Heike Wohlfahrt von Kamera begleitet

Um 20 Uhr geht's ins Bett: Mit WA-Zustellerin durch die Nacht

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Zu nachtschlafender Zeit ist WA-Volontärin Marie Bockholt mit WA-Zustellerin Heike Wohlfahrt untewegs.

In den frühen Morgenstunden, wenn sich viele noch einmal im Bett umdrehen, ist Heike Wohlfahrt schon auf den Beinen. Die 50-Jährige stellt Zeitungen zu. Eine Arbeit, die sie gern macht, auch wenn sie anstrengend ist. Wir haben sie mit der Kamera begleitet.

Hamm/Werne/Bönen/Drensteinfurt - Um Heike Wohlfahrt herum ist alles ruhig. Und doch zieht sie hastig an ihrer Zigarette. Sie steht am Bockelweg in Heessen, 2 Uhr nachts, die Straße ist leer gefegt. Kein Auto, kein Mensch ist unterwegs, Laternen erhellen die Fassaden einer Bäckerei, einer Bank und eine Baustelle mit ihrem gelben Licht.

Wohlfahrt drückt die Zigarette aus. Eine schlechte Angewohnheit, sagt sie. Sie schnappt sich einen der dicken Zeitungsstapel, die – mit Plastikbändern zusammengeschnürt – auf dem Gehweg liegen. Ein Fahrer hat die 140 Ausgaben des Westfälischen Anzeigers vom Druckzentrum aus Rhynern zum Bockelweg gebracht. Innerhalb von höchstens zwei Stunden will Wohlfahrt sie verteilen, für zwei Zustellbezirke.

Seit 20 Jahren für den WA im Einsatz

„Die kannst du am besten rollen“, erklärt die gebürtige Hammerin. Sie eilt zum ersten Haus ihrer „Verteilerrunde“. Und tatsächlich: Der Briefkasten neben der Eingangstür ist rund. Die aufgerollte Zeitung passt perfekt hinein. Wer mit Heike Wohlfahrt unterwegs ist, lernt viel über Falttechniken. Die Zeitungen längs knicken, an der kurzen Seite falten, rollen – sie weiß lange, bevor ein Briefkasten überhaupt in Sichtweite ist, wie der „Westfälische Anzeiger“ am besten hineinpasst.

Dabei ist das Falten nicht gerade leicht. Immer wieder biegt sich das Papier widerspenstig in eine andere Richtung als die gewollte. „Das ist Übungssache“, sagt Wohlfahrt. Ihre Runde ist groß, sie kommt an vielen Türen und Briefkästen vorbei. Wohlfahrt weiß auswendig, welche Haushalte sie beliefern soll und welche nicht.

Mindestens eineinhalb Stunden im Einsatz

Seit etwa 20 Jahren arbeitet die Hammerin als Zustellerin für den WA. „Früher war ich Verkäuferin, habe dann den Stadtanzeiger verteilt und bin so in meine jetzige Arbeit reingerutscht“, erklärt sie. 450 Euro verdient sie im Monat. Dafür ist sie von montags bis samstags jede Nacht mindestens eineinhalb Stunden im Einsatz. Für die Familie von Heike Wohlfahrt ist das Zeitungsaustragen eine Art Zuverdienst – Wohlfahrts Mann arbeitet im Bereich Sanitär und Heizung.

Insgesamt sind gut 300 WA-Zusteller an sechs Tagen in der Woche in Hamm, Drensteinfurt, Bönen, Bergkamen und Werne unterwegs. Alle zusammen verteilen knapp 30.000 Zeitungen in 525 Bezirken unterschiedlicher Größe. „Die durchschnittliche Bezirksgröße liegt bei etwa 70 Zeitungen“, erklärt David Erdmann. Der 37-Jährige kümmert sich als Vertriebsinspektor für Hamm und Drensteinfurt um 150 Zusteller.

Jubiläums-Rekord liegt bei 43 Jahren

Zu seinen Aufgaben gehören unter anderem die Urlaubs- und Krankheitsplanung, die Einstellung von neuen Zustellern und die Reklamationsbearbeitung. Ein sehr kleiner und netter Aspekt seiner Arbeit: Gemeinsam mit seinen Kollegen ehrt Erdmann Jubilare. Einige Zusteller sind schon besonders lange für den WA aktiv. Der Jubiläums-Rekord liegt laut Erdmann aktuell bei 43 Jahren.

Wohlfahrt sagt, dass sie gerne als Zustellerin arbeitet: „Ich mag an meinem Job, dass ich anschließend noch viel vom Tag habe“, sagt sie. Diese Zeit kann sie gut gebrauchen. Zwei Enkel, Leon und Levi, warten sechsmal in der Woche darauf, dass ihre Oma zum Spielen vorbeikommt. Abends gegen 20 Uhr geht Wohlfahrt schlafen – um dann mitten in der Nacht wieder aufzustehen, um ihre Haushalte zu beliefern.

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