Warum ist das so, und was bedeutet das?

Uentroper Unternehmen Advansa ist Sanierungsfall

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Hamm - Die Advansa GmbH mit Sitz im Uentroper Gewerbegebiet geht in die Insolvenz in Eigenverwaltung. Ein entsprechender Antrag wurde vom Unternehmen (110 Mitarbeiter) vor dem Dortmunder Amtsgericht gestellt. Warum ist das so, und was bedeutet das?

 „Formal sind wir nun ein Sanierungsfall“, sagt Advansa-Inhaber Dr. Heinz Meierkord. „Real muss sich hier aber niemand Sorgen machen. Existenzängste sind unbegründet.“ Läuft alles so, wie es sich der Advansa-Chef vorstellt, dann wird sich das Unternehmen binnen weniger Monate neu aufgestellt und seine Zukunft dauerhaft gesichert haben.

Der erste Schritt hierzu sei am Dienstag erfolgt, als das Insolvenzgericht dem Verfahren in Eigenverwaltung zugestimmt habe, sagte Meierkord im Gespräch mit unserer Zeitung. Damit bleibe die Geschäftsleitung im Amt und könne den Geschäftsbetrieb ohne Einschränkungen fortführen. Zum Sachwalter wurde vom Gericht die Dortmunder Kanzlei Husemann-Eickhoff-Salmen und Partner bestellt.

Blick in die Produktionshallen.

Für die Schieflage des Unternehmens sind offenbar mehrere Faktoren ursächlich. Advansa stellt Marken-Füllfasern her, die unter anderem in Steppbetten, Kopfkissen und Matratzen verwebt werden. Ebenso werden in Uentrop Fasern für die Automobil- und die Papierindustrie sowie für medizinische und hygienische Artikel produziert. Die Basis bilden dabei PET-Flaschen, die in einem einzigartigen Verfahren recycelt und aus denen Polyesterstapelfasern gewonnen werden.

Der Weltmarkt ist seit Jahren überhitzt, insbesondere weil die chinesische Faser-Industrie erhebliche Überkapazitäten – die Rede ist von 600 Prozent über demeuropäischen Bedarf – produziert. Die Preise für PET-Flaschen als Rohstoff sind zudem seit 2017 erheblich gestiegen. Die Gewinnmargen liegen laut Meierkord typischerweise in seinem Unternehmen bei 2 Prozent.

Advansa-Inhaber Dr. Heinz Meierkord

Hinzu kommt eine Erblast, die Meierkord seit der Übernahme des Unternehmens von DuPont im Jahr 2011 zu tragen hat. DuPont hatte ein Pensionswerk installiert und schüttete seinen Mitarbeitern eine Betriebsrente aus. Bis heute wird diese gezahlt – und zwar von seiner GmbH als Nachfolger. Etwa 1 Million Euro macht das in Summe pro Jahr, in der Unternehmensbilanz müssen um ein Vielfaches höhere Rücklagen dargestellt werden.

Der Advansa-GmbH-Jahresumsatz beläuft sich auf 45 Millionen Euro. Die Zahl der Betriebsrentenempfänger liegt nur noch um fünf unter den aktuell 110 aktiven Mitarbeitern im Unternehmen. Im Verbund mit der Null-Zins-Politik der Europäischen Zentralbank droht nun die Eigenkapitalquote in den roten Bereich abzurutschen. Die Liquidität des Unternehmens ist nicht mehr gesichert.

Positiver Verhandlungsabschluss erwartet

Durch das Einleiten des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung wird es Advansa nun möglich, an den Pensions-Sicherungs-Verein heranzutreten und diesen bei den Betriebsrenten mitzuverpflichten. Meierkord rechnet fest mit einem positiven Verhandlungsabschluss.

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