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Stadt sucht Flächen: Neue Blühwiesen gegen das Insektensterben in Uentrop?

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So eine Farbenpracht entfaltet eine Blühwiese. Sie ist nicht nur bunt, sondern für Insekten überlebenswichtig.  

Uentrop – Wenn die Uentroper Sozialdemokraten Blumen sprechen lassen wollen, greifen sie weniger einen Werbeslogan der Floristikbranche auf, sondern fordern  vielmehr ein brauchbares Mittel gegen das Insektensterben – und sie wollen ganz nebenbei optische Akzente setzen und die Kosten für die Pflege öffentlicher Grünflächen senken.

Gelingen soll das mit besonders angelegten, ökologisch wertvollen Blühflächen. Die sollen nicht mehr wie bisher Einzelmaßnahmen sein, sondern überall in der Stadt entstehen.

Die Stadtverwaltung begrüßt die Anregung, die von Bewohnern aus der Mark kommt, und ruft dazu auf, öffentliche Flächen zu benennen. Die SPD schlägt schon mal drei Bereiche in Uentrop vor. „Irgendwo muss man ja mal anfangen“, sagt Sascha Frerker, Vorsitzender der SPD-Bezirksfraktion.

Was da auf dem Grün am Karl-Mecklenbrauck-Weg/ Ecke Knäppers Grund wächst und zeitweise blüht, weiß Frank Figgen zu schätzen; das Vorstandsmitglied der Uentroper SPD und gleichzeitig Anwohner hält aber das Setzen von Blumenzwiebeln für unpassend. „Uns geht es um Blühwiesen“, sagt er. Die könnten nach Ansicht der SPD etwa auch an der Ostwennemarstraße/ Ecke Grenzweg auf der Fläche nordöstlich des Bahnübergangs und an der Ostwennemarstraße im Bereich von der Marker Dorfstraße bis zur Soester Straße entstehen.

"Dem Teufelskreis entrinnen"

Angesichts des Insektensterbens sollen Flächen dieser Art als „Bienenweiden“ ein Nahrungsangebot liefern. „Überall werden das Bienensterben und damit die einhergehende Verarmung der Fauna und Flora bemängelt. Mit dem Einsähen einer Bienenweide würden wir alle gemeinsam diesem Teufelskreis vielleicht ein Stückchen weit entrinnen können“, heißt es dazu in einem Vorschlag von Figgen und weiteren Einwohnern der Mark an die Stadtverwaltung. Die Kosten für eine solche Blühwiese seien zwar höher als die für Grassamen, aber sicherlich geringer als die für Blumenzwiebeln.

Blühflächen sind nicht neu, auch in der Stadt. Vor rund neun Jahren startete der Verein Landliäben in Berge angesichts des Blüten- und Nahrungsnotstands im Insektenreich seine Aktion Blütenvielfalt und legte Blühstreifen und -flächen an. Wenige Jahre später hatte auch der Aktionskreis Bockum-Hövel Plus eine Fläche. Die Sozialdemokraten wollen aber weg von lokal begrenzten Maßnahmen und „mittelfristig für das ganze Stadtgebiet“ Flächen als Bienenweiden, wie SPD-Bezirksvertreter Wilfried Hovermann sagt.

Genossen sehen Kassel als Vorbild

Die SPD verweist dabei auf Kassel. In der nordhessischen Großstadt erntete das Umwelt- und Gartenamt mit seinen 2012 angelegten Blühflächen viel Lob. Die Mitarbeiter gingen dabei insofern einen neuen Weg, indem sie neben bekannten Flächen auch Randbereiche in den Fokus nahmen. Sie experimentierten mit Blumenmischungen – mit sichtlichem Erfolg, an dem sich der Betrachter erfreut, und zugunsten der Insektenvielfalt. Pflegekosten ließen sich zwar allenfalls standortabhängig senken, die Blühwiesen erbrachten aber auf jeden Fall eine Entlastung der Arbeitsspitzen in den Monaten zwischen Mai und Oktober.

Wenn es um Blühwiesen geht, ist aber nicht nur das städtische Grünflächenamt gefragt. „Es wäre schön, wenn sich Nachahmer fänden“, sagt Figgen mit Verweis auf Privatpersonen und Vereine, die sich nach Rücksprache öffentlicher Flächen als Bienenweiden annehmen könnten.

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