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War es wirklich ein Tornado? Augenzeugen berichten über Naturschauspiel über Hamm

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Von: Raphael Haag

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Augenzeugen sind sich sicher: Es war ein Tornado, der am Freitag, 25. Februar, über Hamm und Welver fegte. Das Foto machte Christian Anders von Ostwennemar aus. © Christian Anders

Hatte der Wirbel über Hamm und Welver, der am 25. Februar gesichtet wurde, Bodenkontakt? Nun haben sich Augenzeugen gemeldet.

Hamm - War es ein Tornado, der am Freitag, 25. Februar, über Welver und den Hammer Osten fegte? Oder nur eine Trichterwolke, wie ein Wirbel ohne Bodenkontakt im Fachjargon bezeichnet wird? Nach der Berichterstattung am Dienstag auf WA.de über den Schnappschuss, der Christian Anders am Freitag gegen 13.30 Uhr im Hammer Stadtbezirk Uentrop auf der Soester Straße mit Blick Richtung Vellinghausen gelungen war, haben sich einige Leser aus dem Hammer Osten zu Wort gemeldet.

Manche haben bestätigen können, dass es speziell über Werries zu heftigen Windböen kam. Von fliegenden Trampolinen und herunter fallenden Dachziegeln war ein ums andere Mal die Rede. Niklas Lefarth indes meldete sich als Augenzeuge des Wirbels. Er sagt, er könne bestätigen, dass es sich tatsächlich um einen Tornado gehandelt haben muss.

Tornado über Hamm: Vorfall dauert 15 bis 20 Sekunden

Lefarth arbeitet in der LWL-Universitätsklinik Hamm in der Heithofer Allee. „Direkt gegenüber unserem Hauptgebäude ist ein langes Feld, welches gerade brach liegt“, schildert er den Ort seiner Beobachtung am Freitagmittag. Der Vorfall habe vielleicht 15 bis 20 Sekunden gedauert, der „Wirbelsturm fegte von links nach rechts über das Feld und löste sich dann auf“, erzählt Lefarth von dem Naturschauspiel über Werries.

Offenbar, das hatte schon Christian Anders berichtet, hatte sich nur Minuten nach dem Wirbel über Vellinghausen bereits ein weiterer in Richtung Kraftwerk Westfalen gebildet. Oder – das lasse sich nicht genau sagen – der Wolkenrüssel sei weitergewandert und nur zwischenzeitlich nicht mehr sichtbar gewesen.

Tornado über Hamm: Klinik-Besuchern fährt der Schreck in die Glieder

Es sei ein ganz schönes Spektakel gewesen, das sich am Himmel vor ihnen abgespielt habe, erzählt Niklas Lefarth von der Situation, die auch Besucher der Klinik erlebt hätten. Drei Besuchern sei der Schreck in die Glieder gefahren. Sie seien schnell in den Eingangsbereich des Hauses gelaufen, um sich dort in Sicherheit zu bringen.

Ganz sicher aber könnten Lefarth und die weiteren Augenzeugen bestätigen, dass es sich um einen Wirbel mit Bodenkontakt handelte, also einen Tornado. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte einen Tornado über Hamm beziehungsweise Welver zuvor nicht mit Gewissheit bestätigen können, weil eben jener Beweis eines Bodenkontakts gefehlt hatte.

Tornado über Hamm: Weiteres Phänomen beobachtet

Mindestens genauso große Schäden wie die lokale Windhose am vergangenen Freitag hinterließen in den Tagen zuvor die drei aufeinander gefolgten Sturmtiefs Ylenia, Zeynep und Antonia. Am Montag, 14. Februar, blies derweil durch Hamm ein im Vergleich dazu zurückhaltendes Lüftchen. Thorsten Chmielewski nahm am Abend jenes Tages zwar ebenfalls eindrucksvolle Fotos auf. Mit einem Tornado allerdings hatte das darauf festgehaltene Phänomen nichts zu tun.

Kondensstreifen Hamm kein Tornado
Eindrucksvoll ist auch dieses Himmelsgebilde. Doch die Aufnahme von Thorsten Chmielewski vom 14. Februar zeigt keinen Tornado, sondern einen Kondensstreifen am Himmel. © Thorsten Chmielewski

„Hier sind Kondensstreifen zu sehen, die vom Mond angestrahlt wurden“, klärt Andreas Friedrich, der Tornadobeauftragte in der Pressestelle des Deutschen Wetterdienstes (DWD), auf. „Der Himmel ist sonst klar. Das sind zu einhundert Prozent durch ein Flugzeug verursachte Kondensstreifen.“

Thorsten Chmielewski hatte das Gebilde am Himmel beim allabendlichen Spaziergang mit Sohn und Hund entlang der Ostwennemarstraße gesehen. Es habe schon spektakulär ausgesehen – und auch ein bisschen bedrohlich am dunklen Abendhimmel. „Ich war schon froh, dass es nicht in meine Richtung zog“, sagt der 45-Jährige. Das Gebilde habe sich nach einigen Minuten aufgelöst.

Tornado über Hamm: Was ist eigentlich ein Tornado?

Neben dem fast wolkenfreien Himmel ist ein weiteres Indiz dafür, dass es sich auf dem Foto, das Thorsten Chmielewski am 14. Februar aufgenommen hat, nicht um einen Tornado handelt, die Form des Gebildes am Himmel. Auf dem Wetterkanal von Kachelmannwetter heißt es: „Unter einem Tornado versteht man einen kleinräumigen Wirbel mit mehr oder weniger senkrechter Achse, der von einer konvektiven Wolke bis zum Boden reicht.“ Eine konvektive Wolke sei eine nach oben wachsende Wolke: eine Quellwolke, die zu einem ausgewachsenen Gewitterturm werden könne.

Drei Stürme binnen weniger Tage: So fiel die Sturmbilanz aus zu Sturmtief Ylenia, zu Orkan Zeynep und zu Sturmtief Antonia.

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