Bernd Mönkebüscher will "unverschämt katholisch" sein

Unbequeme Wahrheiten: Hammer Pfarrer will Wandel seiner Kirche

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Pfarrer Bernd Mönkebüscher eckt gern an. In seinem achten Buch wird er politisch.

Hamm – Acht Bücher hat der katholische Pfarrer Bernd Mönkebüscher inzwischen geschrieben – sieben haben einen spirituellen Charakter. Diesmal wird der offen schwule Querdenker politisch.

„Unverschämt katholisch sein“ heißt das neue Buch, und ist wie die anderen Werke im „Echter- Verlag“ erschienen. Darin wird der Hammer Geistliche politisch, fordert einen radikalen Wandel in der Kirche: „Wir brauchen keine Kirche von oben herab, sondern eine, die aus der Sicht von Betroffenen, von Leidenden, von unrecht Behandelten sieht, spricht und handelt“, heißt es dort.

Deutlich wird in dem Buch vor allem eines: Mönkebüscher will nicht mehr schweigen, er will sagen, was ihm an der Kirche stört, was schief läuft und wie weit sie sich inzwischen von den Menschen entfernt hat. Er fragt provokativ und mit Nachdruck: „Ist Kirche für sich selbst da oder für die Menschen?“

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Outing hat offenbar gut getan

Vor gut einem halben Jahr hat sich Bernd Mönkebüscher in einem Interview mit unserer Zeitung als schwul geoutet. Das Bekenntnis scheint ihm gutgetan zu haben. Denn in seinem neuen Buch spricht Mönkebüscher unbequeme Wahrheiten aus. Angst vor einem Maulkorb hat er nicht. Im Gegenteil. „Man muss sagen dürfen, was man denkt. Ich finde, man muss es nicht nur dürfen, es muss erwünscht und gewollt sein“, heißt es im Vorwort.

Nun will er sagen, was er denkt, wie er fühlt und wie er die Kirche sieht. Und das ohne Scham. Daher auch der Buchtitel. Der Geistliche will nicht nur schamfrei sagen, was er fühlt, er möchte sich auch nicht mehr schämen müssen für das, was die Kirche falsch macht. Daher regt er einen Wandel in der Kirche an, der die Menschen in den Blick nimmt.

Bernd Mönkebüscher klagt mit seinem Buch an, will aber nicht verletzen.

„Es ist die Stunde der Bischöfe"

Der Pfarrer von St. Agnes malt das Bild einer zeitgemäßen Kirche, mit Texten und Liedern, Riten und Gesten, die die Menschen verstehen und ihnen ans Herz gehen. „Wo seid ihr Sprachverliebten, ihr Dichter und Poeten, ihr Liturgiewissenschaftler? Schafft etwas Neues. Versucht nicht mehr länger, das Alte unablässig zu reproduzieren, redet zu Herzen. Komponiert, dichtet, was das Zeug hält, aber nah am Menschen, in Bildern, die heute sprechen und Wärme geben in den vielfältigen Situationen, die das Leben bietet.“ 38 Kapitel, 128 Seiten.

Jedes Kapitel ein kleines Essay, eine persönliche Auseinandersetzung mit der Kirche, mit ihren Strukturen, den Autoritäten und vermeintlichen Weisheiten. Jedes Kapitel ist ein Appell an die Bischöfe, die nun handeln müssten. „Es ist die Stunde der Bischöfe“, heißt es in dem Buch. Und weiter: „An den Bischöfen ist es, Veränderungen zuzulassen, Veränderungen gutzuheißen und zu wollen. Kirche radikal neu zu denken.“

Ein Buch voller Leidenschaft

Anklagend ja, verletzend nein. Das Buch steckt voller Leidenschaft. Leidenschaft für eine Kirche, die sich an Jesus und den Menschen orientiert. Leidenschaft für eine Kirche, die Sorgen, Ängste und Nöte ernst nimmt und sich radikal auf die ersten Christen besinnt. Leidenschaft für eine Kirche, die verlockend und reizvoll ist, Lust machen soll. Das Buch trägt als Cover eine Kirchturmspitze als Lippenstift.

Dazu schreibt Mönkebüscher: „Die Kirchturmspitze wie ein Lippenstift: nicht zum Überschminken oder Wegretuschieren, aber zum Hervorheben, zum Aufmerksam-Machen. Die Kirchturmspitze wie ein Lippenstift: feuerrot. Die Kirche leidenschaftlich an der Seite aller Liebenden, an der Seite aller Leidenden, an der Seite aller Menschen.“

Info:

Bernd Mönkebüscher: „Unverschämt katholisch sein“. Echter-Verlag, 128 Seiten, 9,90 Euro.

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