Deutsche Telekom plant Leitungsausbau in Uentrop

Schneckentempo lässt verzweifeln, aber schnelles Internet fürs Dorf naht

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Uentrop ist in Schieflage geraten: Das zeigt das Ortseingangsschild, das wiederum symbolisch für den fortschreitenden Abbau der Infrastruktur im Uentroper Dorf steht. Langsam, aber sicher, mit Tempo 30, geht es aber wieder voran. Der äußerste Osten der Stadt hat Vorfahrt und bekommt laut Deutscher Telekom im Sommer schnelles Internet. Das digitale Zeitalter kann dann auch hier im Großen und Ganzen beginnen.

Uentrop - Was ist schnelles Internet? Wer jemanden aus dem Uentroper Dorf fragt, könnte hören: „Alles jenseits dessen, was im Ort zu bekommen ist.“ Der Frust ist bei manchem Nutzer groß. Doch daran soll sich im Sommer etwas ändern. Die Deutsche Telekom will im „Nahbereich“ ausbauen.

Es war ein Techniker der Deutschen Telekom, der in diesen Tagen im Uentroper Dorf mit einem an einer mangelhaften Internetverbindung geradezu verzweifelnden Kunden plauderte und für den Sommer schnelles Internet in Aussicht stellte. Eine Nachfrage von wa.de an höherer Stelle bringt Gewissheit. 

Wer schon den Test auf der Internetseite des Unternehmens ausführt, bekommt für die höheren Daten-Geschwindigkeiten ab 16 bis sogar 250 MBit pro Sekunde den Hinweis: „Demnächst verfügbar“. Das weckt Hoffnung. Und tatsächlich, die Telekom plant den Ausbau im Uentroper Dorf. „Es gibt ein paar Lücken in der Technik. Die werden geschlossen“, sagt George-Stephen McKinney, Sprecher der Deutschen Telekom. Das solle im Sommer erfolgen.

"Letzte Meile" als Kupferkabel

Es geht um die Glasfaser. Allerdings beabsichtigt das Unternehmen nicht, die Lichtwellenleiter bis in die Häuser zu verlegen – Fibre to the Building (FttB) genannt. Im Zuge eines bundesweiten Ausbaus würden aber immerhin 80 Prozent der Kupferleitungen durch Glasfaser ersetzt, sagt der Unternehmenssprecher. Es bleibt hingegen die „letzte Meile“ als Kupferkabel. Das liegt zwischen den Hausanschlüssen und den so genannten Kabelverzweigern. Das sind die grauen Kästen an den Straßenrändern. 

Wie umfangreich die Arbeiten in Uentrop ausfallen werden, konnte der Unternehmenssprecher nicht sagen. Sie finden im Rahmen einer Unternehmens-Initiative zum Ausbau des Nahbereichs statt. Nach Abschluss wird die Deutsche Telekom nach eigenen Angaben bundesweit sechs Millionen Haushalte mit schnellem Internet versorgt haben.

Glasfaser ab Knotenpunkt

Die Telekom nutzt beim Ausbau die Vectoring-Technologie. Damit werden Störsignale soweit reduziert, dass höhere Bandbreiten möglich werden. Durch das angewandte Super-Vectoring sollen in Uentrop Datengeschwindigkeiten von bis zu 250 MBit buchbar werden. Je nach Entfernung von der Betriebsstelle könnten es aber auch weniger werden, aber immer noch mehr als jetzt. 

Ausgangspunkte für den Ausbau sind die so genannten Betriebsstellen. Rund 7.500 davon betreibt die Telekom in Deutschland und damit, wie es heißt, 95 Prozent aller Hauptverteiler. Wo so eine Betriebsstelle in Uentrop steht, sagt das Unternehmen nicht. Diese Knotenpunkte sind wiederum mit den Kabelverzweigern und den so genannten Multifunktionsgehäusen verbunden. Dazwischen erfolgt der Ausbau mit der Glasfaser.

Brückentechnologie

Mit Nahbereich ist eine Fläche gemeint, die in einem Radius von 550 Metern um eine Betriebsstelle liegt. Befindet sich also der Kabelverzweiger in dem Umfeld, ist die höchste Datengeschwindigkeit zu erreichen. Von den Verzweigern geht es weiter über die „letzte Meile“ und damit per Kupferkabel in die Haushalte. Sie im Zuge der Arbeiten gleich durch Glasfaser zu ersetzen, wäre ein weitaus teureres und zeitlich viel aufwendigeres Vorhaben. Das habe die Deutsche Telekom teils schon gemacht, sagt McKinney, und das werde früher oder später auch anderenorts erfolgen, aber ohne die Brückentechnologie, das Vectoring, würde es noch länger dauern, bis die Kunden das erforderliche schnellere Internet bekommen. 

Warum hat die Telekom den Nahbereich nicht schon längst ausgebaut? Das untersagte eine wettbewerbsrechtliche Vorgabe, die die Bundesnetzagentur erst 2016 für das aus einem staatseigenen Betrieb hervorgegangenen Unternehmen aufhob. Seitdem sei es nicht nur berechtigt, sondern sogar verpflichtet, den Nahbereich auszubauen, teilt die Deutsche Telekom mit.

So schnell ist das Internet im Uentroper Dorf

In Haushalten mit mehreren Personen ist bei gleichzeitiger Nutzung des Internets schnell die Datenbandbreite ausgereizt. Allein für HD-Fernsehen sind je nach Anbieter Geschwindigkeiten von etwas mehr als 3 bis 8 MegaBit/Sekunde erforderlich, für die höhere 4K-Auflösung sogar 15 bis 25 MBit/s. 

Über die möglichen Internet-Geschwindigkeiten im Uentroper Dorf gibt der Breitbandatlas des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur Auskunft: Flächendeckend sind 2 MBit/Sekunde möglich, ab 16 MBit/s wird es langsam dünner. 30 MBit/s und mehr sind nur im nordöstlichen Dorf nutzbar, zwischen Lippestraße über Uentroper Dorfstraße, nördliche Zollstraße bis zur Raiffeisenstraße. Dort soll es in einem kleinen Bereich noch 100 MBit/s geben. 

Laut Breitbandatlas erlaubt die digitale Infrastruktur im Industriegebiet gerade einmal 16 MBit/s. Allerdings sollen größere Unternehmen mit höherem Bedarf eigene Leitungen haben. 

Per LTE (drahtlos) für Handy & Co. gibt es flächeneckend Geschwindigkeiten ab 6 MBit/s. Zum Vergleich: Im dichten Siedlungsraum des Stadtbezirks sind mindestens 50 MBit/s vorhanden, in Teilen von Werries liegt sogar Glasfaser bis ins Haus.

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