Bergbau-Geschichte gibt es im Maxipark hinter Glas

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Aus seiner umfangreichen Sammlung von Bergbau-Erinnerungen hat der Knappenverein eine Auswahl für die acht Vitrinen der großen Vorhalle der Maximilianhalle ausgewählt. Eingerichtet wurden sie (von links) von den Knappen David Mohr, Udo und Edeltraud Falk sowie Stephan Mohr, der zusammen mit Maxipark-Chef Jörg Rogalla eine Standarte hält. Die wurde einst in der Ausbildungswerkstatt der Zeche Maximilian gefertigt und mit Haaren der Grubenpferde verziert. Die Standarte ist allerdings zu groß für die Schaukästen.

Braam-Ostwennemar - Klar, die Gebäude des Maximilianparks erinnern an die einstige Zeche. Und sonst? Seit dieser Woche gibt der Knappenverein Glück Auf Maximilian-Werries 1907 Einblicke in die Welt des Bergbaus. Er bestückt die bislang im Grunde ungenutzten Vitrinen der großen Vorhalle des Festsaals. 

„Zu jedem Bergwerk gehört eine Barbara“, sagt Stephan Mohr. Aber wo ist die Schutzpatronin der Bergleute im Maximilianpark? Auch wenn dort schon seit mehr als hundert Jahren keine Kohle mehr gefördert wird, bleibt sein Ursprung die Zeche. Gut, dass der Vorsitzende des Knappenvereins Glück Auf Maximilian-Werries 1907 ein halbes Dutzend Barbaras mitgebracht hat. Eine haben Mohr und weitere Knappen in der weiten Eingangshalle zum Festsaal aufgestellt – und dazu noch viele Ausstellungsstücke mehr aus der heimischen Welt des Bergbaus. Der Knappenverein bestückt fortan die acht Vitrinen. 

„Das war unsere gemeinsame Idee“, sagt Jörg Rogalla, Geschäftsführer des Maximilianparks, über sich und den Knappenverein. „Das Thema Zechengeschichte ist wichtig, sie zeigt uns, wo wir herkommen, arbeiten, leben und unsere Freizeit verbringen“, sagt er mit Blick auf die mehr als 100 Jahre vom Beginn des Bergbaus im Herzen des Stadtbezirks bis heute zum Maximilianpark, der jährlich mehrere hunderttausend Besucher anzieht. Rogalla dankt dem Knappenverein, „dass die Vitrinen jetzt lebendiger sind“ – und das ganz im Sinne nacherlebter Geschichte: „Man kann sich ansatzweise verlieren, wenn man in die Vitrinen schaut.“

Vom verkalkten Rohr zur Uhr

Das Gezähe ist gezeichnet von der harten Arbeit unter Tage, vom tief eingewirkten Staub. Gezähe? Das ist das Werkzeug des Bergmanns, klassisch Schlägel und Eisen, aber auch Abbauhammer, der in einer Vitrine liegt. Da ist eine Froschlampe (Öllampe), wie sie im 18. bis Ende des 19. Jahrhunderts zum Einsatz kam, sind die klassischen Grubenlampen und die Gürtel der Bergmänner, die, in der Ausstellung nur aufgerollt, die Namen ihrer Träger verbergen, teils vom ersten Kumpel noch in Sütterlin oder Kurrent geschrieben. Was wie eine von einem Metallring eingefasste Baumscheibe aussieht, ist ein mit Kalk zugesetztes, ausgesägtes Rohrstück. „Daraus haben sich die Bergleute früher Uhren gemacht“, sagt Knappe Udo Falk. Dazu gibt es Urkunden, wie eine Ehrung für einen Maurer und seinen 25-jährigen Einsatz auf der Zeche Maximilian, Bronzeplastiken, Fotos und Propagandasprüche von im Zechengebäude untergebrachten, sowjetischen Kriegsgefangenen... all das gibt ein umfangreiches Bild von der heimischen Bergbautradition.

Exponate aus der Andenkenecke

Die Exponate archivierten die Knappen bislang – gut verwahrt und klimatisiert – in ihren Lagerräumen am Wellenbad. „Für uns ergibt sich jetzt die Möglichkeit, sie für unbestimmte, lange Zeit zu zeigen“, sagt Stephan Mohr über das Angebot des Maxiparks, die Vitrinen bestücken zu dürfen. Das Ausstellen sei auch der Grund, warum viele ehemalige Bergleute und Angehörige dem Knappenverein die Stücke vermachten. 

Längst nicht alles, was gezeigt wird, ist alt und im Einsatz unter Tage gewesen, aber auch die Dekos vermitteln ein ganz eigenes Bild, lassen den Betrachter in eine Bergbau-Sphäre eintauchen. „Jeder Kumpel hatte eine Andenkenecke zu Hause“, sagt Mohr. Von den Erinnerungsstücken dürften die wenigsten von der Zeche Maximilian stammen, aber (fast) alles von Bergleuten aus der Maximiliansiedlung oder Ostwennemar.

„Unendlich“ viele Exponate hat der Knappenverein erhalten. Rund 70 werden in den Vitrinen der Vorhalle ausgestellt – zufällig zeitlich passend zum Ende des Kohlebergbaus in NRW in diesem Jahr, aber immer aktuell, um an den Ursprung des Maximilianparks, an die Zechensiedlungen in Werries und Ostwennemar, kurzum, um an die bis heute prägende Bergbaugeschichte zu erinnern.

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