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Groß, noch größer: Westfleischs Zukunftspläne für Uentrop

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Von: Torsten Haarmann

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Westfleisch Standort Hamm-Uentrop Kranstraße und Pläne für Erweiterung Siegenbeckstraße
Groß und noch größer: Westfleisch plant einen umfangreichen Umbau auf der Bestandsfläche (rechts) an der Kranstraße und expandiert im Gewerbegebiet Uentrop in unmittelbarer Nachbarschaft an der Siegenbeckstraße/Autobahn 2. © Hans Blossey

Westfleisch verfolgt ambitionierte Ziele am Standort im Gewerbegebiet Uentrop. In den kommenden Jahren soll Schritt für Schritt einer der modernsten Schlacht- und Zerlegebetriebe Europas entstehen.

Uentrop – Westfleisch ist einer der ganz Großen im Fleischgeschäft. Groß auch mit einem Standort im Gewerbegebiet Uentrop. Und das seit etwas mehr als 40 Jahren. Um den Betrieb an der Kranstraße für die hohen Anforderungen zu optimieren und für die Zukunft neu aufzustellen, hat die Genossenschaft umfangreiche Expansionspläne ausgearbeitet. Nach und nach könnten so in den kommenden Jahren viele Millionen Euro in den Standort und in einen der modernsten Schlacht- und Zerlegebetriebe Europas fließen.

Westfleisch plant eine Erweiterung auf der (noch) grünen Wiese an der Siegenbeckstraße und Neubauten an der Kranstraße. Hohe Ziele hat sich die Genossenschaft gesetzt: in der Produktion, wie auch bei der Nachhaltigkeit. Ein ausgefeiltes Energiekonzept hat das Zeug zum Meilenstein.

„Ja, wir planen“, sagt geschäftsführender Vorstand Johannes Steinhoff, „aber die Bagger stehen noch weit weg.“ Die Weiterentwicklung eines Standorts gehört zum laufenden Geschäft.

Westfleisch entwickelt Standort Uentrop weiter

Mit „ersten Überlegungen“ dazu hat Westfleisch bereits vor rund zehn Jahren begonnen. Aktuell läuft das Genehmigungsverfahren nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung hat Westfleisch von sich aus, „freiwillig“, für das Gesamtvorhaben vorgenommen. Vorgeschrieben ist sie hier nur für einzelne Anlagen. „Der Bauantrag ist gestellt“, sagt Steinhoff.

Schon jetzt werden in Uentrop nur noch Schweine geschlachtet. Das soll in Zukunft so bleiben und wird den vielfältigen Kundenwünschen gerecht, etwa bei der genauen Sortierung der zahlreichen unterschiedlichen Qualitäten und Herkünfte bis hin zum Fleisch. Solche Anforderungen und mehr lassen sich in Neubauten produktionstechnisch optimieren.

Westfleisch auf zwei Flächen an einem Standort

Westfleisch plant die Weiterentwicklung des Standortes Uentrop sowohl auf der Bestandsfläche als auch auf einer Freifläche in unmittelbarer Nachbarschaft:

Siegenbeckstraße: Westfleisch erwarb 2019 vom Landmaschinenhersteller Claas das 3,4 Hektar große und freie Grundstück an der Siegenbeckstraße/Ecke Kranstraße. Seit Jahrzehnten ist die Fläche als Industriegebiet ausgewiesen.

Dort ist vor allem ein Schlachtbereich (rund 9 500 Quadratmeter) geplant, eine Viehwartehalle (3 200), wo die Tiere zu Ruhe kommen sollen, und eine Viehwagenwäsche (1 340). Eine eigene Zu- und Abfahrt entsteht an der Siegenbeckstraße.

Kranstraße: Der Altbestand an Gebäuden an der Kranstraße soll östlich des Verwaltungstraktes abgerissen werden. In Neubauten sind vor allem die Zerlegung samt einer Erweiterung (10 400 Quadratmeter) und ein Ausgleichskühlhaus (7 0 50) geplant. Vom Bestand bleiben rund 13 600 Quadratmeter. Hier sind die Verpackung, Kommissionierung und Verladung und die Fleischwagenwäsche, die „schalltechnisch aufgerüstet“ werden soll.

Zwischen Bestandsfläche und neuem Grundstück befinden sich die Tiefkühl-Hallen von Coldstore samt Zufahrt von der Kranstraße. Eine Transportbrücke soll den neuen Schlachtbetrieb von Westfleisch mit dem Ausgleichskühlhaus verbinden.

Westfleisch wächst in Uentrop

Westfleisch wächst in Uentrop. Was das heißt, zeigt der Zahlenvergleich. Derzeit dürfen maximal 40 .000 Tiere pro Woche geschlachtet werden, geplant sind nach vollem Ausbau und im Regelbetrieb bis zu 85.000 Schweine.

Die Zahl der Lkw-Fahrten pro Tag wird sich von derzeit 35 auf künftig bis zu 70 verdoppeln. Durch Zwischenschichten im Betriebsablauf und durch eine verbesserte Verkehrsführung sollen die Fahrten zeitlich verteilt werden.

Westfleisch plant in Uentrop eigene Energiezentrale

Uentrop bleibt auch nach dem Ausschalten des RWE-Kraftwerks einmal mehr ein Energiestandort. Den Kern bilden vier Blockheizkraftwerke. Mit ihnen will Westfleisch energetisch Akzente setzen und selbst gesteckte, hohe Nachhaltigkeitsziele erreichen. „Wir wollen in der Produktion der erste CO2-neutrale Schlachthof werden“, sagt Projektleiter Gustav Kronsbein. Westfleisch sehe die umweltgerechte Ausrichtung als „gesellschaftlichen Auftrag“.

Den beabsichtigt das Unternehmen, durch den Einsatz hocheffizienter Technik und Biogas aus eigener Produktion zu erfüllen. Die Emission des Treibhausgases Kohlendioxid könne so „bestmöglich“ vermieden werden.

Westfleisch plant in Uentrop eigene Energiezentrale

Die mit Gas betriebenen Anlagen haben eine Gesamtwärmeleistung von 19,2 Megawatt. Das entspricht etwa fünf Prozent der Leistung eines der großen Trianel-Kraftwerk-Blocks in Uentrop – allein für ein Unternehmen.

Zudem ist eine Photovoltaikanlage mit einer Spitzenleistung von 2.000 kW vorgesehen. Zwei Heißwasserkessel mit je 2,99 MW Feuerungswärmeleistung werden aufgestellt.

Westfleisch plant Biogasanlage in Uentrop

Zwei der Blockheizkraftwerke sollen alternativ und soweit verfügbar mit Biogas betrieben werden können. Dazu ist auf dem Westfleisch-Gelände eine eigene Anlage geplant, in der tierische Nebenprodukte aus der Schlachterei verwertet werden. „Durch das direkte Verstoffwechseln sparen wir pro Tag 10 bis 15 Lkw-Fahrten“, sagt Kronsbein über die Nebenprodukte, die sonst abtransportiert werden müssten.

Eine Betreibergesellschaft der Anlage könnte das Biogas auch vor Ort aufbereiten und ins Erdgasnetz leiten.

Westfleisch übernimmt mehr Verantwortung

Große Schlachtbetriebe standen in der Vergangenheit in der Kritik. Vor dem Hintergrund unterzeichneten Westfleisch-Vorstand Johannes Steinhoff und Oberbürgermeister Marc Herter in diesen Tagen eine gemeinsame Sozial- und Umweltcharta. „Wir übernehmen nun mehr Verantwortung“, sagt Steinhoff, „für Menschen und Tiere.“

Dazu hat das Unternehmen bereits 2020 ein Zehn-Punkte-Zukunftsprogramm aufgelegt. Darin geht es zum Beispiel um den Verzicht auf die kritisierte Praxis mit Werkvertragsanbietern, um angemessene Wohnsituationen der Beschäftigten, mehr Tierwohl und Nachhaltigkeitsziele.

Westfleischs Zeitplan für Uentrop

Das Genehmigungsverfahren für die Vorhaben in Uentrop samt Beteiligung von Behörden und der Öffentlichkeit läuft. „Wir erwarten die Genehmigung etwa Ende dieses Jahres“, sagt Steinhoff. Es folgen die Detailplanung und Ausschreibungen. „Wenn es sehr schnell geht, könnten wir 2023 mit der ersten Baumaßnahme beginnen.“ Das sei auch abhängig von der Entwicklung der Märkte und der Verfügbarkeit von Baumaterial.

Die „langfristigen“ Pläne sollen in mehreren Schritten umgesetzt werden, so dass flexibel auf die Erfordernisse der Zeit eingegangen und der Betrieb während der Bauzeit aufrecht erhalten werden kann. „Es ist ein Langfristprojekt. Wir werden immer wieder anpassen müssen“, sagt er angesichts der starken Bewegung auf dem Markt. „Der Bau wird sich über Jahre hinziehen“, sagt Projektleiter Kronsbein. Wer weiß? Eine Fertigstellung im Jahr 2028 könnte zu einem selbst gemachten Jubiläumsgeschenk werden. Die Westfleisch-Genossenschaft feiert dann ihr 100-jähriges Bestehen.

Die Genossenschaft Westfleisch und der Standort in Uentrop

Westfleisch ist einer der führenden Fleischvermarkter in Deutschland und Europa. Kernmarkt ist das Ruhrgebiet. Nach Unternehmensangaben werden rund 40 Prozent der Produkte in mehr als 40 Länder weltweit exportiert. Der Hauptsitz ist in Münster. Das Unternehmen schlachtet, zerlegt, verarbeitet und veredelt an neun Standorten in Nordwestdeutschland, einer davon ist in Uentrop. Dort ging 1980 die Schlachtung in Betrieb, zwei Jahre später folgte die Zerlegung.

Gruppenweit schlachtet das Unternehmen etwa sieben Millionen Schweine und 400.000 Rinder im Jahr. Damit ist es einer der größten Fleischproduzenten in Deutschland. Westfleisch hat rund 7.500 Mitarbeiter, davon 750 (Stand Anfang des Jahres) in Uentrop. Die 1928 gegründete und heute Europäische Genossenschaft (SCE) zählt mehr als 4.700 Landwirte als Mitglieder und Eigentümer. Über Kooperationsverträge erzeugen sie Schweine, Rinder und Kälber.

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