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Neuer Düker: Wem gehört nun eigentlich das „Niemandsland“?!

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Von: Torsten Haarmann

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Neuland am Rande des Kurparks
Neuland am Rande des Kurparks: Seit der Bildung der Großstadt Hamm im Jahr 1975 bildet die Ahse die Grenze zwischen den Stadtbezirken Uentrop (links) und Mitte (rechts). Die Grenze von Heessen streift noch so eben das Südufer des Kanals. Mit dem Bau des neuen Dükers verläuft die Ahse aber weiter westlich. Wozu gehört das Stückchen – hier „Neu Uentrop“ genannt, jetzt? © Hans Blossey

In Hamm ist der Stadtbezirk Uentrop ist gewachsen. Zumindest flächenmäßig. Der Gebietsanspruch auf den neuen Ahsedüker ist allerdings noch nicht ganz ausgefochten. Alles zu diesem eher ungewöhnlichen Vorgang...

Hamm-Osten – In zivilisierten, demokratischen Ländern werden Ansprüche auf erweiterte Territorien unblutig ausgetragen. Ein Beispiel dafür liefern Uentroper Lokalpolitiker im Fall der geschätzt etwa 6000 Quadratmeter großen Fläche, die mit dem Bau des neuen Dükers am Kurpark entstanden ist. Die Uentroper haben sie quasi vereinnahmt. Der Gebietsanspruch ist zwar noch nicht ganz „ausgefochten“ – im übertragenen Sinne –, aber mit dem Verweis der Stadtverwaltung sowohl rechtsstaatlich als auch diplomatisch und praktisch geregelt.

Kein Territoriengewinn ohne Kampf. So kündigte Stefan Heitkemper als SPD-Spitzenkandidat vor zwei Jahren im Kommunalwahlkampf an, „sofort nach meiner Wahl Gebietsverhandlungen mit dem Stadtbezirk Mitte aufzunehmen“. Letztlich gingen die Sozialdemokraten doch nicht als stärkste Kraft hervor. Als SPD-Ratsherr und nicht Bezirksbürgermeister blieben Heitkemper die, wenn auch nicht ganz ernst gemeinten, Verhandlungen erspart. Die Sozialdemokraten verfolgten ihren Vorschlag, hier im „Drei-Bezirke-Eck“ von Uentrop, Mitte und Heessen eine Aussichtsplattform zu errichten, auch nicht weiter. Wobei noch nicht klar ist, was der anstehende Rahmenplan Rietzgartenviertel hervorbringt, der bis zur Fährstraße reicht.

Über das Fleckchen Erde am Nordwestrand des Kurparks schien Gras zu wachsen – im wörtlichen und übertragenen Sinne, bis es um den Standort für ein neues Kunstwerk ging. Der Bürgerverein zur Stadtbildpflege Hamm kündigte unlängst an, das Kunstwerk „Drei Säulen“ des Bildhauers Michael Düchting zu erwerben und der Stadt zu schenken. Als Standort ist die Grünfläche zwischen neuem und altem Verlauf der Ahse vorgesehen, wo der beliebte und gut frequentierte Weg am Kanal entlangführt. Der Verlauf hat sich durch den 25 Millionen Euro teuren und im Sommer 2020 fertiggestellten neuen Düker ergeben. Der Düker ist quasi die Unterführung des Flusses unter dem Datteln-Hamm-Kanal in die Lippe. Die neue Ahse ist dadurch etwas nach Westen verschwenkt, das bisherige Flussbett zur besagten Fläche verfüllt. Und zu welchem Bezirk gehört sie nun?

Ahse als unverkennbare Grenze

Bislang war das ganz einfach: Die Ahse war die unverkennbare Grenze zwischen Uentrop und Mitte und im weiteren Verlauf, flussaufwärts, zum Stadtbezirk Rhynern. Über ein „Niemandsland“ spekulierten Sozialdemokraten nach der Fertigstellung des Dükers. Müsste nicht Uentrop größer geworden sein?, formulierten sie vielleicht eher als Feststellung. Das erklärt die angekündigten Gebietsverhandlungen.

Die Frage hätte für ewig unbeantwortet bleiben können, wenn nicht in den vergangenen Monaten ein grundsätzlicher Beschluss zum Aufstellen des Kunstwerks hergemusst hätte. Der exakte Standort soll später genannt werden. Der Beschluss lag nur der Bezirksvertretung Uentrop vor. Doch SPD-Bezirksvertreter Rudolf Haase war sich unsicher. „Ich glaube, das ist nicht mehr Uentrop“, meinte er über die Fläche, wie auch: „Ich glaube, die Grenze ist die Ahse.“ Er schlug vor, mit Blick auf das „Dreiländereck“ dort von jedem irgendwie betroffenen Bezirk eine Sitzbank aufstellen zu lassen.

Davon riet Bezirksbürgermeister Björn Pförtzsch (CDU) aber dringend ab. Sonst müssten erst drei Entscheidungen eingeholt werden, in Mitte, Uentrop und in Heessen, das den Rand der Fläche gerade eben streift. Wenn auch in der Art unausgesprochen, so befürchtete er, dass viele Köche den Brei verderben oder zumindest die Zubereitung unangemessen in die Länge ziehen könnten. „Uns ist der Beschluss zugewiesen worden, nachdem der Düker umgebaut worden ist“, sagte Pförtzsch. „Uentrop ist so um ein kleines Stückchen größer geworden, also lassen wir das auch so.“

Der Kurpark gehört ja zu Uentrop...

Praktisch gilt das so, rechtlich ist es aber anders. „Die Stadtbezirksgrenzen sind durch die Verschwenkung des Dükers nicht berührt worden“, erklärt Stadtsprecher Lukas Huster auf Anfrage. „Diese können gemäß Hauptsatzung auch nur zum Ende einer Wahlperiode geändert werden.“ Das steht gleich im ersten Absatz des ersten Paragrafen „Stadtgebiet und Stadtbezirke“.

Ohne so lange warten zu müssen, hat die Verwaltung die Zuständigkeit praktisch hergeleitet. „Der anvisierte Standort liegt, ohne dass der ganz konkrete Standort schon ermittelt wäre, ziemlich genau im Gelände der Bezirksgrenze zwischen Mitte und Uentrop“, sagt der Stadtsprecher. „Da die Skulptur inhaltlich dem Kurpark zugerechnet wird und der Kurpark zu Uentrop ,gehört’, ist die Vorlage entsprechend in der Bezirksvertretung Uentrop behandelt worden.“

Ob dennoch Gebietsverhandlungen geplant sind, ist nicht bekannt, nur so viel, dass die Uentroper Bezirksvertreter den genauen Standort des Kunstwerks zu gegebener Zeit prüfen wollen. Das Werk an sich bietet, wenn auch frei interpretiert, einen versöhnlichen Ausgang der möglicherweise strittigen Gebietsansprüche. „Drei Säulen“ können für die drei Bezirke stehen.

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