„Nur an meinen Sohn gedacht“

Entschuldigung nach Spielhallen-Überfall abgelehnt: Bedrohte Angestellte schildert Momente der Angst

Überfall auf Spielhalle Hamm Wilhelmstraße 24.5.2020
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Der Tatort: Diese Spielhalle auf der Wilhelmstraße wurde im Mai 2020 überfallen.

Der brutale Überfall auf eine Spielhalle an der Wilhelmstraße hat bei der angestellten Aufsicht tiefe Spuren hinterlassen. Das zeigte sich bei der emotionalen Zeugenaussage der Frau vor dem Dortmunder Landgericht.

Dortmund/Hamm – Die 48-jährige Zeugin ist immer noch geschockt, wenn sie an den späten Abend des 24. Mai zurückdenkt. Innerhalb weniger Sekunden wurden damals aus zwei eigentlich harmlos aussehenden „Kunden“ brutale Räuber. „Einer hat mich mit voller Wucht getreten und dann am Zopf durch den Laden geschleudert“, sagte die Zeugin den Richtern. „Ich hatte nachher tagelang blaue Flecken.“

Nach nur einer Woche Krankheits-Auszeit hat die 48-Jährige aber sofort wieder ihren Dienst aufgenommen. Psychologische Hilfe benötigte sie nach eigener Einschätzung nicht. Als die beiden Angeklagten sich jedoch bei ihr im Gerichtssaal entschuldigen wollten, wirkte die Frau plötzlich gar nicht mehr so stark wie zuvor.

Überfall auf Spielhalle: Angstmomente nach Zücken eines Messers

„Das will ich nicht“, sagte sie mit leiser Stimme. Dann blickte sie die Angeklagten an und meinte: „Ihr hättet das Geld nehmen können, okay. Aber ihr musstet mich nicht schlagen und treten.“ Als die das Messer in der Hand des einen Täters gesehen habe, habe sie richtig Angst bekommen. „Ich habe die ganze Zeit nur an meinen Sohn gedacht. Ich habe mich wirklich gefragt, ob ich an diesem Abend noch nach Hause komme oder nicht.“

Laut Anklage betraten die Täter am 24. Mai kurz nacheinander die Spielhalle an der Wilhelmstraße. Sie warfen zunächst ein paar Münzen in Automaten, ehe es urplötzlich zur Gewaltausübung gegenüber der Spielhallen-Angestellten kam.

Überfall auf Spielhalle: Volle Geständnisse abgelegt

Die beiden 23 und 24 Jahre alten Freunde auf der Anklagebank wirkten während der Zeugenaussage sichtlich geknickt. Immer wieder senkten sie den Kopf und trauten sich nicht, in die Richtung der Spielhallen-Aufsicht zu schauen.

Gleich zu Beginn des zweiten Verhandlungstages hatten beide volle Geständnisse abgelegt und ihr Bedauern zum Ausdruck gebracht. „Mein Mandant schämt sich total“, sagte auch Verteidiger Matthias Meier.

Überfall auf Spielhalle: Kokain und Alkohol im Spiel

Vor dem Überfall wollen die Angeklagten mehrere Gramm Kokain genommen und auch Alkohol getrunken haben. Als schließlich die letzten Euros in einem der Spielautomaten gelandet waren, hätten sie spontan beschlossen, sich neues Geld mit Waffengewalt zu holen. „Sie haben die falsche Entscheidung getroffen“, so Meier.

Beide wüssten jedoch, dass ihr Leben so nicht weitergehen könne. Der Prozess wird fortgesetzt.

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