Turbo-Internet für höchste Ansprüche

Diese Glasfaser ist nur für einen Kunden

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Die Glasfaser – am typisch orangefarbenen Kabelmantel zu erkennen – sorgt für schnelles Internet in Braam-Ostwennemar. Jedoch hat die Deutsche Telekom das Kabel in der Franz-Steimann-Straße nur für einen einzigen Kunden verlegt.

Braam-Ostwennemar – Die Hoffnung auf superschnelles Internet per Glasfaser war für die Anwohner der Franz-Steimann-Straße augenscheinlich berechtigt. Die Arbeiter brachten in diesen Tagen die Lichtwellenleiter im Nu in die Erde. Doch die Datenautobahn geht an den Häusern nur vorbei.

Die orangefarbene Ummantelung des Kabels war unübersehbar und weckte die Hoffnung auf noch höhere Bandbreiten bis ins eigene Haus. Stutzig dürfte Anwohner gemacht haben, dass sie nicht über die Arbeiten und über künftige neue Tarife informiert worden sind. Der Grund: Die neue Datenautobahn wird an ihren Häusern vorbeigelegt – ohne Zwischenhalt. 

Die Deutsche Telekom verlegt dort aktuell ein Glasfaserkabel für einen Kunden, genauer gesagt für ein einziges Unternehmen in Braam-Ostwennemar. „Es handelt sich dabei um einen Übertragungsweg, der als beauftragte Individualanbindung ausschließlich für dieses Unternehmen vorgesehen ist“, erklärt Telekom-Sprecher George-Stephen McKinney auf Anfrage. 

"Keine zusätzlichen Anbindungen möglich"

Bei dem Unternehmen handelt es sich um die Ingenieur GmbH Schmidt & Willmes (ISW). Der Dienstleister für gebäudetechnische Gesamtplanungen bekommt eine eigene Standleitung „inklusive kundenindividueller Leistungsparameter“, sagt der Telekom-Sprecher. „Und das ganz nach Wunsch und Anforderung. An diese Art von Leitungen ist keine zusätzliche Anbindungen weiterer Kunden möglich.“ 

Eine eigene Leitung für ein Unternehmen? Das bedeutet für ISW keineswegs Luxus, sondern Notwendigkeit. „Wir brauchen die Leitung, um konkurrenzfähig zu bleiben“, sagt Oliver Schmidt, der neben Jens Willmes geschäftsführender Gesellschafter des Familienunternehmens ist. Das Unternehmen hat drei Standorte, neben Hamm, auch in Bochum und Arnsberg. „Wir arbeiten standortübergreifend“, sagt er. „Dafür brauchen wir eine Standleitung.“ Bochumer Mitarbeiter des derzeit insgesamt 73 Beschäftigte zählenden Unternehmens müssen beispielsweise auf den Hammer Server zugreifen können und umgekehrt.

Höchste Anforderungen

Dabei sind große Datenmengen unterwegs. Die müssen sicher hin- und hergeschickt werden. Im Vergleich zu herkömmlichen Internet-Leitungen steht eine eigene Standleitung für höchste Verfügbarkeit, geringste Fehlerübertragung, permanente Erreichbarkeit und schnellen Service bei Leitungsstörungen. 

Klar, einfacher wäre es für das Unternehmen gewesen, wenn die Glasfaser schon in der Straße gelegen hätte. Mit Blick auf den Firmenstandort im denkmalgeschützten Hof und am Rande der Siedlung an der Bimbergsheide wäre sobald nicht damit zu rechnen. Es sei in so einem Fall schwierig, an die Leitung heranzukommen, sagt er. Es sei denn, sie wird extra gelegt. Das allerdings „kostet sehr viel Geld“, wie man sich, auch ohne den genauen Betrag genannt zu bekommen, denken kann. 

Bis zu 100 MBit pro Sekunde

Wenn auch die Nachbarn nicht an die neue Glasfaser können, das Internet ist bei ihnen nicht unbedingt langsamer. Immerhin bietet die Deutsche Telekom bis zu 100 MBit pro Sekunde an. Bis zu etwa 25 MBit benötigen Nutzer, damit die Fernseh-Qualität 4K ruckelfrei auf den Bildschirm kommt. Das reicht also. Das gibt es für normale Nutzer aber eben nicht als Standleitung mit höchsten Anforderungen. 

Die laufenden Tiefbaumaßnahmen dafür in Braam-Ostwennemar sind laut Deutscher Telekom „voraussichtlich bis Ende April 2020 abgeschlossen“

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