegeben, so Schulze Wintzler. Reisen nach Mallorca könnten in den Osterferien möglich sein.

Reise aufgrund von Corona storniert: Paar schaltet Schlichtungsstelle ein

Nachdem das Paar auch mit Hilfe die „Flugärger”-App der Verbraucherzentrale (VBZ) nicht weitergekommen war, wurde es von den VBZ-Mitarbeitern an eine Schlichtungsstelle weitervermittelt. Voraussetzung dafür, dass diese Instanz eingeschaltet werden kann, ist der Nachweis, dass man bereits in Eigeninitiative versucht hat, etwas zu erreichen. „Es gibt auch im Internet Anbieter, die weiterhelfen, allerdings verlangen die bis zu 25 Prozent der Reisekosten für ihre Dienste. Bei uns ist die Erstberatung kostenfrei, ebenso wie die Hilfe der Schlichtungsstelle. In diesem Fall wurden lediglich die Kosten für ein Einschreiben, also drei Euro, fällig”, weiß die VBZ-Chefin. Inzwischen haben Simone und Dirk eine Rückerstattung erhalten.

Verbraucherschützer prangern unter anderem an, dass Fluggesellschaften von ihren Kunden 100-prozentige Vorkasse verlangen. „Die Kunden bezahlen also für eine Leistung, die noch gar nicht erbracht wurde”, so Schulze Wintzler. Und das widerspreche rechtlichen Grundlagen. Letztlich trage in einem solchen Fall der Verbraucher das komplette Risiko, ohne dass im Falle der Nicht-Leistung das Geld anstandslos zurückgezahlt werde.

Reisen in der Pandemie: Steht auch jetzt bei einer Buchung Ärger an?

Statt Urlaub also jede Menge Frust und Ärger: Muss damit rechnen, wer aktuell Fern- und Flugreisen bucht? Zumindest sollte man darauf gefasst sein, dass es dazu kommen kann. Schulze Wintzler selbst würde derzeit nicht unbedingt Fern- oder Flugreisen empfehlen. Aber wer das Wagnis eingehen möchte, der sollte in jedem Fall Corona im Blick behalten und Infos über das Reiseland sammeln – welche Quarantäne-Bestimmung gibt es am Ort, welche Tests gelten vor Ort. Ist das Reiseziel bei der Buchung bereits Hochrisikogebiet, liegen Reisewarnungen oder Einreiseverbote vor? Dokumentieren sollte man den Status Quo zum Buchungstermin am besten mit Screenshots. Gleiches gilt auch für weitere Entwicklungen am Reiseort, die einer Reise entgegen stehen.

Gut kann sich Schulze Wintzler an den Fall einer jungen Familie aus Hamm erinnern, die unbedingt in die Vereinigten Arabischen Emirate reisen wollte: „Ein Reiseziel, das derzeit offenbar im Trend liegt.” Die Familie hatte am Samstag gebucht, wurde aber am Sonntag darauf aufmerksam, dass Touristen in Abu Dhabi eine zehntägige Quarantäne und danach die Ausstattung mit einem GPS-Tracker erwartet, der jeden weiteren Schritt im Land dokumentiert.

Der Versuch, deshalb von der Reise zurückzutreten, scheiterte. „Die Reisebedingungen waren zum Zeitpunkt der Reise bekannt und öffentlich einsehbar. In diesem Fall hätte die Familie sich informieren können”, erläutert Schulze Wintzler.

Reisen in der Pandemie: Expertin rät zu Pauschalreisen

Sie rät in der aktuellen Situation eher zu Pauschal-, denn zu Individualreisen. Das Pauschalreiserecht beinhaltet unter anderem ein gesetzlich vorgesehenes Recht zur (gegebenenfalls kostenlosen) Stornierung. Reisemängel ermöglichen bei Pauschalreisen auch die Kündigung vor Ort, bei der der Reiseveranstalter für den Rücktransport sorgen muss. Grundsätzlich gilt: Ein mulmiges Bauchgefühl reicht als Begründung für kurzfristigen Reiserücktritt und eine vollständige Rückerstattung nicht aus.

Eine bei der Pauschal-Buchung nicht absehbare, deutliche Beeinträchtigung des Reisevergnügens hingegen reicht für einen Rücktritt. Es sei zwar derzeit blanke Theorie, aber einen Anspruch auf Rückzahlung der Reisekosten innerhalb von 14 Tagen existiere, so Schulze Wintzler. Aber was unter „deutlicher Beeinträchtigung” zu verstehen ist, ist individuell verschieden und es wird genau hingeschaut: Wer beispielsweise den Ballermann anpeilt und sich plötzlich mit einer vor Ort drohenden Ausgangssperre konfrontiert sehe, könne bei der Pauschalreise eine deutliche Beeinträchtigung des Reisevergnügens geltend machen. Wenn jemand eine Reise bucht, in deren Mittelpunkt tagsüber Museen- und Galerie-Besuche stehen, der wird sich mit einer abendlichen Ausgangssperre wohl arrangieren müssen.

Viele Hotels und Ferienwohnungen reagieren auf die unruhigen Zeiten mit Flexitarifen – Angebote, bei denen man auch aufpassen muss. Denn „Flexibel” ist keine Garantie dafür, dass bei einer Stornierung eine Rückzahlung innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Frist erfolgt.

Mallorca ist seit kurzem kein Corona-Risikogebiet mehr. Deshalb entfällt die Pflicht zur Quarantäne nach der Rückkehr.

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