Altenheime selbst in der Plicht

Bestellung mit Hindernissen: So geht das Impfen in Hamm weiter

Klare Reihenfolge: Welche Bevölkerungsgruppe beim Impfen wann zum Zuge kommt, regelt die Impfverordnung des Bundes auch für Hessen.	FOTO: DPA
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Auf diese Spitze warten auch in Hamm tausende Menschen. Sie müssen aber Geduld haben, mahnt OB Herter.

In Hamm werden am heutigen Mittwoch weitere Menschen gegen Corona geimpft. Eine Neuerung sorgt derweil für Ärger und Irritationen in den Altenheimen und bei der Stadt.

Hamm - Planmäßig und unversehrt kam am Dienstag die zweite Charge des empfindlichen Biontech-Impfstoffs in Hamm an; sie wird seit am Mittwochvormittag weiter verimpft. Es standen noch 76 Impfungen im „Premieren-Altenheim“ Liebfrauen aus: Für einige Bewohner und Mitarbeiter hatte der Impfstoff aus der ersten Lieferung nicht ausgereicht. (News zum Coronavirus in Hamm)

Für Ärger und Irritation sorgte am Dienstag bei Senioreneinrichtungen und der Stadtverwaltung die Nachricht, dass das Bestellportal des NRW-Gesundheitsministeriums kurzfristig ausgefallen ist und sich dadurch die Bestellstruktur grundlegend verändert hat. Notgedrungen organisiert die Kassenärztliche Vereinigung (KVWL) nun die Verteilung des Impfstoffs auf die Seniorenheime nicht mehr über ihre ärztliche Leitung in den Impfzentren, sondern verlangt, dass die jeweiligen Senioreneinrichtungen den Impfstoff selbst anfordern.

Corona-Impfungen in Hamm: Reihenfolge geändert

Stadt und Heimleitungen zeigten sich irritiert. Mit Hochdruck arbeiten sie nun daran, die bereitstehenden Dosen konkret anzufordern. „Wir werden das gemeinsam mit der ärztlichen Leitung des Impfzentrums nach Kräften unterstützen“, reagierte Oberbürgermeister Marc Herter auf den Grund für die kurzfristige Planänderung, „aber das Verständnis dafür, dass das Meldeportal des Landes ausfällt, hält sich bei allen Beteiligten in ganz engen Grenzen“.

Die kurzfristige Information an die Heime führte dazu, dass die geplante Reihenfolge geändert werden musste: Am heutigen Mittwoch erhält nun das Reginenhaus in Rhynern 160 Dosen des Impfstoffs. Nach dem Jahreswechsel ist das Seniorenheim St. Stephanus an der Reihe.

Corona-Impfungen in Hamm: Impfungen ohne Verzug

Das Zusammenspiel zwischen den Verantwortlichen auf Seiten der Stadt und des ärztlichen Teams der KVWL bezeichnet OB Herter als routiniert und vertrauensvoll: „Jeder konzentriert sich auf seinen Verantwortungsbereich. Gemeinsam garantieren wir, dass alle gelieferten Impfdosen umgehend und vor der nächsten Lieferung verimpft werden. So stellen wir sicher, dass es keinen Verzug gibt.“

In welcher Reihenfolge die Heime bei der Impfung berücksichtigt würden, könne nicht exakt gesagt werden. Geimpft wird in Heimen nur dann, wenn es dort keine Corona-Fälle gibt. In den letzten Wochen waren immer in etwa einem Drittel der 30 Hammer Heime Fälle aufgetreten.

Corona-Impfungen in Hamm: Kommunikation soll besser werden

Die Pressestelle der Stadt Hamm wird künftig die Öffentlichkeitsarbeit zu den Corona-Impfungen übernehmen. Das soll eine einheitliche Kommunikation gewährleisten. Die Stadt stimmt dies mit der KVWL sowie der ärztlichen Leitung des Impfzentrums ab. Das kündigte Herter an.

Auch wenn nun die Impfung begonnen hat und damit der Startschuss zur Bekämpfung der Pandemie geben wurde, solle sich niemand täuschen: „Das wird ein Marathon – kein Kurzstreckenlauf. Die Verfügbarkeit der Impfstoffe wird das Tempo bestimmen, in dem die Impfung weiterer Teile der Bevölkerung erfolgen kann“, erklärte Herter. Er garantiert aber, dass jeder, der geimpft werden will, innerhalb eines Jahres ein entsprechendes Angebot bekommt.

Corona-Impfungen in Hamm: Wann startet das Impfzentrum?

Zunächst werden wie geplant alle Altenheime mit dem Impfmittel versorgt und Bewohner und Mitarbeiter geimpft. Danach öffnet das Impfzentrum. Wann das genau sein wird, dazu gab es am Dienstag noch keine Antwort. Die KVWL spricht von Mitte Januar – „vielleicht schon früher“. Nach Angaben der KVWL kann ein Termin genannt werden, wenn klar ist, wann genügend Impfstoff vorhanden ist.

Aufbau des Impfzentrums an der Friedensschule in Hamm

Impfzentrum Hamm an der Friedensschule
Impfzentrum Hamm an der Friedensschule
Impfzentrum Hamm an der Friedensschule
Impfzentrum Hamm an der Friedensschule
Aufbau des Impfzentrums an der Friedensschule in Hamm

Wenn dann das Impfzentrum in der Dreifach-Turnhalle an der Friedensschule öffnet, sind zuerst die über 80-Jährigen an der Reihe. Wie sie informiert werden, steht noch nicht fest. Daran arbeite das Gesundheitsministerium mit Hochdruck, erklärt die KVWL. Es steht zur Diskussion, ob die Senioren von der KVWL, den Krankenkassen oder den Kommunen angeschrieben werden, erklärte eine KVWL-Sprecherin. Steht dann fest, wann die über 80-Jährigen an der Reihe sind, müssen individuelle Termine über die einheitliche Rufnummer 116-117 vereinbart werden. Die Sprecherin der KVWL bittet darum, dass diese Nummer erst dann angerufen wird, wenn die Impfzentren öffnen beziehungsweise ein Aufruf gestartet wird.

Corona-Impfungen in Hamm: Helfer fürs Impfzentrum gesucht

Auf Hochtouren läuft auch die Vorbereitung für das Impfzentrum selbst. Medizinisches Personal – Ärzte und Helfer – ist bereits gefunden. Unterstützung leisten die Zentralhallen bei der Begrüßung der Impfwilligen, Aufnahme der Personalien und der Ausgabe der Anmeldeunterlagen. Für diese Aufgaben suchen die Zentralhallen Hamm noch Mitarbeiter:

Impfzentrum in Hamm - die wichtigsten Fakten:

  • Das Impfzentrum soll täglich im Zwei-Schicht-Betrieb von 8 bis 20 Uhr geöffnet sein (der genaue Starttermin im Januar ist noch nicht bekannt).
  • 6 „Impfstraßen“ wurden in der vorderen der Dreifachsporthallen gemeinsam von der Stadt, der KVWL und den Zentralhallen eingerichtet.
  • 600 Impfungen am Tag sollen möglich sein, das entspricht 18.000 Impfungen im Monat.
  • Begleitpersonen sind ausdrücklich erwünscht, werden aber nur dann mitgeimpft, wenn sie ebenfalls einen Termin haben.
  • Menschen mit Symptomen wie Fieber werden strikt von allen anderen getrennt, um Ansteckungswege zu verhindern. Die Fiebermessung findet verpflichtend nach der Ankunft statt.
  • Im Foyer werden die persönlichen Daten der Impfkandidaten geprüft. Personalausweis und Krankenversicherungskarte sollten deshalb mitgebracht werden. 
  • Vor der Impfung gibt es ein Aufklärungsgespräch mit einem Arzt zum allgemeinen Befinden und möglichen Allergien. Danach geht es in eine Impfkabine, wo die Spritze gesetzt wird. 
  • Die Impfungen werden durch Ärzte der KVWL vorgenommen.
  • An einem der sechs Schalter kann sich der Impfling „auschecken“. Es werden die Originalunterlagen ausgehändigt. Diese müssen zum zweiten Impftermin nach exakt drei Wochen mitgebracht werden.
  • Geimpfte werden im Anschluss für 30 Minuten in einem Ruheraum beobachtet; damit soll gewährleistet werden, dass sie den Impfstoff gut vertragen.
  • Nach höchstens 60 Minuten soll die gesamte Prozedur vorüber sein.
  • Ein klares Park- und Verkehrskonzept soll die Belastung für die Anwohner und die Schüler im Umfeld so niedrig wie möglich halten. Wichtig: Dieses greift schon jetzt.

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