So tickt's in Hamm-Osten: Mit der Holzuhr zum Startup 

+
Details: Koray Ucar hat zwei Versionen seiner Uhren herstellen lassen: mit grünem und mit rotem Sekundenzeiger. 

Hamm-Osten - Mit welcher Leichtigkeit die Zeit vergehen kann, demonstriert Koray Ucar am Handgelenk. Klar, es ist eine Uhr; aber keine normale. Sie ist aus Holz, ganz leicht. Vor allem ist sie jedoch seine Idee. Ucar ist kein Uhrmacher, sondern ein Startupper.

Koray Ucar ist ein junger Mensch aus Hamm-Osten, der weniger über Hindernisse grübelt, als vielmehr einfach macht. Das große Geld? Das wäre eine nette Nebensache. Seinen Job bei der Bahn liebt er, und die Holzarmbanduhr könnte ihn auch dort weiterbringen.

Er ist gelernter Kaufmann für Verkehrsservice der Deutschen Bahn AG und arbeitet dort derzeit als Referent. Mit 22 Jahren steckt er voller Tatendrang und macht derzeit nebenbei noch ein Fernstudium der Wirtschaftspsychologie. Innovativ sein, das ist seine Sache, wie sicherlich auch die anderer in seinem Alter, meint er und wundert sich nur, warum aus ihren vielen Geistesblitzen nichts wird. Hochmotiviert und mit einer ordentlichen Portion Unbefangenheit zeigt er, wie es mit einem Start-up laufen kann, und will Mut machen. Arbeit ist es allerdings schon und so Einiges ist zu bedenken. So kann, wie bei Ucar, auch der Weg zum Ziel werden. Oder ist es bei ihm doch nur ein Etappenziel? Seine Uhr begeistert ihn. Vielleicht wird da mehr raus?

Leder oder Metall? Nein. Holz!

Am Anfang war „eine Schnapsidee“, wie Ucar sagt, und das weniger, weil sie ihm zusammen mit Freunden in einem Pub kam. Ein Stipendium ermöglichte ihm einen Aufenthalt in Irland. „Ich hatte dort einen Freund, der war Tischler“, sagt Ucar. „Ich sprach über Uhren und fragte: Warum müssen Armbänder immer aus Leder oder Metall sein? Warum nicht aus Holz?“ Die Idee blieb zunächst ein vergnügliches Fantasieren. Wie sich zeigte, neu war sie jedoch nicht. Aber die Holzuhren, die er sah, gefielen ihm nicht. Und dann das Design?! „Mir schwebt was anderes vor“, sagt er. Als Bahn-Mitarbeiter ist er viel unterwegs und hat Zeit für kreative Gedankenspiele. Bestärkt durch einen Freund, der sagte „mach es doch selbst“, nahm Ucar sein Projekt Holzuhr schließlich allein in die Hand. 

In acht Stunden zum Design

„Das Design stammt von mir“, sagt er. „Ich habe dafür nur acht Stunden gebraucht.“ Er wusste, was er wollte. „Ich zeigte sie einer Freundin, und sie war begeistert von der Schlichtheit. Sie fand sie schön.“ Seine Uhr sollte „etwas Besonderes“ werden. Die Materialwahl fiel daher auf Sandelholz, „natur“, wie er sagt, „nur geölt“. Und auf ging es zur Herstellersuche.

James Walker und sein Erfinder: Koray Ucar hat seine Vorstellungen von einer Armbanduhr Wirklichkeit werden lassen. Als Startupper will er anderen Mut machen.

"Viele denken so altmodisch"

Einige Schritte von der Entwicklung zum Verkaufsprodukt kannte er schon von einem anderen, kleineren Projekt. Diese Uhr war schon ein paar Nummern größer. „Von 20 angeschriebenen Herstellern antworteten nur drei“, sagt er. Ernsthaftes Interesse wurde nicht signalisiert. „Sie gaben mir die Empfehlung, erst einmal Marktforschung zu betreiben.“ Ucar ließ sich keineswegs entmutigen. „Viele denken so altmodisch“, meint er. Einfach weitermachen, war seine Devise. Bei der Herstellersuche im Ausland traf er auf „offenere Menschen“ und bekam erste Angebote. „Das waren hohe Preise“, erklärt er, ohne die genauen Beträge nennen zu wollen. Manches soll eben Geschäftsgeheimnis bleiben.

Die ersten 400 Exemplare

Letztlich entschied er sich, ein Muster anfertigen zu lassen. Er fand’s toll, und anderen gefiel die Uhr auch. Der nächste Schritt würde deutlich teurer werden, das wusste er. „Also gut“, sagte er sich nach etwas Bedenkzeit. Er investierte, orderte 400 Stück. Ein Produktname war schnell gefunden: James Walker. Einprägsam, irgendwie bekannt und doch als Uhrenmarkenname neu. James? „Das war jemand aus Irland“, sagt er. Walker? Das hat etwas Bekanntes. Den Markenschutz hatte er auch im Blick.

Rote und grüne Sekundenzeiger

Vor sieben Monaten bekam er die erste Uhr. „Seitdem habe ich sie getragen“, sagt er. Die Alltagstauglichkeit habe sie bewiesen. Außerdem teste derzeit noch ein Freund die Uhr. Er sei Youtuber und werde über seine Erfahrungen berichten. Die Uhren gibt es in zwei Ausführungen: mit rotem und mit grünem Sekundenzeiger. Angeboten werden sie im Onlinehandel. Erste Exemplare sind verkauft. Die eigene Internetseite ist online. Ein Hochglanz-Prospekt ist geplant, und Uhrengeschäfte könnten bald auch mal sein Ziel sein. Ucar kann sich auch vorstellen, in den nächsten zwei Jahren der größte Anbieter von Holzuhren in Deutschland zu werden.

Große Gewinne hat er sich zunächst nicht ausgerechnet, Garantiefälle stattdessen eingeplant. Wie es weitergeht? Mal sehen. Fest steht für ihn: „Ich will bei der Bahn bleiben.“ Ganz ohne Althergebrachtes lebt der Startupper dann doch nicht. Tradition verpflichtet: „Ich komme aus einer Eisenbahnerfamilie.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare