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„Halbes Dorf erkrankt“: Schützenfeste treiben Corona-Zahlen in Hamm in die Höhe

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Von: Torsten Haarmann

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Kuschelig wie vor Corona ging‘s beim Schützenfest in Werries zu. Symbolbild
Kuschelig wie vor Corona ging‘s beim Schützenfest in Werries zu. © Reiner Mroß (Symbolbild)

Gut 1800 Besucher kamen zum Jubiläums-Schützenfest nach Werries. Eigentlich kein Wunder, dass die Corona-Zahlen im Ort danach steil hoch gingen. Schützenfeste in Hamm sind also echte Superspreading-Events.

Hamm - Die starken Corona-Beschränkungen sind aufgehoben, Großveranstaltungen wieder der Renner. Was bleibt, ist die Ansteckungsgefahr. Die ist nach Einstellung der Kontaktpersonen-Nachverfolgung nur schwer einzuschätzen. (Klicken Sie sich hier in unser Schützenfest-Ressort und hier in unser Corona-Ressort.)

Während sich Besucher nach regionalen Veranstaltungen aus den Augen verlieren, bleibt auf lokalen Großereignissen vor Ort ein Fokus. So macht in Schützenkreisen die Runde, dass nach dem großen Jubiläum in Werries verstärkt Corona-Fälle aufgetreten sind. Aber nicht nur dort und bei diesem Anlass, sondern auch in Norddinker und vermutlich auch in Schmehausen.

Schützenfeste und Corona: „Hygienevorschriften eingehalten“

„Das halbe Dorf ist erkrankt“, heißt es über die Zechensiedlung Maximilian, wie auch aus den Kreisen der Gastvereine, die Anfang Juni das Jubiläum des Schützenvereins Werries 1922 besucht haben. „Der halbe Verein hat Corona“, sagt auch Vorsitzender Jörg Harbach - aber er korrigiert das sofort, um das kursierende Gerücht zu relativieren. „So viele sind es nicht.“ Er macht keinen Hehl daraus, dass ihm eine Berichterstattung Unbehagen bereitet. Denn die 100-Jahr-Feier war durchaus ein Erfolg. Dennoch hält er es für richtig, offen über die Entwicklung zu reden.

Corona macht in diesem Jahr keine Sommerpause. Jetzt hat der erste Schützenverein im Kreis Soest eine mutige Entscheidung getroffen.

Eine genaue Zahl der Corona-Infizierten nach dem Fest habe er nicht, sagt Harbach. Wie auch. Selbst die Stadt verfügt über keine genauen Daten. Aber seines Wissens hätten alle bisher einen eher milden Verlauf. Der Schützenchef versichert: „Wir haben alle geltenden Hygienevorschriften eingehalten.“ Zum Spülen der Gläser sei zum Beispiel ein Mittel verwendet worden, das ausdrücklich mit Blick auf Corona zugelassen sei. „Über die Getränke können wir Ansteckungen ausschließen“, sagt Harbach. Auffällig, aber erwartbar gewesen sei, dass sich vor allem Menschen in geschlossenen Räumen angesteckt haben, etwa die fleißigen Küchenhelfer, oder die, die sich längere Zeit im Zelt aufhielten.

Aus dem Umfeld des Schützenvereins Schmehausen, wo am ersten Juni-Wochenende gefeiert wurde, sind ähnliche Äußerungen zu hören, wie „der halbe Verein“ sei an Corona erkrankt.

Schützenfeste und Corona: „Gut die halbe“ Garde angesteckt

Die Schützen in Norddinker, Vöckinghausen und Frielinghausen feiern ab Donnerstag. Nach einem Schützenfestbesuch in der Nachbarschaft, wo unter anderem der Bierkrug die Runde machte, hat Schützenchef Heinrich Elbers die Mitglieder gewarnt. „Besser kann man Corona nicht verteilen“, sagt er. Noch auf der Versammlung am Samstag rief er die Schützen dazu auf, ihr Schützen-Pinnchen mitzubringen. Die hatte der Vorstand im „Corona-Juni“ 2020 verteilt, als eigentlich das Schützenfest stattfinden sollte. Das persönliche Gläschen verhindert die Ansteckung – der hochprozentige Inhalt sicherlich auch. Sicher ist sicher: „So muss keiner aus einem gebrauchten Glas trinken“, sagt Elbers.

Was eine erhöhte Ansteckungsgefahr ist, hat bereits die Avantgarde Norddinker erfahren. „Gut die halbe“ Garde habe sich beim Üben angesteckt, sagt er. Jetzt genesen, können die jungen Schützen wieder mitfeiern.

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