Beeindruckende Bilder aus dem Innern

Riesenaufwand, damit die Uhren der Pauluskirche wieder richtig ticken

Vom Pauluskirchturm fällt der Blick auf Liebfrauenkirche, Universa-Haus, Arbeitsamt und Berger Wassertürme.
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Hinter den Zeigern die Stadt: Vom Pauluskirchturm fällt der Blick auf Liebfrauenkirche, Universa-Haus, Arbeitsamt und Berger Wassertürme.

Vier verschiedene Uhrzeiten zeigen die Zeiger der Pauluskirche seit langer Zeit an. Oft genug sorgt das für Belustigung und sogar Spott. Jetzt reicht es: Mit großem Aufwand werden die Uhren endlich repariert.

Hamm - Bald sollen die Uhren an der Pauluskirche wieder richtig gehen. Am Dienstag, 26. Januar, kommen die Techniker, die dafür sorgen sollen, dass alle vier Uhrwerke hoch oben am Turm wieder im Gleichklang ticken – schon seit Jahren stehen die Zeiger immer wieder still oder zeigen unterschiedliche Zeiten. Fest im Inneren eingebaute Gerüste sollen die Arbeiten erleichtern. Ein Besuch im Turm.

Lutz-Thomas Kusch ist der Architekt des Kirchenkreises. Er wartet im Inneren, hinter dem Westportal und deutet auf eine schmale Tür: Dort gehts entlang. Der Weg nach oben führt über eine enge Wendeltreppe. Vom Prinzip her sei die mittelalterlich, meint Kusch, aber nach Kriegszerstörungen an vielen Stellen neugebaut.

Alle Phasen der Pauluskirchen-Geschichte im Blick

Licht fällt durch schmale Fenster. Sie sind vergittert, um die Tauben draußen zu halten. Dann heißt es Kopf einziehen, und durch eine Luke geht es in eine lichte Halle. Es ist das erste von drei Obergeschossen des Turms, es befindet sich bereits auf Höhe der umliegenden Dächer.

Kirchturm der Pauluskirche Hamm

Kirchturm der Pauluskirche Hamm
Kirchturm der Pauluskirche Hamm
Kirchturm der Pauluskirche Hamm
Kirchturm der Pauluskirche Hamm
Kirchturm der Pauluskirche Hamm

An den Wänden zeigen sich alle Phasen der Pauluskirchen-Geschichte. Da sind zunächst einmal die behauener Quader aus dem Mittelalter mit ihren extrem dünnen Fugen, wie man sie heute nach Kuschs Ansicht kaum hinbekäme. Gotisches Maßwerk ziert die Fenster. Dann sind da ganze Partien, die man beim Wiederaufbau in den frühen 1950er Jahren mit Ziegelsteinen ausgebessert hat. Und schließlich die turmhohen Betonsäulen.

Wann der Turm gebaut wurde, ist nicht bekannt

Wann genau der Turm entstand, ist unbekannt. Man vermutet das 14. Jahrhundert. Der Stadtbrand von 1741 setzte der Bausubstanz erheblich zu. Die damaligen Baumeister wagten es schon nicht mehr, den neuen Turmhelm aufs Mauerwerk zu setzten. Sie bauten hinter der Fassade lieber ein Holzgerüst für das damals neue, barock geschwungene Dach und den Glockenstuhl. Es verbrannte im Zweiten Weltkrieg.

Die Pauluskirche am Marktplatz

Über die Entstehung der Pfarrkirche St. Georg und Laurentius und ihres 80 Meter hohen Turms im Mittelalter liegen keine gesicherten Erkenntnisse vor. Die Ausstattung wurde in der Reformation zerstört, größere Teile nach dem Stadtbrand 1741 und nach einem Bombenangriff 1944 neu gebaut. Nach dem Apostel Paulus ist die Kirche seit 1912 benannt.

An der Gerüst-Idee hielt man beim Wiederaufbau fest. Im Turminneren stehen an den vier Ecken rechteckige Betonstützen. Sie tragen die Zwischendecken, die ebenfalls aus Beton bestehen. Moderne statt Mittelalter.

Wenn die Glocken schlagen, sollte man die Ohren zu halten

Weiter hoch geht es über schmale Betonstufen, immer an der jetzt geraden Wand entlang. Zur Innenseite gibt es Gott sei Dank ein Geländer. Im zweiten und dritten Turmgeschoss stehen die sechs Glocken, eine historische von 1743 und fünf moderne von 1954. Wenn sie zur vollen Stunde schlagen, hält man sich lieber die Ohren zu.

Wenn man zu den Uhren will, muss man noch ein Stückchen höher hinaus. Aus den Maßwerkfenstern des dritten Geschosses, nur knapp unter dem Turmhelm, ragen Stangen in den Raum hinein, die in überschaubaren Metallkästen enden. Darin befinden sich die Uhrwerke, die die Zeiger vor den Fenstern antreiben.

Atemberaubende Aussicht oben im Turm der Kirche

Als der Lions-Club Hamm die Uhren 2007 stiftete, gab es keine andere Möglichkeit, sie am Turm anzubringen. Zur Wartung musste man Leitern anlegen und sich ordentlich verrenken, erklärt Kusch. Das sollte kein Dauerzustand sein. Deshalb sind hinter den gotischen Fenstern Baugerüste errichtet worden, die bis unter die Uhrwerke reichen. Sie sollen auf Dauer vor Ort bleiben, damit man im Fall des Falles schnell an die Technik herankommt. 12.000 Euro kostet die Aktion.

Ganz oben, auf Uhrhöhe, zieht es ordentlich durch die Fenster. Doch die Aussicht ist atemberaubend. Wer hier oben die Uhren aufzieht, hat einen der schönsten Arbeitsplätze der Stadt.

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