Bis zu rund 70 Wohneinheiten möglich

Potenzielle Häuslebauer in Not: Neues Baugebiet am Kanal könnte sie lindern

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Bis zu 70 Wohneinheiten sollen am Rand der Bebauung entstehen - dort, wo vor Monaten noch  Kleingärten waren, und auf einem Teil des Feldes.

Hamm-Osten – Wie ist die große Nachfrage nach Wohnungen und Häusern in der Stadt und insbesondere im Hammer Osten zu befriedigen? Eine von mehreren Antworten soll das Baugebiet Lippestraße / Im Fuchswinkel liefern. Zwischen Lippestraße und Datteln-Hamm-Kanal könnten mittelfristig bis zu knapp 70 Wohneinheiten entstehen.

Wie das aussehen könnte, stellten Vertreter der Stadtverwaltung und weitere Fachleute im Juli bei einer Bürgerversammlung vor. Unter den rund 40 Teilnehmern waren unter anderem Anwohner der Lippestraße. Ihre überwiegend sachlich geübte Kritik bezog sich vor allem auf die Entwässerung, Erschließung und den Naturschutz. 

Als Bauträger und Investor waren zudem Vertreter der Beta-Eigenheim- und Grundstückverwertungsgesellschaft gekommen, die einen Übersichtsplan mitbrachten, der die Möglichkeiten der Bebauung zunächst beispielhaft darstellte. Demnach wird das Baugebiet von der Lippestraße etwa kurz vor dem Ortseingangsschild erschlossen. Im Vergleich zur ersten Planung wird es im nördlichen Bereich um 23 auf 63 Meter in Richtung Feld erweitert. Dafür wird ein Streifen entlang des Kanals als Bauland herausgenommen, weil er in Zukunft bei einem möglichen Neubau der Schleuse Werries relevant werden könnte. 

Die Verbreiterung des nördlichen Teils erlaubt eine bessere Erschließung des Baugebiets mit geradem und beidseits von Häusern gesäumten Straßenverlauf und einem Straßenring im Innenbereich. „Insofern ist der Flächentausch positiv“, sagte Olaf Dersen vom Stadtplanungsamt.

So oder so ähnlich könnte das Baugebiet bebaut werden.

Laut Entwurf für den Bebauungsplan sollen an der Zufahrt zwei zweigeschossige Wohnhäuser mit Satteldach entstehen, die sich an die Größe der vorhandenen Straßenrandbebauung anpassen. Bis zu fünf Wohneinheiten wären jeweils möglich. Im Innenbereich des Baugebiets ist eine Mischung vorgesehen aus eineinhalbgeschossigen Einfamilien- und vor allem Doppelhäusern, wie auch eine kleine Reihenhausgruppe. Am südöstlichen Ende der Fläche sind zwei dreigeschossige Häuser plus Staffelgeschoss geplant. Einige Doppelhäuser sollen Flach- oder Pultdächer erhalten. Das von der Groko im Stadtrat geforderte Verbot der Steingärten in Neubaugebieten soll im Sinne des Naturschutzes im Bebauungsplan aufgenommen werden.

Knackpunkt Entwässerung und Erschließung

Kritik am eigentlichen Bauvorhaben kam aus den Reihen der Teilnehmer der Versammlung nicht, aber Zweifel, ob sich die Pläne so umsetzen lassen beziehungsweise ob sie sinnvoll und zu Ende gedacht sind. Ein Knackpunkt ist für sie die Entwässerung. Demnach soll das Oberflächenwasser direkt in die Lippe und nur das Schmutzwasser in den vorhandenen Mischwasserkanal eingeleitet werden. 

Anwohner witterten, dass nur deshalb der Kanal erneuert werden solle, so dass sie neben der geplanten Sanierung der Lippestraße auch noch für diese Maßnahme zahlen müssen. Dafür werden sie aber nicht zur Kasse gebeten. Zur Erinnerung: Von der Lippestraße ist der Protest der Gelbwesten gegen die umstrittenen Straßenbaubeiträge ausgegangen. Derzeit sei der Kanal, in den auch das Schloss Oberwerries per Druckleitung entwässert, bei Starkregenereignisse überfordert. Anwohner berichteten über Wasser im Keller. Laut einem Vertreter des Lippeverbandes sei der neue Kanal aber ausreichend.

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Für Kritik sorgte die Erschließung von der Lippestraße aus. Die Einmündung liegt knapp vor dem Ortseingangsschild, wo Tempo 70 gilt. Auch eine Querungshilfe bringe keine Entschärfung der Situation, hieß es. Dersen griff die Kritik auf. Mit dem für die Landesstraße zuständigen Landesbetrieb solle daher über eine Geschwindigkeitsreduzierung vor dem Ortseingangschild gesprochen werden.

Umweltgutachten?

Auf Unverständnis stieß bei einigen Teilnehmern, dass im weiteren Planungsverlauf und im Rahmen des beschleunigten Verfahrens (siehe Erklärung unten) kein Umweltgutachten erforderlich wird. Ganz ohne wird es aber auch nicht gehen. Im weiteren Verlauf der Planung müssen noch die Verträglichkeit für das FFH-Gebiet (Flora- Fauna-Habitat) der Lippe geprüft und ein Artenschutzgutachten erstellt werden.

Dabei soll auch den Hinweisen aus der Nachbarschaft auf Eulen und Fledermäuse nachgegangen werden. Gegebenenfalls könnten Ersatzhabitate für die Tiere eingerichtet werden, hieß es. Ein Schutz betreffe allerdings nur planungsrechtliche Arten mit Gefährdungspotenzial und deren Population rückläufig sei.

Kritik an Reihenfolge der Bauarbeiten

Auf Kritik stieß insbesondere bei den Vertretern der Gelbwesten, dass zunächst die Lippestraße saniert werden soll und danach zum Zwecke des Anschlusses des Baugebiets wieder ein Teil der Straße aufgerissen werden müsse. „Die Reihenfolge ist aber so“, meinte Dersen mit Verweis darauf, dass die Sanierung der Lippestraße aus Fördergeldern des Bundes (KP III-Mittel) finanziert werde und vorher umgesetzt sein müsse. 

Dass der Baustellenverkehr die neue Straße arg überbelaste, hielt er angesichts des Verkehrs von rund 8.000 Kfz am Tag, davon elf Prozent Lkw, für ausgeschlossen. Die Anwohner halten indes die Zahlen zum Lkw-Anteil für zu gering und daher falsch. 

Wie geht es weiter?

Unter anderem werden die Anmerkungen aus der Bürgerversammlung jetzt von der Verwaltung geprüft und gegebenenfalls in den B-Plan eingearbeitet. Im weiteren Verlauf haben Bürger noch einmal während der öffentlichen Auslegung des Plans die Möglichkeit, Anmerkungen und Einwendungen vorzunehmen. „Bis der B-Plan fertig ist“, sagte Bezirksvorsteher Björn Pförtzsch, „wird es noch eineinhalb bis zwei Jahre dauern, wenn es keine Probleme gibt.“

Beschleunigtes Verfahren

Das Baugebiet Lippestraße / Im Fuchswinkel ist etwa 19.250 m² groß und weist laut der Beta Eigenheim- und Grundstücksverwertungsgesellschaft rund 16.300 m² Grundstücksfläche auf – also ohne Straße und öffentliche Grünflächen.

Angesichts der Wohnungsengpässe und um möglichst schnell neues Bauland erschließen zu können, kam es zu einer Gesetzesänderung. Durch den Paragrafen 13b des Baugesetzbuches kann bis Ende 2019 per beschleunigtes Verfahren auf einen hohen Wohnungsdruck reagiert werden. Bedingung ist, dass die Grundfläche im Außenbereich kleiner als 10.000 m² ist und an bebaute Ortsteile anschließt, damit es zu keinem Flächenfraß kommt. 

Laut Beta wird der maximale Grundfläche aller Häuser und Garagen im Baugebiet sogar unterschritten und liege bei nur etwa 7.000 m². „Das hängt natürlich stark von der Art der dann später realisierten Gebäude ab, aber viel mehr kann es eigentlich wegen der Bauvorschriften nicht werden“, sagt Matthias Steinhaus, geschäftsführender Gesellschafter der Beta im Nachgang zur Bürgerversammlung.

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