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Neuer Mega-Schlachthof in Uentrop, aber Kritiker bleiben fern

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Von: Torsten Haarmann

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Ungleichgewicht beim Erörterungstermin: Die Zahl der Vertreter von Fachbehörden und Westfleisch war rund drei Mal höher als die der Einwender
Ungleichgewicht beim Erörterungstermin: Die Zahl der Vertreter von Fachbehörden, Westfleisch und weiteren Verfahrensbeteiligten (hinten links) war rund drei Mal höher als die der Einwender (rechts). Die Stadt hat mit deutlich mehr gerechnet und geplant. © Torsten Haarmann

Westfleisch plant in Uentrop einen der modernsten Schlachtbetriebe in Europa. 762 Einwendungen sind laut Stadtverwaltung zum Mega-Projekt eingegangen. 148 Einwender stehen dahinter. Zum Erörterungstermin am Mittwoch sind allerdings nicht viel mehr als eine Handvoll in den Gerd-Bucerius-Saal gekommen.

Uentrop – Die Pläne von Westfleisch in Uentrop haben in der jüngsten Vergangenheit viele Fragen aufgeworfen sowie Tier- und Naturschützer mobilisiert. Ein Ergebnis sind die 762 Einwendungen zu dem Vorhaben der Genossenschaft. Die Stadt als Genehmigungsbehörde hat daher zum Erörterungstermin mit weitaus mehr als den rund 20 Teilnehmern gerechnet – die meisten darunter waren auch noch Besucher. Ihnen saßen bis zu etwa 25 Vertreter von Behörden und vom Unternehmen gegenüber. Proteste von Tier- und Klimaschützern, wie Anfang des Monats in Uentrop, blieben aus. Gestoppt hätten sie die Pläne ohnehin nicht.

Erörterung heißt, dass die Einwendungen vorgestellt, diskutiert und etwaige Unklarheiten beseitigt werden. „Wir werden heute keine Entscheidungen treffen“, sagte Tim-Felix Heusner von der Unteren Immissionsschutzbehörde der Stadt. Sie ist die Genehmigungsbehörde. Die Erörterung bezeichnet er als das „Herzstück des Genehmigungsverfahrens“ bei der Beteiligung der Öffentlichkeit.

Ein Herzstück war es sicherlich für zwei anwesende Einwender, die beim Themenkomplex Tierschutz ihr kategorisches Nein zu den Plänen mit vielen Argumenten unterlegten. „Es ist makaber, von Tierschutz und Tierwohl zu sprechen, wenn die Tiere Todesqualen leiden“, sagte Maurice Gutgesell von der Tierschutzrechtsorganisation Peta. Dabei ging es um die geplante Betäubung der Schweine mittels CO2.

Westfleisch in Uentrop: Generelle Kritik der Tierschützer

Wie könne von Tierschutz gesprochen werden, wenn das Ziel der Tod des Tieres sei, sagte ein anderer Einwender, der, wie für das Verfahren üblich, anonym blieb.

Westfleischs Konzern-Tierschutzbeauftragte Dr. Yvonne Schneider nannte die generelle Ablehnung von Tierschlachtungen zwar „nachvollziehbar“, aber im Kontext zum Genehmigungsverfahren für „nicht zu klären“. Denn hier geht um den Bau eines Schlachtbetriebs, konkret um die Genehmigung allein nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz.

Westfleisch geht in Uentrop an technische Grenzen

Laut Stadtverwaltung war der Wortlaut vieler Einwendungen identisch. Es ging um generelle Ablehnung des Schlachtens von Tieren, um Missstände im sozialen und tierrechtlichen Bereich.

Allgemeine Vorwürfe an die Schlachtunternehmen konterten die Westfleisch-Vertreter mit „sehr hohen Standards im Tierschutzbereich“, die über die gesetzlichen Vorgaben hinaus gingen, wie Projektleiter Gustav Kronsbein sagte. „Wir gehen an die technischen Grenzen.“ Etwa bei der Betäubung, die statt mit der vorgeschriebenen mindestens 80-prozentigen CO2-Konzentration mit 91 Prozent durchgeführt werde.

Westfleisch expandiert in Uentrop

Dies ist ein Beispiel für die Details, die beim mehrstündigen Erörterungstermin zu mehreren Themenkomplexen vom Arbeits- bis zum Klima- und Umweltschutz besprochen wurden. Die Antworten auf die Einwendungen füllen zahllose Aktenordner und dokumentieren den Aufwand für den Erörterungstermin.

Eine schon in der Vergangenheit drängende Frage, inwieweit die neue Kläranlage Antibiotika-Rückstände aus dem Abwasser beseitigt, um Resistenzbildung zu verhindern, konnte allerdings nicht beantwortet werden. Das ist Teil eines eigenen Genehmigungsverfahrens, das parallel läuft.

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