Gebäude spiegelt den „neuen Geist“ wieder

Erst von 1975, aber schon ein Denkmal - St.-Bonifatius-Kirche steht unter Schutz

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Seit dem Umbau vor zwölf Jahren lassen die bunten Fenster das Innere des Gotteshauses erstrahlen.

Werries – Bei denkmalgeschützten Kirchen kommt bei vielen zunächst der Gedanke an uralte, historische Bauwerke wie die gotischen Kathedralen des Mittelalters auf. Die St.-Bonifatius-Kirche in Werries zeigt, dass auch moderne Bauten ein durchaus schützenswertes Stück Architekturgeschichte sein können.

Ein Gutachten der Stadt und der Denkmalpflege des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) hat nun den Umfang des Denkmalwerts von St. Bonifatius festgelegt: Danach ist die Kirche mitsamt Turm und Sakristei sowie der dazugehörigen Freifläche und der bauzeitlichen Ausstattung als schützenswert bewertet worden. 

Bereits im Jahr 1913 entstand an selber Stelle eine „Notkirche“. Die Gründung der Zeche Maximilian und der daraufhin folgende Zuzug an Arbeitern machten diese Einrichtung notwendig. Die „Notkirche“ musste jedoch erst einmal lange halten: Im Jahr 1967 machten sich der Kirchenvorstand und der Pfarrgemeinderat gemeinsam mit dem bis heute unvergessenen Pfarrer Herbert Rapp Gedanken über einen Nachfolgebau. Der alte Bau wies erhebliche Mängel auf, und durch das neue DuPont-Chemiefaserwerk in Uentrop wurde mit einer großen Zahl neuer Gemeindemitglieder gerechnet.

Kirchbauverein gegründet

Nach Besichtigungen durch den Diözesan-Baumeister Josef Rüenauver und enger Abstimmung mit dem Erzbistum Paderborn wurde schließlich am 16. Mai 1969 der Kirchenbauverein gegründet und im Jahr 1971 der Architekt Vedder aus Menden mit der Planung einer neuen Kirche beauftragt. Doch da schlug das Schicksal zu: Vedder erkrankte schwer und starb. Der Architekt Paul Krisch aus Brackwede übernahm schließlich die Planung, und am 8. November 1975 konnte Erzbischof Dr. Johannes Joachim Degenhard das neue Gotteshaus einweihen. 

Der "neue Geist"

Das Gebäude spiegelt in sehr guter Weise den „neuen Geist“ wieder, der seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil auch in der sakralen Architektur Einzug gehalten hatte: Die Außenwände bestehen aus unterschiedlich langen und frei gestalteten Stahlbeton-Wandscheiben, während der Innenraum zeltartig von allen Seiten zum Altar führt und die von Professor Heinz Hollenhorst entworfene Ausstattung (Altar, Ambo, Weihwasserbecken, Wandtabernakel, Apostelleuchter und Taufbecken) den Gesamteindruck ideal unterstreichen.

„Ich finde unsere Kirche gerade für die Besucher toll“

Eine Zeitzeugin der ersten Stunde ist Margret Juchmann: Die 68-jährige ist seit Jahrzehnten in der Gemeinde aktiv. Sie ist Vorsitzende des Kirchenchores, über 30 Jahre im Pfarrgemeinderat und zehn Jahre im Kirchenvorstand aktiv. „Ich finde unsere Kirche gerade für die Besucher toll“, sagt Juchmann. Durch die zeltförmige Struktur zum Altar hin, gebe es jederzeit freie Sicht auf den Altar. Im Blick zurück erinnert sie sich daran, dass auch der Abriss der Notkirche nicht unumstritten war: „Das war schon mit Schmerzen verbunden, da viele Erinnerungen daran hingen“, sagt Juchmann. Doch spätestens als an den Trümmern erkennbar wurde, wie marode die alte Kirche war, legte sich jeder Widerstand und der Blick ging nach vorn.

Margret Juchmann liebt ihre St.-Bonifatius-Kirche.

Um dem traurigen Anblick des Kirchenabrisses zu entfliehen, machte sich Pfarrer Rapp auf den Weg, den Begründer der Notkirche, Pfarrer Johannes Reker, zu besuchen, sagt Juchmann. Dieser habe sich über den Neubau gefreut und gestaunt, dass die Notkirche nicht schon längst ersetzt wurde, berichtete Rapp damals. 

"Tolle Akustik"

Inzwischen liebten alle ihre St.-Bonifatius-Kirche und auch kleine Nachteile hätten sich als Vorteil entpuppt: „Wir haben keine tolle Akustik im Kirchenraum“, so Juchmann. Das habe sich aber deshalb als Vorteil gezeigt, als die Chormitglieder nicht ständig gegen sich selbst ansingen müssten. Nachdem die Kirche lange unverändert blieb, habe Pfarrer Bernd Mönkebüscher im Jahr 2007 mutig eine komplette Renovierung veranlasst. „Seitdem strahlt die Kirche im neuen Glanz und mithilfe des Kirchenbauvereins konnten auch endlich die buntverglasten Fenster eingebaut werden“, freut sich Juchmann rückblickend. 

Auch ohne einen „eigenen Pfarrer“, der direkt am Ort lebt, sei St. Bonifatius ein Ort voller Leben. „Und wir Gemeindemitglieder kommen mit allen unseren Geistlichen im Pastoralverbund sehr gut aus“, sagt Juchmann. So solle es auch mit dem lebendigen Denkmal weitergehen.

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