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Abschied von einer Institution: Nähzentrum Aufermann schließt noch vor Weihnachten

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Von: Torsten Haarmann

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Räumungsverkauf: Das Team des Nähzentrums Aufermann in Werries Natascha Mischur (von links), Nicole Merl, Mechthild Aufermann, Heinz Georg Aufermann, Andrea Potschinski und Simone Gerwin.
Noch sind die Regale gefüllt, aber der Räumungsverkauf hat begonnen: Das Team des Nähzentrums Aufermann nimmt Kurs auf Weihnachten, hier mit Natascha Mischur (von links), Nicole Merl, Mechthild Aufermann, Heinz Georg Aufermann, Andrea Potschinski und Simone Gerwin. © Andreas Rother

Der Hinweis „Alles muss raus – Räumungsverkauf“ gibt Gewissheit: Der Termin für die Schließung des Nähzentrums Aufermann steht fest. Am Samstag, 18. Dezember, soll es ein letztes Mal öffnen. Zumindest ist dann für Mechthild Aufermann Schluss.

Werries – Das Nähzentrum am Rande der Werrieser Zechenkolonie ist ein eher kleineres Geschäft, aber mit einer großen und innig verbundenen Kundschaft. Daher ist es kaum verwunderlich, dass mancher wehmütig auf den plötzlichen Räumungsverkauf reagiert hat. „Bis vorletzte Woche wusste ich selbst noch keinen Termin für die Schließung“, sagt Aufermann. „Den zu finden, ist eine Kopf- und Herzsache gewesen. Beides musste ich erst zusammenbringen.“

Kopf und Herz: In 26 Jahren hat Aufermann mit ihrem Team in Werries eine Institution geschaffen, die von Kunden aus Hamm und Umgebung, aber auch aus dem ganzen Bundesgebiet aufgesucht wird. Das Nähzentrum ist mehr als ein Laden, der neben Nähmaschinen und Stoffen alles rund ums Nähen anbietet, sondern auch Kontakte und Begegnungen Gleichgesinnter, wie etwa in den Kursen, bei Aktionen und darüber hinaus.

Im Sommer holte Mechthild Aufermann noch das 25-jährige Bestehen des Geschäfts in Werries mit Aktionstagen nach. Die Corona-Beschränkungen hatten die Feier im Januar verhindert. Bereits im Juni stand für sie fest: Sie nimmt Abschied vom Geschäft, vom Beruf, der immer auch ihr Hobby gewesen ist. Aus gesundheitlichen Gründen führt für die 67-Jährige kein Weg daran vorbei. Nur wann sie genau aufhört, das wusste sie zunächst nicht.

Haus des Nähzentrums in Werries steht zum Verkauf

Das Geschäfts- und Wohnhaus Alter Uentroper Weg 185 stand zu dem Zeitpunkt gerade zum Verkauf. Das schreckte Kunden auf. Sie fürchteten um „ihr“ Nähzentrum. Mit Weitblick hatte die Geschäftsfrau Aufermann die Pläne frühzeitig bekannt gegeben, auch, weil sie selbst „Zeit zum Verabschieden“ braucht – eine Herzsache eben. Und im Kopf reifte derweil der Entschluss vollends.

Auf den Verkaufs-Boom zu Beginn der Corona-Zeit folgte eine lange „Flaute“, die gegen Aufermanns Erwartung und Hoffnung auch noch im Herbst andauert. „Ich habe immer gesagt, ich schließe, wenn das Haus verkauft ist“, sagt sie. Das ist es noch nicht. Das Geschäft aber unter diesen Bedingungen noch länger weiterzuführen, wäre für sie nur ein „unnötiges Hinauszögern“. „Die Doppelbelastung, ich kann sie nicht mehr“, sagt sie über die Lage und das Nähzentrum, ihr „drittes Kind“.

Nähzentrum Aufermann schließt noch dieses Jahr

Zwischen Weihnachten und Neujahr wäre das Geschäft ohnehin geschlossen geblieben. „Das ganze Team soll eine geruhsame Zeit haben“, sagt sie. „Bei dem Gedanken hat es bei mir klick im Kopf gemacht: Ich werde noch dieses Jahr aufhören, damit alle eine schöne Weihnachtszeit haben können.“

Für die fünf Mitarbeiterinnen hört sich das zunächst nicht schön an. Doch sie haben jetzt Gewissheit und können konkret planen. „Das Wohl meiner Mitarbeiter liegt mir am Herzen. Ich möchte, dass sie ihr Know-how weitergeben.“ Aufermann ist sich sicher: „Sie sind so qualifiziert. Ich sage, da wird sich was finden.“ Und sie weiß: „Da läuft was.“ Spruchreif ist das aber noch nicht. So könnten etwa die Nähkurse weiterlaufen.

Zukunft eines Nähzentrums in Werries

Auch für das Nähzentrum selbst besteht noch eine gewisse Hoffnung. Zuletzt bekam Aufermann Anfang der Woche einen Anruf von jemanden, der es übernehmen wolle. „Es gibt durchaus Interesse an dem Geschäft“, sagt sie. Nur „spruchreif“ sei noch nichts geworden.

Das ist im Hause Aufermann anders. Der Umzug in eine neue Wohnung in Richtung Stadtmitte ist erfolgt. Ehemann Heinz Georg ist bereits seit einigen Jahren im Ruhestand. „Wir wollen etwas zusammen machen ohne Zeitdruck dahinter. Er hat mir so lange den Rücken freigehalten“, sagt sie dankbar. „Jetzt soll es genug sein.“

Abschied vom Nähzentrum in Werries

Dafür erntet sie bei den Kunden Verständnis, die ihr die „Freiheit gönnen“, auch wenn sie „traurig“ sind. „Ich bekomme nur positive Resonanz“, sagt sie. „Einerseits ist diese Verstärkung schön, andererseits schmerzt das alles fürchterlich“ – Mechthild Aufermann näht seit ihrem zehnten Lebensjahr, und nimmt Abschied von einer aktiven, wenn auch arbeitsreichen Zeit, die ihr „sehr viel Spaß“ gemacht hat.

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