Porträt eines umstrittenen Hobbys - mit Video

Urban Exploration: Hammer betreten verlassene Gebäude

Hamm - Urban Exploration, kurz Urbex, ist ein Hobby, das die Erforschung und das Dokumentieren von oftmals unzugänglichen Gebäuden bedeutet. Hendrik und Melissa, ein Urbexer-Duo aus Hamm, geht diesem Hobby schon seit einigen Jahren nach.

Urbexer betreten verlassene Katakomben, Kanalisationen, militärische Anlagen, Krankenhäuser und eigentlich alles, was verlassen ist. Dabei entstehen Fotos, die den Verfall solcher Objekte aufzeigen soll.

Die beiden 20-Jährigen Hammer dokumentieren ihr ungewöhnliches Hobby akribisch: Melissa postet ihre Fotos auf der Facebook-Seite „Verlorene Welten“ und Hendrik auf der Seite „Projekt Urbex“, zusammen werden ihre Bilder von über 3000 Personen verfolgt. „Die Liebe zum Urbex fand ich durch meinen Onkel“, erzählt Hendrik, „Einmal kamen wir an einem verlassenen Krankenhaus vorbei, in dem es angeblich spuken sollte. Das klang so spannend, da wollte ich es einfach sehen.“

Auf klarer Distanz zu Randalierern

Urbexer distanzieren sich ganz klar vor Randalierern und deshalb gibt es quasi auch Regeln, an die sich professionelle Urbexer halten sollten: Es ist wichtig, fremdes Eigentum zu wahren und keine Gegenstände eines verlassenen Ortes zu entwenden oder zu verändern. Außerdem gilt es, keinen Zugang gewaltsam zu öffnen. Es ist auch wichtig, die Orte zu wahren und deren Adresse und Lage nicht zu verraten, so werden auf Fotos zum Beispiel alle Hinweise, die Rückschlüsse auf den Ort zulassen, entfernt. Hendrik sieht in der Urbex-Szene jedoch keinen Zusammenhalt: „Es ist, als wären wir alle ein wenig Rivalen, die sich definieren wollen. Daher kenne ich viele aus der Szene, die dem Hobby nur noch für sich selbst nachgehen und auch gar keine Bilder mehr veröffentlichen.“

Natürlich bringt das Erkunden verlassener Ortschaften auch Gefahren mit sich, so kann ein Gebäude unter anderem einsturzgefährdet sein. Auch könnten gefährliche Gase ausweichen oder nicht isolierte Stromquellen könnten eine unangenehme Überraschung sein. „Als ich eine verlassene Diskothek betreten habe, traf ich dort auf Randalierer. Um Ausschreitungen zu vermeiden, musste ich in dem Fall abbrechen und die Polizei verständigen. Es gibt viele Gefahren, denen man ausgesetzt ist.“

Viele Eigentümer mit wenig Verständnis

Auch die Rechtslage ist Urbexern ein Dorn im Auge, denn viele Eigentürmer der verlassenen Ortschaften zeigen wenig Verständnis und Sondergenehmigungen sind nur sehr schwierig zu bekommen. Daher gilt Urban Exploration als „Hausfriedensbruch“. Die zwei Urbexer sind sich dessen bewusst: „Es ist verständlich, dass Eigentümer keine fremden Leute in ihren Gebäuden haben wollen. Wäre ich Eigentümer von so etwas, würde ich das natürlich auch nicht gut finden. Daher würde ich mich auch schon auf eine gewissen Art als kriminell bezeichnen“, räumt Hendrik ein.

Urban-Exploration-Beiträge bei Youtube

Lost-Places-Beiträge bei Youtube

Hendrik und Melissa haben auf ihren Touren schon einiges erlebt. Um dem Hobby nachzugehen, besitzen beide teures Equipment. Von einer professionellen Kameraausrüstung, Hochleistungsleuchten bis hin zum Nachtsichtgerät ist alles dabei. Aus einer Datenbank mit über 30.000 Adressen, natürlich alle verlassen, planen Hendrik und Melissa dann ihre Touren. Nicht selten haben Urbexer dann auch Einsicht in streng vertrauliche Dokumente, zum Beispiel in Krankenakten von bereits verstorbenen Personen. „Es ist immer ein sehr mulmiges und bedrückendes Gefühl, an einem Ort zu sein, an dem Menschen verstorben sind“, erklärt Melissa, „Es fühlt sich ein wenig wie eine Zeitreise an.“ Viele Orte haben sie schon gesehen, aber es stehen noch mehr auf ihrer Liste, unter anderem ein verlassender Freizeitpark und eine Reise nach Tschernobyl.

"Urban Exploration ist kein Spiel"

Gerade bei ersterem hat Hendrik jedoch große Bedenken, da die Sicherheitsvorkehrungen enorm sein werden. Er erinnert sich an eine Erkundung in einer Waldklinik: „Dort tauchte mitten in der Nacht ein Wachdienst mit großem Aufgebot, Schlagstöcken und Hunden auf. Wir mussten unsere Lichtquellen sofort abstellen, um unentdeckt zu bleiben. Also mussten wir im Dunkel der Nacht durch die Klinik und dann durch den Wald in die nächste Ortschaft, die ungefähr fünf Kilometer entfernt war. Das war eine sehr gefährliche Situation, an der man erkennt, dass Urban Exploration kein Spiel ist, aus dem man einfach so aussteigen kann, wenn einem die Situation nicht mehr passt.“ Daher ist von Urban Exploration auch abzuraten. Hendrik und Melissa tun es trotzdem. Sie wollen Orte erkunden, die man im Normalfall nicht zu sehen bekommt, und sich so ein anderes Bild von der Welt schaffen.

Rubriklistenbild: © pr

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