Ein Jahr grünes Licht - aber:

Umbau-Fiasko bei Stadtwerken noch längst nicht abgehakt

Ein markantes Gebäude: Die Stadtwerke-Zentrale am Südring.
+
Ein markantes Gebäude: Die Stadtwerke-Zentrale am Südring.

Vor einem Jahr erteilte das Bauordnungsamt dem Bezug der Stadtwerke-Zentrale am Südring die Freigabe. Damit endete zumindest für die Mitarbeiter ein auf lokaler Ebene beispielloses Pannenprojekt. Die juristischen Nachwehen werden sich noch Jahre hinziehen.

Hamm – Betritt man heute das Stadtwerke-Haus, erinnert nichts mehr an das Bau-Chaos der vergangenen Jahre. Nur im Kundencenter hängen noch zwei Kabel aus der Wand. Die letzte Baustelle? „Nein“, sagt Unternehmenssprecherin Cornelia Helm schmunzelnd. „Hier sollten eigentlich Lautsprecher hinkommen. Daraus wird jetzt aber ein Bildschirm. Manche Dinge stellen sich erst durch den Alltag als gute oder schlechte Idee heraus.“

Nach dem Umzug im vergangenen Jahr seien nur noch Kleinigkeiten ausgebessert worden, erklärt Helm. Elektriker verkabelten Lichtschalter neu, die nicht funktionierten. Maler beseitigten die letzten Spuren der Umbauarbeiten. „Kurz bevor alles fertig war, haben unsere eigenen Mitarbeiter mit angepackt. Das war noch einmal ein Kraftakt. Am Ende waren alle erleichtert, als es vorbei war“, so Helm.

Der Ärger begann schon 2014

Zuvor produzierte der Stadtwerke-Umbau Negativ-Meldungen am laufenden Band. Der Ärger fing schon damit an, dass kurz nach dem Baubeginn 2014 Arbeiter beim Abriss ohne Sicherung in 20 Metern Höhe werkelten. Der Arbeitsschutz trat auf den Plan. Es folgten Probleme mit hoher Staubbelastung für Anwohner und Zwist mit Firmen, die Aufträge nur verspätet oder dilettantisch ausführten.

50 bis 60 eklatante Baumängel waren während der viereinhalb Jahre dauernden Kernsanierung entdeckt worden. „Es ist so ziemlich alles schiefgegangen, was schiefgehen konnte“, sagte Geschäftsführer Reinhard Bartsch gegenüber dem WA im November 2018. Treppenstufen waren krumm und schief, der Lastenaufzug passte nicht an den dafür vorgesehenen Platz, der angrenzende Neubau war wegen falsch gegossener Träger 2015 akut einsturzgefährdet.

Verzögerung von fast drei Jahren

Die lange Mängelliste hatte zur Folge, dass die Stadtwerke mit vielen am Umbau beteiligten Firmen im Clinch lagen. Und die Baustelle am Südring in deren Prioritätenliste nicht mehr ganz oben stand. Das Problem dabei: Verzögerte sich die Fertigstellung eines Gewerks, wirkte sich das sofort auf alle Folgegewerke aus. So belief sich die Verzögerung beim Umbau am Ende auf fast drei Jahre.

Ursprünglich waren für das Großprojekt maximal 10 Millionen Euro veranschlagt worden, im November 2018 waren es bereits knapp 13,5 Millionen Euro, die ausgegeben wurden.

Rundgang durch die Stadtwerke Baustelle in der Innenstadt

Spott in der Öffentlichkeit

Als Hauptgrund für das Umbau-Fiasko nannte Bartsch 2018 die Ausschreibungsbestimmungen. Ab einem Auftragsvolumen von fünf Millionen Euro müssen Ausschreibungen europaweit erfolgen, zudem ist der Auftraggeber dazu verpflichtet, den günstigsten Anbieter zu beauftragen. Firmen, die so den Zuschlag erhalten hatten, hätten die Arbeit an Subunternehmer weitergereicht oder seien gar nicht in der Lage gewesen, die Anforderungen zu erfüllen, hieß es 2018.

In der Öffentlichkeit wird über die Hängepartie beim Umbau gespottet. Und geunkt, dass sogar der Berliner Flughafen eher fertig werde als das Stadtwerkehaus. Politisch blieb es dagegen ruhig. CDU und SPD verhinderten mit ihrer Mehrheit, dass der Umbauprozess Thema im Stadtrat wurde. Ganz zum Ärger der Opposition.

Mitarbeiter können lachen

Die Mitarbeiter können über die Pannenserie lachen. Der Ausspruch von Bartsch gegenüber dem WA, der Bau eines Verwaltungsgebäudes sei nicht die Kernkompetenz der Stadtwerke, sei mittlerweile zum geflügelten Wort auf den Fluren des siebengeschossigen Gebäudes geworden, ist zu hören.

Für die Angestellten sei die deutlich längere Zeit in den Übergangsquartieren am Schildkamp und im Südringcenter kein Problem gewesen, betont Helm. „In dieser Zeit wurde natürlich viel geredet. Nach dem Motto: Das kann ja was werden, wenn wir rüberziehen. Aber alle haben sich sofort wohl gefühlt.“

Umbau beschäftigt Anwälte

Mittlerweile sind nur noch die Anwälte der Stadtwerke mit dem Umbauprojekt befasst. Und werden das wohl noch etliche Jahre sein. Seit dem Ende der Arbeiten laufen „drei oder vier“ Rechtsstreitigkeiten, andere seien in Vorbereitung. Zum Stand der Verfahren wollte Bartsch sich nicht äußern.

Wie lange sich so ein Prozess hinziehen kann, verdeutlicht ein anderes Verfahren zu Baumängeln am Maximare. Dieser Rechtsstreit dauert mittlerweile über 15 Jahre. Auch die rissige Fassade der Musikschule beschäftigt die Anwälte schon seit Jahren.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare