Achim Bahne ist sauer

Doppelter Ärger nach "Blitzlicht" an der Zollstraße

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Die Blitzsäule an der Zollstraße in Uentrop bringt der Stadt Hamm die meisten Einnahmen. Bei einem Bußgeldbescheid schlichen sich jetzt aber gleich ein ganze Reihe von Fehlern ein.

Uentrop - Der Blitzer an der Zollstraße behauptet weiter die Spitze. Was für die Stadt die zumindest finanziell erfolgreichste, fest installierte Anlage zur Geschwindigkeitsüberwachung ist, bleibt für Autofahrer ein großes Ärgernis.

Denn dort ist alles andere als ein Unfallschwerpunkt; der Blitzer steht kurz hinter der Autobahn-Anschlussstelle, noch dazu ist er im Grün dichter Bäume schlecht sichtbar... Der Ärger ist dann noch viel größer, wenn der Bußgeldbescheid fehlerhaft ist. Und Fehler können passieren.

Als Achim Bahne im Mai mit seinem Firmenwagen geblitzt wurde, weil er – nach Toleranzabzug – sechs km/h zu schnell war, und im Juni den Bescheid über das Verwarngeld bekam, machten ihn weniger die zehn Euro, die er zahlen sollte, wütend, als vielmehr die Fehler in dem Schreiben der Stadt. „Na ja, da musste es wohl mal wieder richtig schnell ans Geld gehen“, sagt der Hammer Garten- und Landschaftsbauer.

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Bei seinem Fahrzeug sollte es sich um einen Böckmann handeln. Er fuhr allerdings nicht mit einem antriebslosen Produkt des Anhänger-Herstellers, sondern mit einem Skoda. Beim Kennzeichen stimmten die Zahlen nicht. „Für einen Laien machte es den Eindruck, das wurde einfach dahingeschmiert“, meint er. „Ich habe erst einmal Einspruch erhoben“ – den allerdings erst, nachdem er die Frist fürs Verwarngeld verstreichen ließ und jetzt samt Gebühr und Zustellung ein Bußgeld von insgesamt 38,5 Euro bezahlen soll.

„Fehler können passieren“, sagt Stadtsprecher Tom Herberg. „In den meisten Fällen melden sich die Fahrer telefonisch. Dann wird noch einmal überprüft, und wenn dem so ist, wird der Bescheid zurückgenommen.“ So ist die Zahlungsaufforderung an Achim Bahne erst einmal vom Tisch und der Sachverhalt wird noch einmal überprüft. Ob er aber doch zahlen muss, steht noch nicht fest.

Aber abwarten, was passiert, weil ein solcher Bescheid fehlerhaft ist, ist der falsche Weg. „Wenn etwas nicht stimmt, direkt anrufen, bevor das Schreiben unbeantwortet bleibt“, empfiehlt Herberg. Wie häufig so etwas vorkommt, oder wie oft Einspruch eingelegt wird, kann er allerdings nicht sagen. „Wir führen darüber keine Statistik“, sagt der Stadtsprecher. Zahlen könnte allenfalls die Datenbankverwaltung hergeben. Doch das damit beauftragte Unternehmen würde dafür Tage brauchen.

Achtung, Autofahrer: Hier wird in Hamm geblitzt!

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So gibt es auch keine Zahl zu erfolgreichen Einsprüchen. Nach einer vorsichtigen Schätzung der Stadt dürfte sie allenfalls im Promillebereich liegen. Nur in den seltensten Fällen rücke die Stadt nach einer Prüfung von ihrem Standpunkt ab. Es könne auch vor Gericht gehen, sagt Herberg. Dennoch: „Fehler passieren“, sagt Herberg. „Wir haben in der Vergangenheit Schwachstellen ausgemacht.“

Bei mehrspurigen Straßen zum Beispiel hat die Software bei der automatischen Vorsortierung dem richtigen Fahrer das falsche Auto zugeordnet. In so einem Fall sollte die doppelte Kontrolle durch Mitarbeiter der Stadt den Fehler beheben. Dabei werden Autotyp, Kennzeichen und Geschlecht des Fahrers überprüft. „Weil das die typischen Fehler sind“, sagt Herberg.

Bei rund 87.300 Bescheiden im vergangenen Jahr haben die 13 Mitarbeiter der städtischen Abteilung eine ganze Menge zu kontrollieren. Die Bilder der stationären und mobilen Blitzer werden manuell ausgewertet. „Dann können Flüchtigkeitsfehler passieren“, erklärt Herberg. Durch flexible Ruhezeiten und eine Dreiteilung der Aufgaben gegen eine Arbeitsmonotonie sollen die Fehler minimiert werden.

„100-prozentige Sicherheit werden wir aber nicht bekommen“, sagt der Stadtsprecher. Neben der Auswertung der Bilder, kümmern sich die Mitarbeiter um die Digitalisierung und Weitergabe der Daten an die Bußgeldstelle, und sie sind im Außendienst mit den mobilen Blitzern im Einsatz.

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