"Schulte-Geithe" bleibt diesmal dicht

Geithe-Anlieger erheben in Brandbrief schwere Vorwürfe gegen Maigänger

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Rückblick: 1. Mai 2016 in der Geithe.

[Update 16.45 Uhr] Geithe - Nach Jahren der Kritik und der Konsequenzen spitzt sich die 1.-Mai-Problematik in der Geithe weiter zu. Die Gaststätte Schulte-Geithe wird sich diesmal dem Feiervolk entziehen und die Türen geschlossen halten. Beim WA ging ein drastisch formulierter Brief ein. Meilen-Wirt Karsten Plass kann den Frust verstehen.

Der WA.de vorliegende Brandbrief des "Geithe-Teams" - das sind Mitarbeiter der Gaststätte und einige Anwohner - stellt die Ablehnung gegenüber dem "Sodom und Gomorrha" der oft blutjungen Maigänger heraus und gibt ungewöhnlich heftige Einblicke in eine "persönliche Top-Ten-Liste" der Abscheu preis.

So heißt es zum Beispiel: "Auch wer sich einen über den Durst getrunken und die Überschrift daher doppelt gesehen hat, hätte sich spätestens mit herunter gelassener Hose vor dem Küchenpersonal fragen können, ob er wirklich richtig ist."

Den kompletten Brief mit dem Titel "Nein Danke, dieses Jahr nicht!" lesen Sie weiter unten in diesem Artikel.

Anfang April war bekannt geworden, dass in der Geithe am 1. Mai 2018 wieder strenge Verhaltensregeln gelten. Dazu zählen ein generelles Grillverbot, das Verbot zu großer Bollerwagen und die Verkleinerung des Party-Areals. Lesen Sie hier unseren Artikel dazu.

Maiwanderung in der Geithe 2017

Karsten Plass äußert Verständnis für den Frust der Anwohner. Der Meilen-Wirt (Pirates, King's Pub) zieht seit mehr als zehn Jahren jährlich mit einer bis zu 100 Leute starken Fetentruppe und einem entsprechend großen Gefährt in die Geithe. "Wir sind zwar eher die, die Krach machen - doch ich zähle uns zu einer der Gruppen, die sich benehmen können und die ihren Müll wieder mitnehmen", sagt Plass.

Der 48-Jährige kann bestätigen, dass das Alkohol- und Müllproblem über die Jahre deutlich zugenommen hat: "Die liegen rechts und links vom Gehweg, total voll." Es seien tatsächlich auffällig viele sehr junge Leute. "Die können einfach noch nicht mit Alkohol umgehen", meint Plass. "Irgendwann liegt dann der erste tot in der Ecke - und dann ist das Geschrei groß!"

Karsten Plass (vorn, mit Kappe) mit seiner Truppe in der Geithe.

Ob seine Truppe auch am Dienstag wieder im Hammer Osten aufschlägt, ist noch offen. Das hängt von der Teilnehmerzahl ab und ob der "Bollerwagen" nicht doch zu groß sein wird für die Geithe-Regeln. Ob der Lippepark eine Alternative wäre? "Ja, warum eigentlich nicht...?"

Der Brandbrief vom 24. April 2018 im Wortlaut:

"Nein Danke, dieses Jahr nicht! Am Dienstag, den 01.05., ist es wieder einmal so weit und der Tag der Arbeit wird mit einer Vielzahl von Maiwanderungen gewürdigt. Vor allem in der Geithe tummelt sich überwiegend das junge Volk. Mit designten Bollerwagen, randvoll gefüllt mit alkoholischen Getränken geht es los. Was den einen recht spaßig und lustig vorkommen mag, bedeutet für die anderen nahezu das reinste Sodom und Gomorrha.

Wir, das Geithe-Team, haben über die Jahre schon so einiges miterlebt. Hier ein kleiner Einblick in unsere persönliche Top-Ten-Liste.

Von kleineren alkoholbedingten Unfällen mit Gesichtern voller Glasscherben bis zu großen Prügeleien, hatten wir alles dabei. Der Krankenwagen kommt so oft, dass ein Ohrwurm von der Sirene nicht ausbleibt. Letztes Jahr fanden es manche richtig heldenhaft, sich einfach mal davor auf die Straße zu legen und dem Krankenwagen den Weg zu versperren anstatt eine Gasse zu bilden. Den Leuten kam wohl nicht in den Sinn, dass solch ein Verhalten irgendwie überhaupt nichts mit Heldentum zu tun hat und keinen Beifall verdient.

Weiter gab es einige Orientierungsschwierigkeiten. So manches Mal wurde die Küche mit der Toilette verwechselt, obwohl unsere Sanitäranlagen überdeutlich mit der Überschrift „Toilette“ überschrieben sind. Auch wer sich einen über den Durst getrunken und die Überschrift daher doppelt gesehen hat, hätte sich spätestens mit heruntergelassener  Hose vor dem Küchenpersonal fragen können, ob er wirklich richtig ist.

Was zu viel ist, ist zu viel, nach diesem Motto wird sich, milde formuliert, an der ein oder anderen Ecke übergeben, Meister wird, wer es noch schafft in den Mülleimer zu treffen.

Das schlimmste an Allem ist, dass es sich dabei vorwiegend um wirklich junge Menschen handelt und damit meinen wir nicht das Alter von siebzehn oder sechzehn, sondern das darunter, die sich mit ihrem selbst mitgebrachten Alkohol bis zur Besinnungslosigkeit betrinken.

Während es für diejenigen irgendwann am Ende des Tages nach Hause geht, um den Rausch auszuschlafen, bleiben die netten Hinterlassenschaften von Glasflaschen, Erbrochenem und Notdürfte in der Geithe.

Da sich ein solches Verhalten die Jahre über immer mehr zugespitzt hat, sagen wir dieses Jahr 'NEIN DANKE, dieses Jahr nicht!'"

 

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