Zu Unrecht verurteilt: Thomas Ewers hofft wieder

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Wartet seit Jahren auf seine Rehabilitation: Thomas Ewers aus Bockum-Hövel.

HAMM - Steter Tropfen höhlt so manchen Stein. Möglicherweise auch den Beton im Fall von Thomas Ewers. Der 45-jährige Hammer saß nach allem, was man bis heute weiß, rund vier Jahre als Vergewaltiger unschuldig im Gefängnis.

Von Frank Lahme

Bis zu seiner Rehabilitierung wird vermutlich noch mehr Zeit ins Land gehen, doch der erste Schritt dafür ist nun getan.

Ewers’ Rechtsanwalt Dr. Michael von Glahn hat einen Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens gegen seinen Mandanten beim Essener Landgericht gestellt. Mehr als zwei Jahre hatte sich der Hammer Strafrechtler vor diesem Schritt gescheut und – in Einklang mit der Staatsanwaltschaft – vielmehr das Heft des Handelns beim Dortmunder Landgericht gesehen.

Dort ist seit dem Oktober 2011 die Frau angeklagt, die Ewers mit einer Lügengeschichte in den Knast befördert hatte. Im Juli 2002 wurde der Bockum-Höveler wegen Vergewaltigung und Körperverletzung von deren damaligem Lebensgefährten zu einer mehr als siebenjährigen Gesamtfreiheitsstrafe verurteilt. Der BGH reduzierte das Strafmaß im März 2003 auf sechs Jahre und acht Monate. Etwa vier Jahre davon sind den Vergewaltigungshandlungen zuzurechnen.

Bis zum letzten Tag hatte der Hammer seine Strafe absitzen müssen – auch deshalb, weil er stets seine Unschuld beteuert hatte und damit im Strafvollzug als nicht kooperationsbereit eingestuft worden war. Doch wenige Monate nach seiner Haftentlassung im März 2010 offenbarte sich das angebliche Vergewaltigungsopfer und erklärte, dass sie die Taten frei erfunden habe. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Die ebenfalls aus Hamm stammende Frau ist wegen mittelbarer Freiheitsberaubung angeklagt, doch es kommt nicht zum Prozess, weil die für den Fall zuständige 35. Strafkammer des Landgerichts Haftsachen vorziehen muss und seit Mai 2012 fast alle verbleibenden Kapazitäten in einem aufwändigen Umweltstrafverfahren („Envio-Fall“) bündelt. Ein Sprecher des Landgerichts bestätigte am Dienstag, dass weiterhin kein Termin für das Hammer Verfahren anberaumt sei.

Mehrfach hat der WA bereits über den Sachverhalt berichtet. Regelmäßig führte das dazu, dass Fernsehteams den Fall aufgriffen. Zuletzt die NDR-Redaktion von „Panorama“, die im Januar 2014 einen Beitrag plant.

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