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Plötzlich wieder da: Versetzter Pfarrer tauft Kind in Hamm

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Von: Frank Lahme

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Stopp-Schilder für Kinderpornos im Internet
Symbolfoto © picture-alliance/ dpa

Ein katholischer Geistlicher, der wegen des Besitzes von kinderpornografischem Material aus seiner Gemeinde in Hamm abgezogen worden war, hat dort kürzlich eine Taufe durchgeführt. Das Erzbistum hatte die Ausübung priesterlicher Ämter untersagt.

Hamm – Der katholischen Kirche fällt es offenbar weiterhin schwer, mit Sexualstraftaten von Geistlichen transparent und angemessen umzugehen. Ebenso fehlt es den Tätern selbst an Einsicht für die Verwerflichkeit ihres Tuns. Diese Schlüsse legt jedenfalls das Beispiel eines Hammer Geistlichen nahe, der Mitte Oktober in seiner Ex-Gemeinde im Pastoralverbund Hamm-Mitte-Osten eine Taufe durchgeführt hat.

Der heute 72-Jährige war im Jahr 2008 wegen Besitz von kinderpornografischem Material mit einem Strafbefehl über 3200 Euro belegt worden. Wie das Erzbistum Paderborn bestätigt, war ihm seitdem jegliche öffentliche Ausübung priesterlicher und seelsorglicher Funktionen untersagt.

Kinderchor inklusive

Vielleicht wären die Emotionen rund um diese Taufspende nicht (so) hochgekocht, wenn nicht auch der Kinderchor der Gemeinde zu der Veranstaltung einbestellt gewesen wäre. Die nichts ahnenden Eltern brachten ihre Sprösslinge jedenfalls am Sonntag, 16. Oktober, zur Kirche und sollen – so wurde es dem WA geschildert – entsetzt und perplex gewesen sein, dass ihnen der Ex-Pastor gegenüberstand. Man habe nicht gewusst, wie man elterlicherseits hätte reagieren sollen. Am Ende hätten die Kinder jedenfalls gesungen. Danach seien das Unverständnis und die Irritationen eigentlich noch größer gewesen als in der Kirche.

Das Erzbistum Paderborn bestätigte den Sachverhalt gegenüber dem WA und bedauert nunmehr, dass es im Umfeld der Taufspendung „zu erheblichen Ärgernissen“ gekommen sei.

Kloster im Sauerland

Natürlich hätte der seit 2020 in den Ruhestand getretene Geistliche selbst am besten wissen müssen, dass er die Taufspendung in seiner Ex-Gemeinde nicht hätte vornehmen dürfen. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe – der WA hatte den Fall im Jahr 2007 aufgedeckt – war der Pfarrer durch das Erzbistum Paderborn vom priesterlichen Dienst freigestellt worden. „Jeglicher, auch liturgischer, Einsatz im Bereich der Gemeindeseelsorge war ihm untersagt“, teilte Thomas Throenle, Sprecher des Erzbistums Paderborn, nun am Mittwoch mit. Der Geistliche habe damals umgehend seinen Einsatzort Hamm verlassen, die Gründe seien „vor Ort“ bekannt gewesen.

Nach einer forensisch-psychiatrischen Begutachtung, die einen Einsatz als Hausgeistlicher ohne Kontakt zu Kindern und Jugendlichen für unbedenklich erachtet habe, sei der Pastor dann bis zu seinem Ruhestand im Jahr 2020 als Hausgeistlicher in einem Kloster im Sauerland eingesetzt gewesen.

Erst auf WA-Nachfrage räumte das Erzbistum am Donnerstag ein, dass es nach dem Aus in Hamm noch eine weitere Station in Dortmund gegeben hatte. Der Versuch, den Geistlichen dort als Krankenhausseelsorger oder vertretungsweise in einer Gemeinde einzusetzen, scheiterte jedoch am Widerstand der Betroffenen vor Ort.

Nichts Schriftliches

Wie Erzbistums-Sprecher Throenle weiter erklärte, habe das Erzbistum „2008 öffentlich gemacht“, dass dem Geistlichen „jeglicher Einsatz in der Pfarrseelsorge ausdrücklich untersagt wurde“. Und: „Diese Meldung wurde von der örtlichen Presse aufgegriffen.“

Allerdings: Nach innen wurde das offenbar nicht kommuniziert. Im Pastoralverbund Hamm-Mitte-Osten gibt es bis heute nichts Schriftliches zu den Auflagen, die dem Geistlichen gemacht wurden. Das erklärte der Leitende Pfarrer des Verbunds, Bernd Mönkebüscher, gegenüber dem WA. Deshalb habe er auch nicht interveniert, als er im Vorfeld von dem Engagement des Geistlichen erfuhr. Es habe sich zudem um eine Sondertaufe gehandelt. Der örtliche Pfarrer habe an jenem Sonntag keine Taufe abhalten können. Üblicherweise würden Termine dennoch möglich, wenn die Taufeltern einen Ersatzpfarrer fänden.

Die Konsequenzen

Das Erzbistum nehme den Verstoß gegen die Auflagen durch den Geistlichen „sehr ernst“, heißt es weiter aus Paderborn. Der Pastor sei „unmittelbar“ zur Stellungnahme aufgefordert und einbestellt worden. Er habe den Verstoß eingeräumt; es habe sich um einen einmaligen Vorgang gehandelt. Er sei aufgrund freundschaftlicher Beziehungen zur Familie des Täuflings angefragt worden.

Disziplinarrechtliche Konsequenzen seien ihm seitens des Erzbistums mitgeteilt worden. Welche Konsequenzen dies sind, wurde gegenüber dem WA nicht kommuniziert. Die Taufe an sich bleibe gültig, so das Erzbistum.

Der hier beschriebene Pfarrer ist und war nicht der einzige, bei dem Kinderpornos gefunden wurde. Ein Fall sorgte erst im Jahr 2020 für Aufsehen. Unterdessen weitet sich der Missbrauch-Skandal um den früheren Heessener Pfarrer Heinz Booms aus. Quasi stündlich bricht das Denkmal des einst angesehenen Kirchenmanns weiter zusammen.

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