Pläne fürs Schmehauser Feld

Nabu: Mehr Platz für Geithe, etwas weniger für Industrie

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Das üppige Grün trügt: Für einen naturnahen Zustand muss am Bach Geithe im Schatten der Kühltürme noch eine Menge umgestaltet werden. Der Nabu gibt dazu Empfehlungen.

Schmehausen – Reichlich Platz für Gewerbeansiedlungen ist noch zwischen RWE-Kraftwerk und Autobahn 2 in Uentrop. Dafür wird derzeit der Weg bereitet. Platz für die Natur sollte auch noch sein, meint der Naturschutzbund und erklärt, wie das gelingen könnte.  

Von der dahinfließenden Beschaulichkeit am Geithewald hat der Bach an seinem Ursprung so gar nichts. Die Geithe ist verrohrt, gelangt erst am westlichen Rand des RWE-Kraftwerks ins Freie und verläuft begradigt bis zum Kanal. Noch vor rund einem Jahr sorgten zudem Schwermetalle im Wasser für Diskussionen. Das alles könnte sich ändern. Im Zuge der Planänderungen für eine Vermarktung der Gewerbeflächen des „Schmehauser Feldes“ erkennt die Hammer Ortsgruppe des Naturschutzbundes (Nabu) eine Chance. Ob sie genutzt wird, steht auf einem ganz anderen Blatt. 

Es geht um die etwa 700 Meter Gewässerverlauf vom Kraftwerks-Gelände bis zum Kanal und die wasserrechtlichen Belange im Zuge der Umgestaltung der Geithe, zu der der Naturschutzbund Stellung genommen hat. Dabei weist Ulrich Schölermann vom Nabu auf das einstige Brutgebiet des stark gefährdeten Kiebitz zwischen Siegenbeckstraße und Kanal sowie Kraftwerk und Autobahn hin. Als RWE einen Teil der Fläche als Materiallager für die neuen Kraftwerksblöcke nutzte, sei der Vogel zwar laut Beobachtungen eines Nabu-Mitglieds wohl nicht mehr dort gewesen, aber er hätte wiederkommen können, meint Schölermann. Anderenorts sorgen die seltenen Brutgebiete des Kiebitz für gravierende Planungsänderungen. So etwa an der Bimbergsheide, weshalb das Baugebiet an der Brandheide deutlich kleiner ausfällt. Der Nabu schlägt im Fall des Schmehauser Feldes vor, zumindest Ersatzflächen für den Bodenbrüter zu finden.

Schutzstreifen auf 30 Meter vergrößern 

Nach Vorstellung des Naturschutzbundes soll der Schutzstreifen beiderseits der Geithe von 10 auf 30 Meter vergrößert werden, damit der Bach nicht nur „kleine Schwünge“ beschreibt, sondern Platz für naturnahe Mäander hat, die Lebensräume für Fische bieten, wie etwa Kolken – kleine, wassergefüllte Vertiefungen. „Erst dann kann man von einer gelungenen Gewässerrenaturierung sprechen, wie sie von der Wasserrahmenrichtlinie gefordert wird“, erklärt Schölermann. 

Mehr Raum für die Geithe bedeutet aber weniger Platz für Gewerbe. Gleichwohl geht es bei dem großen Plangebiet um insgesamt 21 Hektar, die die Geithe etwa im südlichen Drittel durchfließt. Also genug Platz für Mäander? Die sollten dann laut Nabu so angelegt werden, dass sich Steilufer für höhlenbewohnende Arten wie den Eisvogel sowie Prall- und Gleithänge bilden können. Kein Ersatz sei dabei ein in der Planung vorgesehenes, aber mindestens 20 Meter vom Gewässerverlauf entferntes Steilufer.

"Weitere Verschärfung nicht hinnehmbar"

Trotz der Minimierung von Schadstoffen gelangt laut Nabu immer noch Oberflächenwasser kohlebelasteter Flächen in den Bach. Weitere Zuflüsse von den geplanten Gewerbestandorten kämen künftig dazu. „Eine weitere Verschärfung der Situation ist nicht hinnehmbar“, sagt Schölermann. Dies sollte durch geeignete Maßnahmen vermieden werden.

Kreuzkröte und Nachtigall

Zwar soll künftig im Bereich der Geithe der Lebensraum für diverse Tiere verbessert werden, doch zunächst geht er während der Bauphase verloren, wie etwa für die Kreuzkröte und die Nachtigall, wie Schölermann kritisiert. Laut Nabu soll zudem eine Lösung gefunden werden für die über 1,8 Kilometer auf dem Kraftwerksgelände verrohrte Geithe. Sie soll wieder ein offenes Gewässer werden. Der Durchlass unterhalb der Autobahnbrücke liege zudem zu hoch und müsse zwecks höherer Fließgeschwindigkeit vertieft werden. 

Schölermann ist sich im Klaren, dass der Nabu nur Empfehlungen gibt. Die Entscheidung treffen die Behörden und der Stadtrat auf Grundlage der Empfehlung der Verwaltung.

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