Oft Insel der Glückseligkeit

Angespuckt und weggelaufen: Warum meiden Unwetter Hamm?!

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Diese Aufnahme über Hamm entstand am Dienstagnachmittag zwischen 14 und 15 Uhr. Hier hätte sich Übles entwickeln können - tat es aber letztlich nicht.

Hamm - Bange Blicke am Dienstag gegen 17 Uhr: Schwere Tropfen prasselten auf die Straßen der Stadt, gleich würde es auch hier übel stürmen und hageln, wie kurz zuvor in mehreren Ruhrgebietsstädten. Tat es dann aber doch nicht - wieder mal. Ist Hamm wirklich eine Wetter-Insel der Glückseligkeit?

Ja und nein! Zwar wurde die Stadt am Dienstagnachmittag und zuvor am Sonntagnachmittag knapp von nachhaltigen Unwettern verfehlt - doch gibt es keine sachliche Begründung für dieses Verfehlen, wie Franz-Josef Molé vom Deutschen Wetterdienst (DWD) auf WA.de-Nachfrage deutlich macht. Mit den augenzwinkernden Worten des Experten ausgedrückt: "Irgendwann trifft es auch Hamm - aber trau keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast." Man könne nur die Daumen drücken, und zwar bereits für Donnerstag und Freitag!

Die heftigsten Unwetterzellen bildeten sich am Dienstagnachmittag zunächst in der Eifel, bevor das Ruhrgebiet bis nach Dortmund erwischt wurde. Dann machten es die Radarbilder spannend: Die großflächigen Warnblöcke "zogen" wider Erwarten tatsächlich knapp südlich der Stadtgrenzen vorbei und formierten sich anschließend über dem Kreis Soest neu. Zeitweilig war Hamm regelrecht einkreist. Unter anderem in der Region Kassel krachte es dann weitere Male dramatisch.

Wetter-"Chaosforscher" Franz-Josef Molé begründet das so: Wenn nicht direkt an eine Schlechtwetterfront gebunden, sind Gewitter immer willkürlich unterwegs. Wie die sprichwörtlichen Blasen im Kochtopf eben, die sich nicht berechnen lassen. In solchen speziellen Situationen helfe es auch nichts, dass die Stadt Hamm im Süden und Südwesten weitläufig durch die Soester Börde und das Bergische Land geschützt sei. 

Aufräumen nach den Unwettern - "Es wird wieder krachen"

Im Lauf der vergangenen 15 Jahre sei der Flickenteppich der erfassten Extremgewitter statistisch weit geschlossen worden, sagt Molé. Das lasse nur eine Folgerung zu: Es könne sich niemand nirgends sicher fühlen. Dazu komme indes eine durch den Klimawandel grundsätzlich begründete Häufung von Extremsituationen: Die warme Luft werde immer feuchter; immer mehr Regen sei dadurch immer wahrscheinlicher.

Hohe Starkregen-Wahrscheinlichkeit in Hamm

Spannend übrigens noch: Am Niederrhein wurde am Dienstag mit 117 Litern in der Stunde der NRW-weit meiste Niederschlag gemessen - dabei ist dort laut Molé die Wahrscheinlichkeit für Starkregenereignisse am geringsten. In Hamm sei diese Wahrscheinlichkeit (Stichwort Stundenwerte) eigentlich höher!

Insofern hießt es eben immer wieder "Daumen drücken". Und zwar ohne Unterlass: Denn dem DWD-Experten zufolge ist die kritische Wetterlage noch nicht vorbei. Am Donnerstag und vor allem am Freitag gebe es auch für Hamm wieder eine akute Wahrscheinlichkeit für Unwetter mit hohen Niederschlagsmengen. Molé: "Dass Hamm dabei wieder trocken davon kommt, ist kaum zu erwarten..."

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