Urenkel eines Hammer Filmvorführers

Filmreifes Geburtstagsgeschenk: Justus (8) bekommt Kino für Zuhause

Aus einem echten Kino: Die Vorführsessel hat Jochen Heimann (links) einst in einem Lippstädter Kino gekauft. Nun stehen sie im Zimmer seines Sohnes Justus, der gemeinsam mit ihm und Mutter Lena Popcorn genießt.
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Aus einem echten Kino: Die Vorführsessel hat Jochen Heimann (links) einst in einem Lippstädter Kino gekauft. Nun stehen sie im Zimmer seines Sohnes Justus, der gemeinsam mit ihm und Mutter Lena Popcorn genießt.

Wenn sich das Licht langsam verdunkelt, macht es sich Justus Heimann in den Kinosesseln mit frischem Popcorn und einem Getränk in der Halterung richtig schön gemütlich und schaut sich dabei die neusten Filme an – und das, obwohl zurzeit alle Kinos aufgrund des erneuten Corona-bedingten Lockdowns geschlossen sind.

Hamm – Dass der Achtjährige das Gefühl von Kino dennoch genießen kann, hat er seinen Eltern Lena und Jochen zu verdanken. Die haben ihrem Sohn zum achten Geburtstag im Dezember ein Kinozimmer geschenkt. „Eigentlich springt Justus wie ein Flummi, wenn er sich freut – aber als er das Zimmer gesehen hat, musste er sich erst mal setzen, weil er so überwältigt war“, erzählt Lena Heimann.

Erinnerungen an Kindheit im Kino

Von ungefähr kam die Idee nicht. Die ganze Familie findet das Kino toll, Jochen Heimann ist damit aufgewachsen. „Mein Opa Heinz Heimann war nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst Filmvorführer unter anderem im Atrium und Kristallpalast und später Inhaber mehrerer Kinos, darunter das Roxy an der Wilhelmstraße“, erzählt der 39-Jährige. Er habe seinen Opa oft in den Kinos besucht. „Ich fand Kinos schon immer faszinierend, aber nicht nur wegen der Filme, sondern auch wegen des Drumherums“, sagt Heimann.

Als er noch klein war, habe ihm sein Opa gezeigt, wie es hinter den Kulissen zugeht. „Oft habe ich nach dem Film zwischen den Sitzreihen aufgeräumt“, erinnert er sich. Alles bis 5 Mark habe er behalten dürfen. „Damals gab es noch kein Popcorn in den Kinos – und damit auch keine Sauerei“, verrät er mit einem Grinsen.

Liebe zum Detail: Auch eine kleine Popcornmaschine steht mit im Zimmer.

In dem Zimmer des Sohnes zeigt sich nun viel Liebe zum Detail. Dazu gehört unter anderem eine neue LED-Beleuchtung, die das Verdunkeln wie im Kino ermöglicht, eine Popcornmaschine, Kinoplakate an der Wand, Kissen und ein Teppich mit typischen Kinomotiven. Höhepunkt sind die Original-Sessel aus einem Lippstädter Kino, die Jochen Heimann vor Jahren gekauft und nun zusammen mit Nachbarn auf ein Podest gebaut hat, das man bei Bedarf zur Seite rollen kann. Denn: Wird das Kinozimmer nicht gebraucht, ist es das ganz normale Kinderzimmer des Achtjährigen. Wie Justus Heimann sein Geschenk findet? „Davon habe ich geträumt, weil ich Kino richtig cool finde“, sagt er.

Seinen Vater haben die vielen Kinobesuche geprägt. Die Filmleidenschaft teilt er mit seiner Frau Lena und gab sie an seinen Sohn weiter, der seit seinem vierten Lebensjahr regelmäßig ins Kino geht. Was denn nun besser ist, also Kino oder sein Kinozimmer? „Beides genauso“, findet der Grundschüler.

Ein Ersatz für ein richtiges Kino soll das Zimmer aber nicht sein. „Es ist schön zu haben, aber wenn die Kinos wieder öffnen, werden wir dort auch wieder hingehen“, sagt Jochen Heimann. Er möchte die einzigartige Atmosphäre eines Kinosaals nicht missen – so, wie es ihm sein Opa schon von klein auf vorgelebt und vorgeschwärmt hat.

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