Mit dem Jauchefass unterwegs

Gegen das Verdursten: Sondereinsatz zur Rettung junger Ulmen

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Ehrenamtliche Überlebenshilfe: Hartmut Aulmann (links) und Alex Klassen kümmern sich in diesen trockenen Zeiten um die im Frühjahr neu angepflanzten Ulmen an der Zinzendorfstraße.

Braam-Ostwennemar – Landwirtschaftliche Profi-Geräte sehen anders aus, doch der Bollerwagen samt kleinem Jauchefass aus verzinktem Blech gehören zur perfekten Ausstattung für den Sondereinsatz auf der Zinzendorfstraße. Die Maßnahme gegen anhaltende Trockenheit soll Schule machen. 

Zu dem Sondereinsatz haben sich Hartmut Aulmann und Alex Klassen selbst eingeteilt. „Bei den hohen Temperaturen hingen die Blätter so traurig und schlapp, da hab’ ich mir gedacht, wir müssen handeln“, sagt Aulmann. Handeln, das heißt, die erst im April an der Zinzendorfstraße gepflanzten 20 jungen Ulmen zu bewässern, damit sie in den abermals trockenen Monaten nicht eingehen. 

Das gilt übrigens auch für die vielen anderen Junggewächse in der Stadt. „Wir wollen mit der Aktion darauf aufmerksam machen, dass sich auch andere Anwohner mal etwas kümmern“, sagt er, „dass alle Bürger mal mitdenken.“ Wenn es also nach den beiden Nachbarn aus Braam-Ostwennemar geht, soll ihr Einsatz Schule machen, sollen die Hammer vor ihrer Tür ein Auge auch auf das Grün im öffentlichen Raum haben, Engagement für ihre Stadt zeigen und da, wo die Stadtverwaltung mit der Bewässerung nicht oder kaum nachkommt, aushelfen.

Aus einem alten Güllefass fließt das rettende Nass für die Ulmen.

Die Ulmen an der Zinzendorfstraße sind eine Nachpflanzung für die Eschen, die einst entlang der 250 Meter langen Straße ortsbildprägend waren, aber infolge des Eschentriebsterbens gefällt werden mussten. Das geschah im Februar 2017 mit dem Versprechen, das nachgepflanzt wird. Das ließ lange auf sich warten. Erst im April dieses Jahres kamen die Ulmen. „Ich hatte mich seinerzeit dafür eingesetzt, dass nachgepflanzt wird“, sagt Aulmann. Dafür sei er mehrfach im Bürgeramt vorstellig geworden. Jetzt, nachdem die Ulmen da sind, „taten sie mir leid“. 

Fass aus dem Schuppen gekramt

Auch wenn immer wieder mal jemand mit dem Tankfahrzeug zum Gießen komme, habe er den Eindruck, dass das angesichts der zeitweiligen Hitze und anhaltenden Trockenheit nicht reiche. „Ich wollte daher selbst was in die Wege leiten und sprach meinen Nachbarn an.“ 

Beiden wohnen im Rosenwinkel, in der Nachbarstraße. Doch, wie das Wasser zu den Ulmen bekommen? Aulmann erinnerte sich an das Jauchefass, das einst bei seinen Eltern zum Einsatz kam und das er aus dem Schuppen „kramte“. Auf den Bollerwagen gelegt, war es mobil. Mit einem 50 Meter Schlauch von Alex Klassen bekamen sie das Wasser vom Rosenwinkel bis zur Straße. 

"Wir bleiben am Ball"

Reaktionen auf ihren mittlerweile mehrfachen Einsatz ließen nicht lange auf sich warten. „Uns haben einige beobachtet und belächelt“, sagt Aulmann. Aber es gibt auch Anerkennung. Eine Nachbarin habe den beiden ein Bierchen mitgebracht. Das motiviert. „Wir bleiben am Ball“, sagt er. Und immer, wenn sie den Eindruck haben, die Bäume brauchen wieder etwas Wasser, wollen sie mit den Bollerwagen ausrücken.

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