Zahn(arzt)loses Uentroper Dorf: Magdalena Niewiadomski geht im Oktober in den Ruhestand

Rollladen runter: Ab Oktober wird die Zahnarztpraxis von Magdalena Niewiadomski geschlossen bleiben. Sie geht in den Ruhestand.
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Rollladen runter: Ab Oktober wird die Zahnarztpraxis von Magdalena Niewiadomski geschlossen bleiben. Sie geht in den Ruhestand.

20 Jahre lang war Magdalena Niewiadomski die erste und zweifelsfrei wichtigste Ansprechpartnerin im Uentroper Dorf, wenn die Zähne schmerzten, das Zahnfleisch blutete oder Kronen und Brücken erforderlich wurden: Ab dem 1.Oktober wird das aber anders sein.

Uentrop – Denn dann verabschiedet sich die beliebte Zahnärztin und schließt ihre Praxis. „Ich gehe in den Ruhestand“, erklärt Niewiadomski. Wie sie im Gespräch mit unserer Zeitung betont, sei der Ruhestand dabei der einzige Grund, warum sie sich künftig mehr ihrem Privatleben widmen wird, statt zu Bohrer, Mundspüler und Hand-Spiegel zu greifen. Ihre Praxis an der Mühlenstraße betreibt Niewiadomski seit inzwischen 20 Jahren.

Wie die Patienten auf die Praxisschließung reagieren? „Sie sind traurig“, so die Zahnärztin gegenüber dem WA. Klar ist aber auch, dass sich diese künftig einen neuen Zahnarzt an einem anderen Ort suchen müssen. Denn wie Magdalena Niewiadomski sagt, gebe es keinen Nachfolger für ihre Praxis im Uentroper Dorf.

Der letzte Mediziner schließt seine Türen

Mit der Zahnärztin verabschiedet sich nun der letzte Arzt aus dem Dorf. Zur Erinnerung: Ende März dieses Jahres schloss auch Allgemeinmedizinerin Dr. Brigitte Pipprich ihre Praxis, sodass es vor Ort seither keine hausärztliche Betreuung mehr gibt. Etliche Dorfbewohner entschieden sich danach dafür, sich nicht im Bezirk Uentrop einen neuen Hausarzt zu suchen, sondern in Dolberg, was von der Entfernung her ähnlich weit entfernt liegt wie das Zentrum von Werries.

Bezirksvorsteher Björn Pförtzsch beobachtet die Entwicklung im Uentroper Dorf (siehe unten bei "Die Entwicklung") natürlich genau. Insgesamt sei es so, dass, je weniger Infrastruktur an einem Ort vorhanden sei, desto schwieriger seien die Möglichkeiten, neue Geschäfte und ähnliches anzulocken, erklärt Pförtzsch. Was die ärztliche Versorgung angeht, gebe es aber ein grundsätzliches Problem, das nicht nur das Uentroper Dorf betreffe und „nicht hausgemacht“ sei.

Wenig ausgebildeter Nachwuchs

„Es ist so, dass nicht viele Ärzte auf dem Markt sind“, erklärt Pförtzsch ganz allgemein. Deshalb sei es auch für die Politik schwierig, diese Situation zu beeinflussen. Jahrelang habe man beispielsweise versucht, für die Praxis der Allgemeinmedizinerin Dr. Brigitte Pipprich einen Nachfolger zu finden – trotz großer Bemühungen letztlich ohne Erfolg. Das Problem seien Versäumnissen in den vergangenen Jahren hinsichtlich der Ausbildung neuer Ärzte und der strengen Zugangsbeschränkungen, zitiert Pförtzsch mit dem Sprecher des Hammer Ärztevereins, Dr. Matthias Bohle, einen Experten auf dem Gebiet.

Eine mit dem Mangel an Ärzten verbundene Schwierigkeit: In der Stadtmitte könne die Praxisschließung eines Arztes angesichts der Alternativen vor Ort aufgefangen werden, so Pförtzsch. „Im Dorf geht das aber nicht, wenn es nur einen einzigen Arzt gibt.“ Dazu kommt: Weil im Uentroper Dorf besonders viele ältere Menschen leben und diese oftmals nicht mehr mobil sind, wird für sie die Suche nach einem neuen Arzt zu einer nur schwer lösbaren Aufgabe.

Noch anderthalb Monate wird die Praxis noch geöffnet sein: Dann hat das Uentroper auch keinen Zahnarzt mehr.

Dass mit der Zahnärztin Magdalena Niewiadomski Anfang Oktober nun auch die letzte Praxis im Dorf schließt, stimmt den Bezirksvorsteher daher nachdenklich. „Es ist sehr traurig, weil die Versorgung nun wieder weniger wird“, sagt Pförtzsch, ohne der Ärztin aber Vorwürfe zu machen, schließlich geht sie in den wohlverdienten Ruhestand. Die Patienten sind genauso traurig über die Praxisschließung der beliebten Zahnärztin. In anderthalb Monate wird Niewiadomski nicht mehr vor Ort sein und zu Bohrer und Co. greifen.

Die Entwicklung

Kurz, nachdem Ende März dieses Jahres die letzte Hausarztpraxis im Uentroper Dorf schloss, machte die Apotheke zu. Fast zeitgleich gingen bei „Westerhoff“, einem Laden für Dinge des täglichen Bedarfs mit Fahrradwerkstatt, zum letzten Mal die Rolläden herunter.

Seit dem 1.August ist das Selbstbedienungszentrum der Volksbank mit Geldautomat und Serviceterminal dicht, wenngleich die Volksbank den Standort nicht schließen wollte und es an der Nichtverlängerung des Mietvertrages durch den Eigentümer scheiterte. Es gibt immer weniger Infrastruktur im Dorf.

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