Hammer Firmen und der Brexit: Neue Konkurrenz und viel Unsicherheit

Schon jetzt hat der Brexit auch in Hamm Einfluss auf die Geschäfte mit Firmen von der Insel.
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Schon jetzt hat der Brexit auch in Hamm Einfluss auf die Geschäfte mit Firmen von der Insel.

Von Freitag auf Samstag um Mitternacht wird der Brexit Realität. Großbritannien scheidet nach dreieinhalb Jahren zäher Verhandlungen aus der Europäischen Union aus. Das hat auch weitreichende Folgen für die Hammer Wirtschaft.

Hamm – Unternehmen müssen sich nach einer Brexit-Übergangsphase bis Ende des Jahres auf mehr Bürokratie und neue Konkurrenten einstellen. Schon jetzt hat der Brexit Einfluss auf die Geschäfte mit Firmen von der Insel. Und: Die jahrelange Unsicherheit bleibt. Jobs seien unmittelbar aber nicht in Gefahr, heißt es unisono.

In der Region, also in Hamm, Dortmund und dem Kreis Unna, haben nach Angaben der Industrie- und Handelskammer zu Dortmund (IHK) rund 300 Unternehmen Handelsbeziehungen mit Großbritannien. Das Vereinigte Königreich ist damit der viertwichtigste Handelspartner für die Wirtschaft in NRW, das Handelsvolumen beträgt jährlich mehr als 22 Milliarden Euro. Ein Teil davon wird auch in Hamm erwirtschaftet. Genaue Zahlen nennt die IHK nicht.

Der Polyesterfaserhersteller Advansa und die Jäckering-Gruppe sind nur zwei Beispiele für Firmen, die gute Kontakte nach Großbritannien pflegen. „Bei uns sind die Zahlen zwar überschaubar. Aber jedes Geschäft ist wichtig. Durch das Absacken des britischen Pfundes haben wir Marge verloren“, sagt Dr. Heinz Meierkord, CEO bei Advansa.

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"Keiner weiß, was auf ihn zukommt“

Deutlicher wird Julia Laudenbach, Vertriebsleiterin bei Jäckering: „Wir sind jetzt schon leidgeprüft. Keiner weiß, was auf ihn zukommt.“ Der Brexit erschwere Verhandlungen mit britischen Unternehmen. Denn die würden künftige Extrakosten durch Zölle gerne dem Lieferanten überlassen. „Da müssen wir dann sagen: Das machen wir nicht mit. Noch sind aber alle Kunden an Bord geblieben“, sagt Laudenbach.

Wenn Großbritannien nach der Übergangsfrist zu einem Drittstaat wird und nicht im Europäischen Wirtschaftsraum bleibt, müssen Abläufe umgestellt werden. Lkw können wegen der Zollregularien nur noch während der Geschäftszeiten und nicht mehr Tag und Nacht beladen werden. „Da werden wir viel Flexibilität verlieren“, so Laudenbach.

Absatz bricht in Teilen stark weg

Neue Konkurrenz – etwa aus den USA –, die dann auf den britischen Markt drängt, erschwere das Geschäft zusätzlich. „Das ist für uns das größere Problem. Wir wissen nicht, ob wir nach dem Brexit noch so verkaufen können wie bisher.“ Bei einigen Produkten würden dann 25 Prozent des Absatzes wegbrechen.

Schon der Brexit-Prozess hat Spuren hinterlassen. Für NRW betrugen die Exporte 2018 12,2 Milliarden Euro, in den ersten elf Monaten 2019 nur noch 10,1 Milliarden Euro. Im Vorfeld des EU-Austritts sank das Exportvolumen von Januar bis November 2019 um 12,1 Prozent. „Am schädlichsten für die Unternehmen vor Ort und deren Wachstum ist Unsicherheit. Und die gab es in diesem Prozess ständig“, sagt Gero Brandenburger, Pressesprecher der IHK.

Mehr Briten werden Deutsche:

Mehr gebürtige Briten, die in Hamm leben, haben sich wegen des Brexits für eine Einbürgerung entschieden. Von 2016 bis heute gab es 61 Einbürgerungen – alleine 33 davon seit Anfang 2019. Jetzt leben in Hamm noch 103 Personen mit ausschließlich britischer und 238 mit deutsch-britischer Staatsangehörigkeit. Die Kosten für die Einbürgerung liegen bei 255 Euro. Informationen liefert das Amt für Soziale Integration, Sachsenweg 6, 59073 Hamm-Heessen, Tel. 02381/176767.

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