Was sind die Gründe für die besondere Situation?

Weiblicher Beruf? In dieser Hammer Kita mischen Männer kräftig mit!

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Hamm – Mehr als 30 Prozent männliche Mitarbeiter im pädagogischen Bereich? Das klingt für eine Kita rekordverdächtig. Doch in Bockum-Hövel gibt es so etwas tatsächlich.

Bundesweit lag die Zahl im Jahr 2017 laut Statistischem Bundesamt bei gerade einmal bei 5,8 Prozent. Die Elterninitiative Am Eichenwäldchen hat mit dem Start des neuen Kita-Jahres alleine zehn Auszubildende.

„Wir hatten in diesem Jahr einen extremen Zuwachs“, sagt Geschäftsführer Patrick Westerteicher. „Aber das ist auf unser Konzept zurückzuführen, weil Männer sich die Bereiche aussuchen können, in denen sie gerne arbeiten möchten. Nicht nur basteln, singen und klatschen, sondern auch das Außengelände, den Bau- und den Bewegungsbereich“, sagt er.

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"Männer riechen und reden anders"

Genau das war für die meisten der neuen Auszubildenden der Grund, bei der Kita Am Eichenwäldchen anzuheuern, darunter auch Joel Zitzlsperger. Er hatte die Arbeitsweise dort über ein Praktikum kennengelernt. „Ich arbeite lieber im offenen Konzept als in einer Regelgruppe. Hier gibt es keine Räume mit Gruppen, sondern Funktionsbereiche, die von den Mitarbeitern betreut werden. Auch wenn die Kinder frei wählen können, was sie machen wollen, gibt es auch da noch Regeln“, sagt er.

Die hohe Männerquote ist aus Sicht von Ingrid Westerteicher, Vorsitzende der Elterninitiative, sehr erstrebenswert. „So haben die Kinder die Möglichkeit, Männlichkeit und männliche Rollenbilder kennenzulernen. Männer riechen anderes, sie haben andere Vorlieben, sie reden anders“, sagt sie. Schon immer habe es in der Elterninitiative Erzieher gegeben. Viele Kinder wüchsen heute ohne Väter auf. So fehle ihnen ein Bild vom Mann.

"Wir hatten dieselben Themen"

René Arndt hat gerade seine praxisintegrierte Ausbildung (Pia) begonnen. Er weiß aus eigener Anschauung, wie wichtig männliche Erzieher sind. Denn schon als Kind hatte er das letzte Jahr in der Kita Am Eichenwäldchen erlebt, hatte einen Erzieher und kann sich noch heute gut daran erinnern. „Das hat gestimmt, er wusste, was ich meine. Wir hatten dieselben Themen, und ich konnte mich gut mit ihm verständigen. Er wollte mir das Beste geben. Ich habe gefühlsmäßig viel mit ihm erlebt. Das war deshalb vielleicht so prägend“, berichtet Arndt.

Den Weg zum Erzieherberuf fand er nicht direkt. Nach der Realschule absolvierte er den Bundesfreiwilligendienst in der Kita Am Eichenwäldchen und machte zunächst eine Ausbildung zum Sozialhelfer. Dann wollte er lieber in den kreativen Bereich und wurde Maler. Doch im Winter erhielt er die Kündigung. Und der Weg führte ihn zurück in die Elterninitiative, wo er ein halbes Jahr arbeitete und sich dann auf Vorschlag von Patrick Westerteicher für die praxisintegrierte Ausbildung entschied.

Attraktive Ausbildungs- und Arbeitsplätze bieten

Christian Westerteicher absolviert ein duales Studium in Sozialer Arbeit. Seine Entscheidung fiel für die Elterninitiative, weil er ein großes Mitspracherecht hat und er auch noch eine Ausbildung zum systemischen Berater machen konnte.

Patrick Westerteicher freut sich natürlich, dass angesichts des leergefegten Arbeitsmarktes im Erzieherberuf so viele junge Menschen eine Ausbildung in der Elterninitiative machen. Das führt er zum einen auf die Möglichkeit zurück, eine praxisintegrierte Ausbildung zu absolvieren, bei der man bereits ein Einkommen hat. Das sei immer mehr im Kommen. Zum anderen sagt er: „Auch als Arbeitgeber muss man sehen, attraktive Ausbildungs- und Arbeitsplätze zu bieten, an denen man sich wohlfühlt.“

Alle jammerten, sie hätten keine Fachkräfte. Dazu müsse man früh genug anfangen und ausbilden. So könne man die Hoffnung haben, sie auf Dauer zu binden. Gerade wenn es in diesem Beruf bereits männliche Mitarbeiter gebe, mache ihn das für andere Männer attraktiver, so Patrick Westerteicher. Es werde auch verlangt, dass Erzieher immer professioneller würden. „Aber da hakt es noch stark an der finanziellen Unterstützung“, stellt er fest.

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