Auch so könnte Klimaschutz funktionieren 

Weit vom Schuss? Online-Mitfahrerbörse soll Dörfler mobil machen

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Dirk Krämer und seine Familie wollen in Norddinker eine Online-Mitfahrerbörse einrichten. In diesen Tagen hat er Handzettel mit Einladungen zu einem ersten Treffen verteilt.

Norddinker - Die Familie Krämer weiß das Landleben zu schätzen. Sie will nicht weg aus Norddinker – eigentlich. Für Besorgungen und zum Schulbesuch muss sie aber doch mal raus. Das ist oft nicht leicht bis unmöglich. Das wissen im Grunde alle Dörfler. Die Krämers wollen daher eine Online-Mitfahrerbörse einrichten und dazu noch die Umwelt entlasten. 

Wie so eine App-basierte Mitfahrerbörse für Norddinker, Vöckinghausen und Frielinghausen funktionieren könnte, können alle Interessierten am Mittwoch, 17. Oktober, 19.30 Uhr, bei einem ersten Infotreffen in der Gaststätte Richter, Soester Straße, erfahren. Es ist eine Art Anhalter, aber nicht klassisch per Daumen, sondern per App.

Mit dem Bus zur Schule ist für viele Schüler das Normalste schlechthin, für die 17-jährige Lara Marie Krämer aber eine Unmöglichkeit. Wenn sie sich morgens von Norddinker aus mit dem Schulbus in Richtung Friedrich-List-Berufskolleg auf den Weg machen würde, wäre sie jedes Mal zu spät beim Unterricht – zurück käme sie dann überhaupt nicht mehr. „Sie ist auf Eltern, Nachbarn und Freunde angewiesen“, sagt ihr Vater Dirk Krämer. Er weiß: „Wir haben aber nicht allein das Problem.“ Im Freundes- und Bekanntenkreis laufe das nicht anders. Gut ist es dann, wenn das Eltern-Taxi ohnehin gen Innenstadt muss. Und überhaupt: „Ich könnte auch noch jemanden mitnehmen“, meint Krämer. Dabei verfolgt der Energieberater der Stadtwerke Hamm noch einen ganz anderen Gedanken.

2.500 Euro für die Umsetzung

Das Mitnehmen konsequent betrieben, hätte den positiven Effekt, dass Fahrten eingespart oder sogar Zweitfahrzeuge abgeschafft werden könnten – ganz im Sinne des Klimaschutzes. In dem Zusammenhang brachten die Krämers die Idee einer Mitfahrerbörse beim Bürgerwettbewerb „Stadt.Klima.Ich“ des Umweltausschusses ein. Das Projekt zählt zu den zehn prämierten Ideen. 2.500 Euro gibt es für die Umsetzung.

Klassischer Busverkehr sei zu unflexibel und unwirtschaftlich

Es geht darum, jüngere Dorfbewohner, die noch keinen Führerschein haben, und auch ältere Menschen, die etwa einen Arzt aufsuchen müssen, mobil zu machen. Denn einen klassischen Buslinien-Betrieb gibt es in Norddinker nicht. „Wir hatten mal eine Linie von Dinker zum Maxipark; aber die wurde nicht ausreichend angenommen“, erinnert sich Krämer. Busse seien demnach nicht wirtschaftlich zu betreiben und noch dazu zu unflexibel. Einen Bürgerbus, wie er andernorts eingesetzt oder geplant wird, hält er wegen der Anschaffungskosten und der zu organisierenden Busfahrer auch nicht für eine geeignete Lösung – daher die Online-Mitfahrerbörse.

Mitfahren ist Vertrauenssache

Das dazugehörige Smartphone hat (fast) jeder. Eine wichtige Voraussetzung ist zudem nur im Dorf gegeben: Jeder kennt im Grunde jeden. Das ist von großer Bedeutung, denn Mitfahren ist Vertrauenssache. Daher soll die Mitfahrerbörse in diesem Fall nur für die Ortsteile Norddinker, Vöckinghausen und Frielinghausen eingeführt werden.

Per Whatsapp 

Für die Kommunikation unter den Dorfbewohnern sollte nach der ursprünglichen Idee eine App für Smartphones programmiert werden. Das scheitert aber an den Folgekosten. „Die 2.500 Euro würden nicht ausreichen“, sagt er. Daher schlägt er vor, den verbreiteten Internet-Nachrichten-Dienst Whatsapp zu nutzen. Die maximale Teilnehmerzahl von 256 reiche aus, sagt er. Wenn die Mitfahrerbörse zustandekommen sollte, geht er zudem zunächst von einem kleineren Kreis aus. Er ist aber überzeugt, dass es nach und nach mehr werden. Dass insbesondere ältere Teilnehmer Probleme haben könnten mit der Bedienung per Smartphone, haben die Krämers auch bedacht. „Meine Tochter wird behilflich sein“, sagt Krämer. 

Mitfahrerbank als ein nächster Schritt

Die per App organisierte Mitfahrgelegenheit nennt er einen ersten Schritt. Weitere könnten eine Einkaufsgemeinschaft sein und eine Mitfahrerbank, wo Dorfbewohner auf das nächste Auto warten, das sie mitnimmt. All das und mehr gilt es am 17. Oktober zu besprechen.

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