Schützen wollen nicht noch einmal ohne König sein

Regieren in Norddinker kann so leicht sein - steht in der Königsfibel

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Das soll nicht wieder passieren: Nachdem kein Schütze die Reste des Königsadlers aus dem Kugelfang holen wollte, half Vorsitzender Heiner Elbers nach und beendete das jüngste Schützenfest königlos.

Norddinker - Nach einem königlosen Jahr macht der Schützenverein im Osten der Stadt Lust auf den Titel des Regenten. Es kann so leicht sein, König in Norddinker zu sein. So steht es in der Königsfibel.

„Hinfallen, aufstehen, Adler richten und auf ein Neues!“ Selbstbewusster und kompakter hätte der Vorstand des Schützenvereins Norddinker, Vöckinghausen und Frielinghausen Vergangenheit und Aufbruch nicht beschreiben können. Bereits vergangenes Jahr reagierten die Schützen souverän, als beim Schützenfest in Norddinker kein Mitglied neuer König werden wollte – eine Premiere in der Stadt, auf die der Verein gern verzichtet hätte. Der Vorstand hat das königlose Jahr genutzt. Gähnende Leere unter der Vogelstange soll es nicht mehr geben. „Wir wollen nicht, dass der Vogel noch einmal oben bleibt“, sagt der 1. Vorsitzende Heiner Elbers. 

Warum ist es in Norddinker überhaupt so gekommen? Das kann sich der Vorstand eigentlich nur mit der Unwissenheit der Mitglieder erklären, denn Königsein in Norddinker könne so einfach sein, meint die Vereinsspitze, nämlich so wie es der Regent möchte. 

Königsfibel gibt Antworten

Offenbar ist das vielen Schützen bisher nicht bekannt gewesen. Oder immer noch nicht bekannt? Die Erfahrung hat der Vorstand gemacht. Mit der „Königsfibel“ gibt er Antworten auf mögliche Fragen potenzieller Titelanwärter, ihrer Partnerinnen und ihrer Angehörigen. 

Die Königsfibel, ein achtseitiges Heftchen, nennt Schützenchef Elbers einmalig in der Gegend. „Ich habe noch von keinem anderen Verein gehört, der so etwas gemacht hat.“ Sie gibt die Antwort auf die Kardinalfrage: Was muss, was kann ich als Schützenkönig machen?

Da ist sie: die Königsfibel.

Es kann so leicht sein, Regent in Norddinker zu sein oder „Alles kann, nichts muss“, wie es in der Fibel heißt. König – bei gleichgeschlechtlichen Paaren – oder Königin an der Seite? Ganz nach Belieben! Der Regent darf auch allein bleiben. Er darf auf den Hofstaat verzichten. Wo er von seinen Schützen zum Fest abgeholt wird, ob zu Hause oder am Schützenplatz, ist seine Sache. Opulentes oder, wie Vorsitzender Elbers sagt, „wahnsinnig teures“ Königinnenkleid? Freigestellt! 

Die Angst eines Regenten vor großen Ausgaben scheint unbegründet. Der Schützenverein unterstützt ihn mit einer Königsprämie von 1 200 Euro. „Wenn er nicht über die Stränge schlägt, kommt er damit fast aus“, versichert der Vorsitzende. Das reicht auf jeden Fall fürs Freibier, wobei der Verein die Getränke anliefern lässt. „Was der König beim Kränzen macht, bleibt ihm überlassen“, sagt Elbers über ein an sich beliebte Tradition unter den Schützen.

Zu Stillschweigen verpflichtet

In der Fibel ist das Schützenfest detailliert mit allen Uhrzeiten aufgeführt, mitsamt allen Spielräumen für den Regenten. Auch für Besuche bei Nachbarvereinen zusammen mit dem Vorstand gilt für ihn: „sofern zeitlich möglich“. 

Und überhaupt: Die Schützen sagen ihrem König viel Unterstützung zu, von Beginn an. „Wenn jemand vorhat, König zu werden, kann er erst einmal im Vertrauen zu uns kommen“, sagt Elbers. Ansprechpartner aus dem Vorstand stehen in der Fibel. Diese Vertrauenpersonen haben sich zu Stillschweigen verpflichtet. Alles in allem fragt sich Elbers: „Ich weiß nicht, was wir sonst noch machen sollen?“

Diskussion über Frauen im Verein

Diese Frage stand auch am Anfang der Idee von der Königsfibel, die langsam reifte. Es gab keine Denkverbote. Das heißt, auch die Mitgliedschaft von Frauen kam in die Diskussion. Immerhin sind schondie Mädchen stark beim Kinderschützenfest engagiert, wie die amtierende Jungkönigin Naemi Karzelek in der vergangenen Saison bewies. Rund die Hälfe der 45 Mitglieder des Kinderschützenvereins sind weiblich. Doch derzeit endet ihre aktive Schützenlaufbahn mit etwa 13/14 Jahren. Bis sie Mitglied im Hauptverein werden könnten, müsste es eine Gruppe für Jungschützinnen geben – eine weitere Baustelle, die sicherlich auch länger dauern könnte? 

Und da wäre noch die Diskussion über die Mitgliedschaft von Frauen im Verein. Die Königsfibel ließ sich da schneller entwickeln, auch wenn es da heißt: „Wir haben lange dran gesessen.“ Immer wieder feilten die Vorstandsmitglieder an den Entwürfen, holten sich Rat – auch bei ihren Frauen.

750 Königsfibeln gedruckt

Herausgekommen sind 750 gedruckte Exemplare der Königsfibel. Zur Jahreshauptversammlung wurden sie erstmalig verteilt, weitere im Ort zu den Mitgliedern nach Hause gebracht oder für die Auswärtigen per Post verschickt. Bei 315 Mitgliedern sind noch eine Menge übrig, um immer wieder daran zu erinnern, wie leicht es sein kann, König in Norddinker zu sein. So werden sie bereits beim Frühlingsauftakt am 7. März ab 19 Uhr im Schützenheim ausgelegt.

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