Bürger protestieren

Gegen Gewerbegebiet: Anwohner übergeben Unterschriftenliste

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Eine Kiste voller Unterschriftenlisten übergaben die betroffenen Nachbarn der Erweiterungsfläche und Initiatoren der Protestaktion, Philipp Jaschka (von links) und Karl-Heinz Rüter sowie Katrin Kley und Gundi Alt, an Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann.

Uentrop/Norddinker - Gegner der Industriegebietserweiterung in Norddinker haben Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann eine Unterschriftenliste mit fast 900 Namen von Unterstützern übergeben.

Schon über den starken Zuspruch von rund 400 Teilnehmern waren die Initiatoren der Protestaktion vor rund einer Woche überrascht. Genauso erging es den Gegnern der Industriegebietserweiterung in der Norddinker-Heide, als sie die Namen der Unterschriftenaktion gestern Nachmittag zusammenzählten: 872.

„Wir haben nicht mit so vielen Leuten gerechnet“, sagt Karl-Heinz Rüter. Er ist einer der Initiatoren, der zusammen mit weiteren Betroffenen Nachbarn der angedachten Industriefläche gestern die Unterschriftenlisten an Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann überreichte. Noch am Abend trudelten 90 weitere Unterschriften ein. Das Ziel ist, dass sich der Stadtrat in seiner Sitzung Ende März für eine Streichung der Fläche aus dem Entwurf des Regionalplans ausspricht.

„Die Leute sind uns nachgelaufen und wollten weitere Listen haben“, sagte Katrin Kley überrascht über die breite Zustimmung zum Protest, obwohl für die Aktion eigentlich kein größerer Aufruf zur Beteiligung stattgefunden habe. Es seien immer wieder Listen bei ihm eingeworfen worden, und er wisse gar nicht, woher die gekommen seien, sagte Philipp Jaschka.

Nicht nur Nachbarn setzen sich für Natur-Erhalt ein

Worauf die Protestler deutlich hinweisen: Es sind längst nicht nur die wenigen betroffenen, direkten Nachbarn, die etwas gegen die Industrieansiedlungen haben, und die Vereine, die auf einem Teil der Fläche ihre Veranstaltungen stattfinden lassen, sondern auch viele Menschen aus der Stadt, die für den Erhalt der angrenzenden Geithe als Naherholungsgebiet protestieren.

Im Gespräch mit dem Oberbürgermeister bekräftigte Karl-Heinz Rüter die Kritik an der Informationspolitik, dass sie nur „beschwerlich“ von den Plänen des Regionalverbandes Ruhr erfahren hätten, rund 50 Hektar als Industriegebietserweiterung im Entwurf des Regionalplans vorzusehen, dass – sinnbildlich – „die Bürger überfahren werden sollten“. „Deshalb haben wir beschlossen, die Initiative zu ergreifen“.

IHK moniert fehlende Flächen

Der Oberbürgermeister bat um Verständnis für die Position der Stadt. „Es geht mir um eine sachliche und vernünftige Diskussion“, sagte er den Überbringern der Unterschriftenlisten. Eine Stadt mit neun Prozent Arbeitslosigkeit könne nicht auf die Erweiterungsfläche, die er mit 40 Hektar angab, verzichten. Er bleibt bei der Ausweisung der Fläche im Regionalplan. „Wir vermindern aber die Planung darum, dass die Industrie nicht automatisch nach Norddinker kommt.“ Er bezeichnete sie als „Tauschfläche“ mit „Platzhalterfunktion“ und kündigte die Erteilung eines Suchauftrags an, um Alternativflächen in der Stadt ausfindig zu machen. Er gab aber dabei zu bedenken, dass für gewisse Flächen Restriktionen gelten könnten – das heißt, Industrie könnte dort möglicherweise nicht angesiedelt werden.

Alles voll: Der Stadt Hamm gehen die Gewerbeflächen aus

Hunsteger-Petermann verwies im Gegenzug zur Ablehnung der Bürger auf einen „erheblichen Protest der Industrie und der Handwerkskammer“, dass derzeit keine Flächen mehr in Hamm verfügbar seien.

Hunsteger: „Ich kann Ihnen die Unsicherheit nicht nehmen“

Mit dem Verbleiben der Industriefläche im Regionalplan würde die Planung für die südliche Erweiterung des Gewerbegebiets Uentrop noch ganz am Anfang stehen. „Es fällt jetzt keine Entscheidung für Norddinker“, sagte er. Denn letztlich ist nicht der Regionalplan bestimmend, der nur die Möglichkeit der Ausweisung vorsieht, sondern eine erforderliche Änderung des Flächennutzungsplanes. „Die Entscheidung fällt die Stadt“, erklärte der OB. Wie er selbst allerdings erkannte: „Ich kann Ihnen die Unsicherheit nicht nehmen“, sagte er zu den Kritikern der Erweiterung.

Die rund 50 Hektar gehören nach Angaben von Betroffenen 27 Eigentümern. Wenn auch der OB signalisierte, dass sich schon Verkaufswillige im Rathaus gemeldet hätten. Karl-Heinz Rüter erklärte als ein Eigentümer: „Von mir kriegen Sie die Fläche nicht.

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