Prozession durch das Gewerbegebiet / Video und Fotostrecke im Artikel

Feier der Superlative: 14.000 Besucher beim Jahresfest der Hindus in Uentrop 

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Die Teilnahme an der Prozession in Uentrop ist für die Gläubigen ein Höhepunkt des Jahres.

Hamm – Spiritualität und ein Rausch der Sinne bestimmten am Sonntag beim großen Jahresfest der „Hinduistischen Gemeinde in Deutschland“ das Geschehen: Nach Angaben der Polizei kamen rund 14 000 Besucher zum Sri Kamadchi Ampal-Tempel ins Gewerbegebiet Uentrop.

Die Gläubigen aus ganz Europa nahmen an der beeindruckenden Prozession teil, die Höhepunkt des rund zweieinhalbwöchigen Jahresfestes der Gemeinde ist. Sie beteten im Tempel und nutzten die Gelegenheit, sich auf dem Basar mit allerhand exotisch anmutenden Dingen einzudecken. 

Als gegen 13 Uhr die große Prozession an der Siegenbeckstraße startete, boten sich den unkundigen Zuschauern faszinierende Bilder: Gläubige Männer im Lendenschurz trugen kleine hölzerne Gestelle auf ihren Nacken und hatten sich Haken durch den Rücken gesteckt. 

An den Haken waren Stricke angebracht, die von den Begleitern gehalten wurden. Ihnen folgten viele Frauen im traditionellen Sari, die Blumen, Früchte oder Schalen mit offenem Feuer auf ihren Köpfen mitführten. 

Nach den Frauen folgte erst ein kleiner, dann ein riesiger Prunkwagen, die Abbilder zahlreicher Gottheiten enthielten und von zahllosen Gläubigen an langen Stricken gezogen wurden.

Große Prozession des Jahresfestes der Hinduistischen Gemeinde Deutschland 2019

Der Oberpriester des Sri Kamadchi Ampal-Tempels, Siva Sri Arumugam Paskarakurukkal, fuhr auf dem großen Wagen mit, um die Göttin zu begleiten.

Zum ersten Mal beim Tempelfest

Was für die Gläubigen ein zutiefst spirituelles Erlebnis darstellte, war für andere Besucher die geballte Exotik: Christa und Werner Cieplik waren aus Münster angereist und verfolgten das große Tempelfest zum ersten Mal. 

„Schon auf dem Weg sind uns Autos aus Spanien, Frankreich und Holland aufgefallen“, berichtet Cieplik begeistert. Sie hätten vom Bruder eines Bekannten von dem Fest erfahren und bereuten es nicht, angereist zu sein. Dieser Rausch an Farben, Gerüchen und fremder Sprachen wirkten wie ein Traum aus 1001 Nacht. Nur ein paar Bänke hätten sich die Senioren noch gewünscht. Sie wollen auf jeden Fall wiederkommen, um den Tempel ganz in Ruhe zu besichtigen. 

Die Familie von Chelliah Suseetharan (links) kommt seit 25 Jahren zum Jahresfest und versorgt - auf eigene Rechnung und zu Ehren der Göttin - die Gläubigen. 

Ein Jubiläum der besonderen Art erlebte die Familie von Chelliah Suseetharan: Die Hinduistin kommt seit 25 Jahren mit ihrer Familie aus London angereist, um die Pilger mit kostenlosem, selbstgemachtem Essen zu versorgen. „Mein Vater, den alle unter dem Namen „Postman“ kennen, ist seit vielen Jahrzehnten mit dem Oberpriester befreundet“, sagt Suseetharan. 

Beim ersten Tempelfest habe es sie alle beeindruckt, wie viele Gläubige mit wenig Geld sich über hunderte von Kilometern auf den Weg machten, um ihren Glauben zu leben. Damit auch sie gut gestärkt werden, nimmt die Londoner Familie seit einem Vierteljahrhundert die Kosten und den weiten Weg auf sich.

Improvisierte Radkralle

In diesem Jahr erlebten sie allerdings noch eine Premiere der unschönen Art: An der Polizeisperre seien sie mit der Einladung des Oberpriesters problemlos durchgekommen. Das Ordnungsamt traute dem Ansinnen der Familie jedoch nicht: So wurde dem Transporter der Familie kurzerhand eine improvisierte Radkralle angelegt, um jedweden Verkehr im abgesperrten Bereich zu unterbinden. 

Den irritierten Briten war es zunächst egal, denn die Hauptsache war es, die Bewirtung der Pilger sicherzustellen. Am Sonntagnachmittag hofften sie jedoch, bald wieder befreit zu werden. Sie mussten schließlich nachts die Fähre nach England bekommen, da die schulpflichtigen Söhne am Montagmorgen wieder in den Unterricht mussten.

So fällt das Fazit der Polizei aus

"Abgesehen von kurzen Rückstaus auf der Autobahn 2 und Verkehrsstörungen auf den Straßen rund um das Veranstaltungsgelände während der Anreisephase verlief das diesjährige Hindu-Tempelfest aus Sicht der Hammer Polizei friedlich und störungsfrei", teilte die Polizei Hamm am Sonntagabend mit.

In den Nachmittags- und frühen Abendstunden hätten Polizisten nach Diebstählen auf dem Veranstaltungsgelände zwei Strafanzeigen geschrieben. Verkehrsunfälle hätten die Beamten nicht aufnehmen müssen.

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