Ungewöhnliche Nähe der so verschiedenen kleinen Parteien

Scharfer Plakat-Protest eint Grüne und AfD in Hamm

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"Sicherer als Bullerbü" sei es in der Stadt, findet die Hammer CDU. Viele der neuen Großplakate mit diesem und anderen Slogans wurden schon vor dem offiziell genehmigten Stichtag aufgestellt.

In ihren Themen und Thesen liegen Grüne und AfD auch in Hamm in der Regel meilenweit auseinander. Der Auftakt der Wahlplakatierungen am Wochenende hat sie jedoch ungewollt in ein gemeinsames Boot gebracht.

Hamm - Als WA.de am Samstagvormittag auf den von der Stadt vorgegebenen Starttermin für die Wahlkampfplakatierungen einen Tag später hinwies, waren tatsächlich schon die ersten Teams und Firmen unterwegs, um öffentlich beachtete Bereiche mit kleinen und großen Motiven zu bebildern. So präsentierte sich Hamm schon am Sonntagmorgen bunt wie schon lange nicht mehr. Plakate der Grünen und der AfD waren (noch) nicht dabei. Warum? Weil sie offenbar den entsprechenden Bescheid des örtlichen Ordnungsamts ernst nahmen. Und sich dann so sehr über das Verhalten der Konkurrenz ärgerten, dass sie ihrer Wut prompt öffentlich Luft machten. Unabhängig voneinander zwar, aber zeitlich und in der Sache doch ungewöhnlich nah beieinander.

Die Plakat-Kritik der Grünen in Hamm:

Die Hammer Grünen beobachten, dass "bereits am Freitag vor der Frist die ersten Wesselmänner (*) der CDU standen und am Samstag CDU, SPD und FDP die ersten A0-Plakate aufgehängt haben – offenkundig um sich die besten Standorte und einen illegalen Vorteil vor den politischen Mitbewerbern zu sichern". Das untergrabe die Chancengleichheit im demokratischen Wettbewerb, beklagt Parteisprecher Wolfgang Ruthe.

Die Grünen fühlen sich dabei nicht nur aus terminlichen Gründen betrogen, sondern auch wegen der ganz besonderen Herausforderung in diesem Jahr. Denn die "ohnehin aufwendigen Vorbereitungen" seien "unter Corona schwerer umzusetzen", findet Ruthe. Mit Nachdruck kritisiert er die Missachtung von Fairness und Regeln bei CDU, SPD und FDP und fordert das Einhalten von Prinzipien, Haltung und moralischer Gesinnung.

Auf dem Genehmigungsbescheid des Hammer Ordnungsamts ist der 2. August als Starttag für das Plakatkleben im Stadtgebiet ausgewiesen. (Ein Klick rechts oben in das Bild zeigt das komplette Motiv.)

Bei aller Empörung rechnet Ruthe aber nicht mit Konsequenzen: „Normalerweise würden die Grünen vom Oberbürgermeister erwarten, dass er konsequent gegen die Verstöße vorgeht. Doch wie soll das gehen, wenn sich der Oberbürgermeister und seine eigene Partei selbst nicht an die Regeln halten?“

Die Plakat-Kritik der Hammer AfD:

Die AfD kritisiert nicht nur einen „unfairen Regelbruch", sondern sogar ein "Bild des Schreckens". „Wir finden das schäbig, sich so die besten Stellen zu ergaunern und hoffen, dass diese Parteien auch ermahnt werden“, heißt in einer Stellungnahme des Hammer Parteiablegers. SPD, CDU, FDP und Pro Hamm hätten auf diese Weise einen "Wettbewerbsvorteil gegenüber den rechtstreuen Parteien, die sich an die offizielle Genehmigung" hielten. Als "Minimum im Umgang miteinander" fordert die AfD "Fairness und die Einhaltung von Regeln".

Durch die AfD hätten das Tiefbauamt und das Ordnungsamt nun "Kenntnis von diesem Vorfall", heißt es im Statement der rechten Partei weiter. Dort werde man "sicherlich darauf reagieren".

"Wesselmänner" werden diese Großplakate genannt. Dieses Foto entstand am vergangenen Samstag an der Ecke Alleestraße/Eschenallee.

(*) "Wesselmänner" fallen besonders in Auge:

Neben zahllosen Baum- und Zaunplakaten sollen in den Wochen bis zur Wahl in Hamm bis zu 233 "Wesselmänner" für Aufmerksamkeit sorgen. Dieser  vor allem im Politjargon verwendete Begriff geht auf den in Wattenscheid ansässigen Großplakatehersteller Wesselmann zurück. Die 1965 gegründete Firma ist deutschlandweit Marktführer für die 3,60 mal 2,90 Meter großen mobilen Werbeflächen.

Die CDU darf auf dem Gebiet der Stadt Hamm 78 "Wesselmänner" aufstellen, die SPD 66, die Grünen 20, die Linke 21 und die FDP 23. Weitere Großplakate werden an Bundes- und Landstraßen platziert. Die AfD macht von diesen Großplakaten keinen Gebrauch.

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