Interessante Statistik

Unfälle in Hamm: Pandemie-bedingt niedrigste Zahl seit langem - Vier Brennpunkte

Mann stirbt bei Unfall in Hamm Bockum-Hövel, Dezember 2020
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Folgenschwerer Unfall: Ein 84-jähriger Mann verlor im Dezember 2020 auf der Römerstraße in Bockum-Hövel auf Höhe des Fun Parks sein Leben.

[Update] Wenn Corona sich mit sinkenden Fallzahlen schon nicht in der Kriminalitätsstatistik bemerkbar gemacht hat, dann aber in der Verkehrsunfallbilanz 2020 für Hamm.

Hamm - Weniger Mobilität, weniger Verkehrsunfälle: Die Corona-Schutzmaßnahmen zeigten Wirkung: 5430 Unfälle, davon 516 mit Personenschaden sind der mit Abstand niedrigste Wert der vergangenen fünf Jahre (2019: 6654/614). Traurigster Monat ist der Dezember mit drei Todesopfern. Mehr Verkehrstote gab es 2020 glücklicherweise nicht.

Fünf Unfallhäufungspunkte oder „Brennpunkte“ machte die Polizei in 2020 aus (Achtung: konnten hier zunächst keine Angaben gemacht werden, so wurde das im Nachgang korrigiert). Es sind:

  • Sedanstraße /Bismarckstraße
  • Richard-Wagner-Straße/ Fritz-Reuter-Straße
  • Dr.-Loeb-Caldenhof-Straße / Einfahrt McDonald‘s
  • Friedrich-Ebert-Straße / Marinestraße
  • Münsterstraße / Sachsenring

Diese Orte sein „im Rahmen der Unfallkommission (Stadt Hamm, Bezirksregierung, Polizei, Straßen NRW) bearbeitet und mit Maßnahmen belegt“ worden, heißt es. Derzeit stünden sie unter Beobachtung, um festzustellen, inwieweit die Maßnahmen erfolgreich sind. Voraussetzungen für eine Unfallhäufungsstelle sind: drei Unfälle gleichen Unfalltyps (z.B. aufgrund Abbiege- oder Vorfahrtverstoß), Personen wurden dabei verletzt/getötet oder schwerwiegender Verkehrsunfall mit Sachschaden, im Zeitraum von einem Jahr, an einem Knoten (z.B. Kreuzung oder Einmündung).

Rad- und Pedelec-Verkehr ein Problemfeld

Beschäftigen wird die Direktion Verkehrs 2021 der Rad- und Pedelec-Verkehr. Das machte Direktionsleiterin Ulrike Horn deutlich. Bei insgesamt abnehmender Zahl der verunglückten Radfahrer (149; 2019: 174) ist der Anteil der Fahrer mit Elektro-Hilfe vom 40 auf 57 abermals gestiegen. Überraschend kommt das nicht, denn die E-Bike-Sparte boomt weiter. Horn kündigte für dieses Jahr ein Rad-Pedelec-Konzept der Polizei unter anderem mit Sicherheitstrainings an, um die Zahl der Unfälle zu reduzieren.

Bei den Verkehrsstraftaten dominieren weiterhin Fahrten ohne Fahrerlaubnis (453 festgestellte Fälle; 2019: 474). Deutlich häufiger als im Vorjahr wurden Fahrer ohne Versicherungsschutz angetroffen (2020: 287; 2019: 167). Wie schon 2019 wurden mehr Menschen unter Drogen- als unter Alkoholeinfluss angetroffen. „Wir haben die Gerätschaften, um Fahrten unter Drogeneinfluss beweissicher zu ahnden“, machte Polizeipräsident Erich Sievert deutlich.

Die Unfälle unter Alkohol (37) und Drogen (10) sanken korrespondierend mit dem Gesamtunfallgeschehen deutlich. Als Grund nennt die Polizei abermals die eingeschränkte Mobilität durch die Corona-Schutzmaßnahmen.

12.620 Geschwindigkeitsverstöße fielen bei Kontrollen auf, 1.672 Handyverstöße und zusammen 318 Fahrten unter Drogen- und Alkoholeinfluss.

Zahl der Schwerverletzten annähernd unverändert

Die Zahl der Schwerverletzten durch Verkehrsunfälle (stationärer Krankenhausaufenthalt) blieb mit 124 annähernd unverändert (2019: 122). Zwar ging die Zahl der verunglückten Kinder insgesamt von 84 auf 62 (26 davon mit dem Rad) zurück, die Zahl der schwerletzten Kinder blieb aber mit elf auf dem Stand des Vorjahres.

Die meisten Unfälle mit Kindern ereigneten sich im Bezirk Mitte (26), gefolgt von Uentrop (19). Die Polizei versuchte mit der Verkehrspuppenbühne und Geschwindigkeitsmessungen mit Drittklässlern vor 13 Grundschulen zu sensibilisieren.

Verunglückte Senioren oft mit Rad oder E-Bike unterwegs

Um 20 zurück gegangen ist die Zahl der verunglückten jungen Erwachsenen (bis 24 Jahre): 2020 waren dies 113 (2019: 133). Kurse und Vorträge in Ausbildungsstätten sollten auch hier gegensteuern.

Von insgesamt 86 verunglückten Senioren waren etwa die Hälfte in Unfälle mit dem Fahrrad oder E-Bike verwickelt. Auch für diese Gruppe hat die Polizei Termine zur Unfallprävention angeboten.

Null Toleranz für Poser und Tuner

Die Leiterin der Direktion Verkehr, Ulrike Horn, hat ein konsequentes Vorgehen gegen die sogenannte Poser- und Tuner-Szene in Hamm angekündigt. „Hier fahren wir eine Null-Toleranz-Linie“, machte Horn deutlich.

Poser und Tuner sollen in Hamm auch 2021 streng kontrolliert werden.

352 Verstöße wurden 2020 geahndet, 100 mehr als im Jahr zuvor. Frisierte Schlitten und ihre Halter sollen weiter schlechte Karten haben: „Wir haben spezialisierte Beamte in diesem Bereich“, sagte Horn. Hotspots der Szene würden regelmäßig kontrolliert. Illegale Kfz-Rennen sind offenbar weniger das Problem: Zwei Rennen stehen in der Statistik, neun Verfolgungen mit der Polizei.

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