Fragen und Antworten zum Umgang in unserer Stadt

Coronavirus: So bereitet sich Hamm vor - Handballspiele wackeln

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Bei den Handball-Partien des ASV Hamm-Westfalen sitzen die Zuschauer dicht gedrängt auf der Tribüne. Bei so engem Kontakt verbreitet sich das Coronavirus Sars-CoV-2 sehr schnell.

Die Stadt Hamm, die niedergelassenen Ärzte und die Krankenhäuser bereiten sich mit Hochdruck auf die ersten Patienten vor, die mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infiziert sind und behandelt werden müssen. Wir haben Antworten auf aktuelle Fragen zusammengestellt.

Hamm – Am Montag äußerten sich Verantwortliche und Beteiligte zur Strategie für Hamm. Einer von vielen Punkten dabei: Großveranstaltungen wie Handballspiele stehen auf der Kippe. Unser Überblick.

Welche Vorkehrungen treffen Ärzte und Kliniken?

Bislang sind zwar alle Tests in Verdachtsfällen negativ ausgefallen – trotzdem dürfte es nicht mehr lange dauern, bis auch in Hamm erste Personen positiv auf die neuartige Atemwegserkrankung getestet werden. Die Verantwortlichen betonen aber: Panik oder Hysterie ist nicht angebracht. „Wir sind gut vorbereitet. Alle Systeme laufen so langsam auf Hochtouren, was die Pandemievorsorge betrifft“, sagte Dr. Rainer Löb, Ärztlicher Direktor und Chefarzt an der St.-Barbara-Klinik.

Durch den derzeitigen Höhepunkt der Grippewelle sei das Personal ohnehin stark belastet. Deshalb haben die Ärzte bei der Stadt darauf gedrängt, Corona-Verdachtsfälle außerhalb der Praxen und Kliniken zu testen, um das System nicht weiterem Druck auszusetzen.

Wie finden Tests künftig statt?

Bis Ende der Woche soll ein Fahrzeug bereit stehen, mit dem Ärzte zu Betroffenen fahren, dort Abstriche einsammeln und die Proben analysieren lassen. Wichtig: Nur der behandelnde Arzt kann entscheiden, ob ein Test im Verdachtsfall durchgeführt werden sollte. Er beauftragt die Ärzte des „Corona-Mobils“ und stellt den Kontakt zum Patienten her.

Das Fahrzeug für die mobile Probenannahme wird äußerlich nicht als solches zu erkennen sein, um die Anonymität der Betroffenen zu wahren und sie vor Stigmatisierung zu schützen.

Wie können ausländische Mitbürger erreicht werden?

Die Migrantenorganisationen seien informiert, das „Corona-Mobil“ werde mehrsprachig besetzt, erklärt Theo Hesse, Leiter des Fachbereichs Jugend, Gesundheit und Soziales. Die Stadt sei auch in Gesprächen mit türkischen Zeitungen.

Was ist mit Veranstaltungen in Schulen?

Das NRW-Schulministerium hat die Schulen aufgefordert, auf alle schulischen Veranstaltungen „zunächst bis zum Beginn der Osterferien“ zu verzichten. Das betrifft Aufführungen, Versammlungen, Feste und Konzerte. An Richtlinien für Klausuren und Abiturprüfungen wird offenbar gearbeitet. Das Land NRW übernimmt die Kosten für abgesagte Klassen- und Schulfahrten.

Was ist zu tun, wenn der Verdacht da ist, am Coronavirus erkrankt zu sein?

„Bloß nicht in eine Arztpraxis oder ein Krankenhaus gehen!“, so Löb eindringlich. Wer die Vermutung hat, erkrankt zu sein, weil er in einem Risikogebiet war – etwa in Südtirol, anderen italienischen Regionen oder China – oder mit positiv Getesteten oder Atemwegserkrankten Kontakt hatte, sollte sich telefonisch beim Hausarzt melden. Gemeinsam werde dann das weitere Vorgehen abgestimmt und festgestellt, ob eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus überhaupt wahrscheinlich ist.

„Die meisten Menschen, die aktuell die typischen Symptome wie Fieber oder Husten aufweisen, haben die Grippe“, so Löb.

Warum sollte man nicht unangekündigt Arztpraxen oder Kliniken aufsuchen?

Tut man das, hat ungeschützten Kontakt mit Ärzten und Mitarbeitern und wird dann positiv getestet, hätte das zur Folge, dass die Einrichtung für 14 Tage geschlossen werden müsste. „Das Gesundheitssystem muss für alle Erkrankten und Patienten funktionieren. Fallen da einzelne Anlaufstellen aus, kriegen wir das nicht mehr gestemmt“, warnte Löb.

Was passiert, wenn viele Menschen gleichzeitig behandelt werden müssen?

Dann wird nach dem Pandemieplan und je nach Auslastung nach dem Krankenhausalarmplan vorgegangen. Konkret bedeutet das: Alle verfügbaren Mitarbeiter werden einberufen und solange wie möglich eingesetzt. Stationen werden – wie bereits im EVK geschehen – für Corona-Fälle freigemacht.

„Wenn wirklich große Teile der Bevölkerung infiziert sein sollten, was nicht heißt, dass sie auch tatsächlich krank werden, dann bringt auch Kasernierung nichts mehr“, erklärte Löb. „Dann müssen wir wie bei allen anderen Virusinfektionen vorgehen und im Bedarfsfall die Intensivkapazitäten erhöhen.“ Die Fachleute seien schon jetzt im ständigen Austausch, um das weitere Vorgehen abzustimmen.

Wie groß ist die Hysterie in Hamm?

Das Gesundheitsamt hat weit über 1000 Anrufe von Bürgern zu Corona registriert. Zahlreiche Menschen sind – teilweise auch ohne Symptome – bei Ärzten vorstellig geworden und wollten getestet werden. Hamsterkäufe gab es vereinzelt. Die Supermärkte bemühen sich deshalb, schnell Ware nachzulegen.

Immer wieder kursieren im Internet Gerüchte über Infizierte, Maulkörbe für Quarantäne-Patienten oder Verschwörungstheorien. „Das ist Unsinn. Wir arbeiten mit großer Transparenz“, betonte OB Thomas Hunsteger-Petermann. Facebook und andere Netzwerke seien keine seriösen Informationsquellen.

Was für Auswirkungen hat die Epidemie auf Groß-Veranstaltungen?

Die Stadt übernimmt die Empfehlung des Gesundheitsministeriums und rät dazu, Veranstaltungen mit über 1000 Teilnehmern abzusagen. „Wir wollen aber keine generelle Regelung treffen. Jede Veranstaltung ist unterschiedlich und auch so zu bewerten“, sagte der OB. Akut gehe es um die Handballspiele des ASV Hamm-Westfalen.

ASV-Geschäftsführer Franz Dressel erklärte auf WA-Anfrage, dass für das Heimspiel am Samstag gegen Essen noch keine Entscheidung gefallen sei. „Wir wollen im Präsidium der Handball-Bundesliga eine einheitliche Regelung finden, ob wir vor leeren Rängen spielen, die Partien neu ansetzen oder normal durchführen“, so Dressel. Die „Digitale Woche“ soll wie geplant stattfinden, erklärte der OB.

Wie gefährlich ist das Coronavirus eigentlich?

Darüber liegen noch keine gesicherten Erkenntnisse vor. „Die einzige ehrliche Antwort ist: Wir wissen nicht, wie lange diese Situation noch anhält und wie gefährlich dieses Virus ist“, sagte Löb. „Die meisten Fälle in Europa verlaufen aber milde. Diese Leute sind wie bei jeder anderen Virusinfektion zuhause gut aufgehoben. Aber: Wer ernsthaft erkrankt ist, gehört ins Krankenhaus.“

Über 1000 Corona-Infektionen in Deutschland

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