TP Medicare im Hamtec

Auch das ist Corona: Hammer Firma entwirft jetzt antibakterielle Masken

Mit Masken durch die Krise: Die Firma TP Medicare ist eigentlich auf den Export von Medizinprodukten spezialisiert. Stattdessen hat sie nun selbst Masken entwickelt. Auf dem Bild von links: Geschäftsführerin Pham Yen sowie ihre Mitarbeiter Huy Danh Ta und Phuong Hoa Bach.
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Mit Masken durch die Krise: Die Firma TP Medicare ist eigentlich auf den Export von Medizinprodukten spezialisiert. Stattdessen hat sie nun selbst Masken entwickelt. Auf dem Bild von links: Geschäftsführerin Pham Yen sowie ihre Mitarbeiter Huy Danh Ta und Phuong Hoa Bach.

Eine Hammer Firma ist eigentlich auf den Export medizinischer Geräte nach Vietnam spezialisiert. Doch das Geschäft brach infolge der Coronakrise ein. Kurzerhand kaufte die Geschäftsführerin eine Näherei in Vietnam und ließ Masken entwerfen. Tausende hat sie bereits an die Stadt und an wohltätige Einrichtungen gespendet.

Hamm-Norden – Yen Pham aus Hamm exportiert seit Jahren medizinische Geräte nach Vietnam. „Das Siegel ,Made in Germany‘ ist die Nummer 1 in Vietnam“, erzählt Pham. Im Hamtec sind die Büroräume ihrer kleinen Firma TP Medicare mit fünf Mitarbeitern untergebracht. Eigentlich führt sie medizinische Ausrüstung diverser deutscher Hersteller nach Asien aus. Doch dann kam Corona – das Geschäft brach ein. „Es gab kaum noch Flüge nach Vietnam“, erzählt Pham. Dazu kam ein Exportverbot der Bundesregierung, das Pham so verstand, dass sie keine medizinischen Geräte mehr ausführen durfte.

Pham ist die Hauptverdienerin ihrer Familie, sie hat einen Mann und fünf Kinder, die wenige Monate bis 17 Jahre alt sind. Sie habe überlegt, was sie tun könnte, sagt sie. Kurzerhand habe sie eine Näherei in Vietnam gekauft. Dort nähen nun 150 Schneiderinnen Masken und Schutzkittel, die Pham in Deutschland verkauft.

„Wir haben die Masken hier entwickelt“, sagt sie. Hergestellt werden sie aus einem Gemisch von Baumwolle und Polyester, dann antibakteriell beschichtet. Die Beschichtung halte 30 Waschgänge aus. Gegen das Coronavirus schützen die Masken zwar nicht besser als andere Alltagsmasken – die Übertragung bakterieller Krankheiten lasse sich aber besser vermeiden.

Die Masken verkauft Pham vor allem an Großabnehmer und in einem kleinen Onlineshop. Zudem spendete sie im Frühjahr 10 000 Exemplare an die Stadt Hamm und weitere 1000 an das Hospiz. Pham bedachte weitere Einrichtungen mit Masken. „Übergangsweise hilft das der Firma ein bisschen“, sagt sie.

Doch eigentlich will die lebhafte Frau zurück zum ursprünglichen Geschäft: dem Verkauf von medizinischen Geräten. „In Vietnam gibt es keine Physiotherapie“, sagt sie. Klage jemand über Rückenschmerzen, würde man in Deutschland erst einmal per Physiotherapie versuchen, das Problem zu lösen. „In Vietnam wird gleich operiert“, sagt Pham. Auch danach gebe es keine Physiotherapie. Stattdessen ginge man davon aus, dass es den Patienten nach der Operation gut gehen müsse.

Pham selbst hat in Deutschland eine Ausbildung zur Physiotherapeutin gemacht. Eigentlich wollte sie Ärztin werden, studierte auch einige Semester Medizin. Dann ging sie 1997 nach Deutschland. Ihr Abschluss wurde zunächst nicht anerkannt, acht Semester wartete sie auf einen Studienplatz. „Als die Zusage kam, war ich hochschwanger“, sagt Pham. Sie entschied sich gegen das Studium. 2010 begann sie ihre Ausbildung zur Physiotherapeutin.

Zunächst lebte Pham mit ihrer Familie in Berlin und im Spreewald, zog dann nach Hamm. Hier betrieb sie zunächst ein Asia-Restaurant. Nebenbei exportierte sie medizinische Ausrüstung nach Vietnam. „Meiner Familie gehört in Vietnam eine der größten Schönheitskliniken des Landes“, erzählt sie. Dort habe man Ausrüstung aus Deutschland haben wollen, die Pham besorgte. Nach dem Tod ihres Vaters wollte sie das nicht mehr umsonst machen und gründete ihre Firma.

Vor Corona versuchte Pham dabei, Ärzte und Therapeuten in Vietnam von der Notwendigkeit von der Physiotherapie zu überzeugen. Sie flog mit deutschen Fachleuten nach Asien, hielt Kongresse ab. Dabei zeigte sie die Trainingsgeräte für die Physiotherapie, die sie weiterverkaufen wollte. Doch die Flüge, die Kongresse, all das ist vorerst nicht möglich. In der Zwischenzeit arbeiten Pham und ihre Mitarbeiter in Hamm daran, weitere Masken herstellen zu lassen und diese nach Deutschland zu importieren – in der Hoffnung, dass sie auch bald wieder exportieren kann.

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